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Frauen, Männer, Mittelpunkte

Beziehungsreich: Das Fürther Atelier in der Alten Kirche zeigt Malerei und Zeichnungen - 17.03.2017 17:15 Uhr

Strichweise hintersinnig, temperamentvoll, melancholisch: Anette du Mont (li.) beim Heimspiel mit ihren Künstlerkollegen Cornelia Effner und Markus Hofmann.

Strichweise hintersinnig, temperamentvoll, melancholisch: Anette du Mont (li.) beim Heimspiel mit ihren Künstlerkollegen Cornelia Effner und Markus Hofmann. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Bei Anette du Monts Tusche- und Acrylwerken dreht sich alles um Strukturen, Wirbel und Mittelpunkte, ob explosionsartig, wollig fein oder gewebeförmig. Mal meint man, eine Baumscheibe mit ihren Jahresringen zu sehen, mal eine Funken streuende Feuerwerksrakete oder einen Tornado, dann wieder ein Stück Stoff oder Gewebe. Alles strömt jeweils aus einem Nabel hinaus in die Welt, gerne mit einem Knall.

Auch wenn dieser Ursprungsort nicht immer zu sehen ist, scheint er doch irgendwo anwesend zu sein, nur liegt er bei diesen Arbeiten eben außerhalb des Bildes. Bei anderen ist er gleich mehrfach vorhanden, dezentral vernetzt wie die postmoderne Welt. Die Farbskala der Künstlerin ist breit und beinhaltet Schwarz und Weiß, Rot und Lila, Blau und Grün. Dominierten bei du Mont früher Kreuze, so arbeitet sie jetzt mit fein verteilten Strichen.

Cornelia Effner hat leicht abstrahierte Frauengestalten in verschwimmenden Flächen aquarelliert, die stark, kämpferisch und selbstbewusst daher kommen. In ihrer bunten Siebziger-Jahre-Kleidung oder halb nackt wirken sie aber durch die hellen Farbtöne auch fröhlich und entspannt. Nur angreifen sollte man sie wohl besser nicht.

Die Figurenkonstellationen sind gut getroffen, die Posen offenbaren das Innenleben von Effners Heldinnen. Ihre Gefühle blitzen gekonnt im wässrigen Verlauf der Farbe auf, gerinnen in den verdichteten, von leichter Hand aufgetragenen Pigmenten. Hier steckt viel Hintersinn, Humor und ein Schuss Melancholie dahinter, Effner ist eine Meisterin des eleganten Strichs. Ihre Ausbildung als Plakatmalerin und Grafikerin verrät sich in dem aufs Wesentliche reduzierten Stil.

Im Kontrast dazu hat Markus Hofmann Männer gemalt, die ziemlich am Ende sind. Gut zu gehen scheint es vielen von ihnen jedenfalls nicht. Sie trinken, grübeln, sind alleine, präsentieren sich im Unterhemd oder auch sonst so, als stünde ein Absturz bevor.

Ob sie vielleicht einfach nur müde ein Feierabend-Bier genießen, weiß der Betrachter freilich nicht, der Eindruck ist aber ein anderer. Das liegt auch an den dunklen, grau-braun-schwarzen Farben, an den Nacht-Szenerien und an den Gespenstern, die Hofmann seinen schrullig-faltigen Typen zugesellt. Verletzt sind sie offenbar nicht körperlich, sondern seelisch; sie machen Krisen durch, die man nicht einmal erahnen kann.

Und gerade dadurch hält in diese Acrylbilder ein Realismus Einzug, der gut tut in Zeiten, da man überall mit geglätteten, perfekten Fotoshop-Gesichtern konfrontiert wird. Hofmanns Männer leben, auch wenn sie vielleicht gerade ihren Job oder die Freundin verloren haben. Und hier trifft er sich wiederum mit Effner, denn auch deren Damen lassen sich nicht unterkriegen. Eine interessante Kombination.

"Effner, Hofmann, du Mont — Malerei und Zeichnung": Atelier in der Alten Kirche, Blumenstraße 33, täglich 15-19 Uhr. Bis Sonntag. Finissage ab 15, Musikprogramm ab 17 Uhr.  

CLAUDIA SCHULLER

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