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Frischer Wind im Leichtathletik-Freistaat

Bei den Bayerischen Meisterschaften präsentiert sich nicht nur die Fürther Halle am Finkenschlag runderneuert - 23.01.2012 16:00 Uhr

Und los: Die bayerische Leichtathletik startet durch, in Gunzenhausen, Gambach, Herzogenaurach, Bad Kötzting und auch in der schmucken Fürther Halle am Finkenschlag.

Und los: Die bayerische Leichtathletik startet durch, in Gunzenhausen, Gambach, Herzogenaurach, Bad Kötzting und auch in der schmucken Fürther Halle am Finkenschlag. © Theo Kiefner


Im VIP-Raum saßen tatsächlich die wichtigsten Personen dieses Wochenendes. Zwei Kampfrichter gönnten sich eine Pause. Auf einem Flachbildfernseher wurde das aktuelle Geschehen aus der Halle übertragen. Hübsch aufgereihte Hantelscheiben verrieten, wozu dieser Raum genutzt wird, wenn die bayerische Leichtathletik nicht gerade ihre Besten sucht. Hier empfing der Präsident seine Gäste, hier sagte Wolfgang Schoeppe vor der weißblauen Fahne: „Was die Aktiven betrifft, stehen wir so gut wie lange nicht mehr da. Kassel, das hat uns positiv überrascht.“

Sechs Titel hatten die Leichtathleten des Freistaats bei den Deutschen Meisterschaften in Kassel geholt. Es gab Zeiten, da kam allein der LAC Quelle Fürth auf diese Bilanz. Diese Zeiten sind lange vorbei. „Früher hat die Quelle die Athleten an den Grenzen des Landesverbands aufgehalten. Natürlich hat das ein Loch hinterlassen“, meint Schoeppe, der dem Bayerischen Leichtathletik-Verband (BLV) seit fast zwei Jahren vorsteht.

Das „das“, mit dem der Rechtsanwalt aus Ansbach das Versiegen des einstmals größten Versandhauses umschreibt, spielt in der Halle am Finkenschlag schon lange keine Rolle mehr. Den Namen haben sie aus Dankbarkeit behalten, der Verein aber hat sich verändert, ist bescheidener und ehrlicher geworden. An den Abenden vor den Meisterschaften sind sie auf den Knien über die Bahn gerobbt, um die Markierungen für die Staffel- und Hürdenrennen zu erneuern. Die großen Renovierungsarbeiten waren da schon lange abgeschlossen. Die mächtigen Heizlüfter wurden abmontiert, eine neue Heizung installiert. Es weht ein frischer Wind am Finkenschlag.

Zwei Titel für Herzogenaurach

„Natürlich ist die Halle unser größter Trumpf“, sagte Jan Glößinger, der sportliche Leiter des LAC. „Aber wir punkten auch mit anderen Dingen. Früher wurden die Athleten mit Geld nach Fürth geholt, jetzt kommen sie wegen unseres intakten Vereinslebens.“ So wie die Brüder Antonov, junge, hochtalentierte Multitalente, die samt Trainer und Trainingsgruppe aus Bad Kissingen gekommen sind. Im Nachwuchsbereich ist der LAC so gut wie lange nicht mehr aufgestellt, im Aktivenbereich holte er am Wochenende zwei Titel. Einst gab es lediglich zwei Titel, die nicht von den Fürthern geholt wurden. Die Fürther aber sind geduldig. Das Anspruchsdenken hat sich verändert, weil sich die Leichtathletik verändert hat.

Erfolgreiche oder zunächst einmal Erfolg versprechende Leichtathleten kommen nicht aus Vereinen, die von Großsponsoren subventioniert werden. Solche Vereine gibt es im Bundesgebiet kaum mehr. Sie kommen von Vereinen, in denen sich leidenschaftliche Trainer engagieren. So wie in Gambach, Gunzenhausen, Bad Kötzting, Erding — oder Herzogenaurach.

Der leidenschaftliche Trainer der dort ansässigen Turnerschaft heißt Peter Müller. Zwei Meistertitel brachte sein Team mit nach Herzogenaurach — den Abonnement-Titel im Dreisprung durch Katharina Schreck und einen überraschenden in der Sprintstaffel der Männer. „Wir haben aktuell eine sehr gute Truppe“, findet Müller, die Arbeit aber werde nicht einfacher. Die Schule fordere den Nachwuchs deutlich mehr als früher, Kinder, die an einem Klimmzug scheitern, kennt er auch. „Von unten aber kommt immer weniger nach.“ Und auch von oben wünscht er sich mehr Unterstützung. Die Medienpräsenz der Leichtathletik lasse zu wünschen übrig, die Unterstützung in Herzogenaurach auch. Müller klingt keinesfalls bitter. Müller hält ein Plädoyer für seine Sportart: „Leichtathletik schult das Durchhaltevermögen und das Durchsetzungsvermögen. Ich bin überzeugt davon, dass die Athleten für ihr späteres Leben davon profitieren.“

Müller hätte auch Martin Conrad meinen können. Wenn der 25-Jährige seinen Start ins Berufsleben so zielstrebig gestaltet wie seinen 800-Meter-Lauf, muss er sich kaum sorgen. Der Fürther will im Sommer zur EM nach Helsinki, ein großes Ziel, sein Sieg in 1:50,66 Minuten aber deutete an, dass es nicht zu hochgesteckt ist. Auf die EM folgt Olympia in London. Schoeppe hat mit den Viertelmeilern Plass, Gollnow, Gaba, Giehl, der Unterfränkin Kohlmann und der Regensburgerin Harrer sechs Kandidaten dafür aufgezählt. Vielleicht kommt noch einer hinzu. 

SEBASTIAN BÖHM

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