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Fürth: "Der Festsaal muss bleiben"

Park-Hotel: Denkmalnetz Bayern fordert OB Jung auf, den Abriss zu verhindern - 03.06.2012 13:00 Uhr

Der Festsaal des Parkhotels in seine Glanzzeiten. © Archiv


Das Schreiben ging in Kopie auch an die Firma MIB, die den Einkaufsschwerpunkt an der Breitscheidstraße bauen wird. Das Denkmalnetz, dem mehr als 80 Bürgerinitiativen und Vereine angehören, zeigt sich darin „bestürzt“, dass sich die Stadt Fürth „gegen die eigene Geschichte wendet“ und den denkmalgeschützten Saal mit seiner besonderen Dachkonstruktion dem Abriss preisgibt. Trotz der Zerstörungen — wie berichtet, wurden vor einiger Zeit wertvolle Stuckmedaillons von den Wänden geschlagen, der Täter wurde nie ermittelt — sei der Saal weiter historisch bedeutsam.

Er war, schreibt Bündnis-Sprecherin Meike Gerchow, „Aushängeschild Ihrer Stadt und kann es wieder werden.“ Er könnte das neue Einkaufszentrum „unverwechselbar“ machen.

Aufmerksam geworden sei man auf die Abrisspläne durch das Engagement des Stadtheimatpflegers Alexander Mayer. Neben der Bürgerinitiative „Bessere Mitte“ hat er sich stets dafür stark gemacht, den Saal aus dem 19. Jahrhundert zu restaurieren. Die Firma MIB, die von der Stadt den Zuschlag für das Einzelhandelsprojekt bekam, allerdings hat von Anfang an klargemacht, dass sie sich nicht imstande sehe, den Saal zu erhalten.
 

Noch Hoffnung


Er habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, sagt Mayer auf FN-Nachfrage. Schließlich handle es sich bei MIB „um eine seriöse Firma, die in vielen Dingen entgegenkommend war“ und „ein gutes Gefühl für die Stadt“ hat. Bislang seien die Kosten eines Erhalts seines Wissens nach „nicht im Detail“ geprüft worden, sagt er. Und fügt hinzu: „Man hat schon marodere Gebäude wieder hergerichtet.“ Möglicherweise habe ja einer der Architekten, die sich zurzeit in einem „Workshop“ mit der Gestaltung des Zentrums befassen, noch eine geniale Idee. Dabei weiß Mayer freilich, dass der Saal gar nicht Bestandteil des Workshops ist.

„Die Entscheidungen sind gefallen“, sagt indes OB Thomas Jung. Zudem sei der Saal in einem erschreckenden Zustand. Mehr Verständnis für die Denkmalschützer hat Baureferent Joachim Krauße, der sich im Vorfeld der Ausschreibung vergeblich bemüht hatte, den Erhalt des Saals zur Auflage für den Bauherrn zu machen. Man dürfe sich vom jetzigen Zustand nicht täuschen lassen, sagt Krauße und kommt sogar ins Schwärmen: Der Raum wäre schon wegen der Größe in einem Einkaufszentrum eine Attraktion, kreative Ideen ließen sich bei einer Nutzung als Verkaufsfläche umsetzen. Es wäre „etwas ganz Ungewöhnliches, was Sie so nicht finden.“ Und eigentlich seien Städte ja auf der Suche nach so etwas. Krauße weiß aber auch dies: Der Erhalt wäre eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Und: Die Entscheidungen sind gefallen. Die Kriterien könne man nicht im Nachhinein ändern. Er teile die Trauer, habe aber auch Verständnis dafür, dass der Bauherr etwas anderes vorhabe.

„Der Saal passt nicht in unser Konzept“, sagte gestern MIB-Geschäftsführer Uwe Laule auf FN-Nachfrage. Man wolle an anderer Stelle „Schwerpunkte im Denkmalschutz setzen“. Dafür entscheidend seien nicht allein die Kosten, die mit einer Restaurierung verbunden sind. Ein Erhalt des Saals hätte Auswirkungen auf die Planung der Fluchtwege, der Anlieferung und der Verkaufsflächen. Die Nutzungsmöglichkeiten wären eingeschränkt und eine Ertragsreduktion wäre zu erwarten.

  

CLAUDIA ZIOB

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