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Fürth: Grüne trommeln fürs Carsharing

System der gemeinsamen Fahrzeug-Nutzung ist in Fürth noch unterentwickelt - 23.09.2015 06:00 Uhr

Carsharing-Anbieter Matthias Vondran zeigt, wie das Aufschließen der Autos per Chipkarte funktioniert.

Carsharing-Anbieter Matthias Vondran zeigt, wie das Aufschließen der Autos per Chipkarte funktioniert. © Foto: Leberzammer


Matthias Vondran schämt sich beinahe, als er die Zahl der Carsharing-Fahrzeuge in Fürth nennt. Exakt vier Autos hält sein Unternehmen derzeit für diese Art der Nutzung parat, berichtet der Leiter der Region Süd in der Scouter Share Group GmbH. „Dabei gibt es in einer Stadt mit 120 000 Einwohnern ein Irrsinns-Potenzial von locker 40 bis 50 Pkw“, glaubt er.

Etwa 450 Kunden teilen sich nach Vondrans Angaben aktuell die vier Autos in Fürth. Zum Vergleich: In Nürnberg, allerdings viermal so groß, stehen momentan 45 Autos für etwa 1500 Kunden zur Verfügung. Hier wie dort ist noch viel Luft nach oben.

„Unser Problem ist eine mangelnde Präsenz“, bedauert Matthias Vondran. Während es in Fürth genau eine Stelle gibt - die Gebhardtstraße nahe dem Bahnhof -, an der die Leihwagen stehen, sind es in der Nachbarstadt zwar deutlich mehr; dort aber liegen sie nicht selten recht versteckt. „Wir müssen private Stellflächen mieten, häufig in Hinterhöfen, wo wir nicht gesehen werden“, beschreibt der Geschäftsmann die Problematik.

Grünen-Chef kritisiert Gesetzgeber

Harald Riedel, Chef der Grünen- Stadtratsfraktion, kritisiert deshalb den Gesetzgeber: „Es ist schwer nachvollziehbar, warum man nicht Sonderflächen wie für Ärzte, Behinderte oder Anwohner auch für das Carsharing ausweisen kann.“ Die Fürther Stadtverwaltung könne ebenfalls dazu beitragen, das Angebot attraktiver zu gestalten - etwa indem sie ihre Dienstfahrzeuge abends und an den Wochenenden fürs Carsharing zur Verfügung stelle, finden die Grünen.

Die gemeinschaftliche Nutzung von Autos ist für Riedel und seine Mitstreiter auch ein Weg, die Parkplatzproblematik in den Griff zu bekommen. „Wir nutzen den Stadtraum überhaupt nicht sinnvoll, weil die meisten Autos keine Fahr- sondern Stehzeuge sind“, so Riedel.

„Ein Carsharing-Auto ersetzt bis zu zehn private Fahrzeuge“, rechnet der Grünen-Landtagsabgeordnete Markus Ganserer vor, der eigens zu dem Termin nach Fürth kam. Dies gehe aus einer Antwort der bayerischen Staatsregierung auf seine schriftliche Anfrage hervor.

Wichtiger Baustein

Carsharing sei ein wichtiger Baustein für das grüne Konzept einer möglichst umwelt- und menschengerechten Mobilität für alle. „Nicht nur für Fußgänger und Radfahrer hätten mehr Raum, sondern gerade auch andere Pkw-Fahrer“, sagt Ganserer, und Riedel macht klar: „Wir wollen niemandem das Autofahren verbieten, aber das Auto sollte sinnvoll eingesetzt werden.“

Beim Carsharing gibt es im Grunde zwei Konzepte: das ortsgebundene und das nicht ortsgebundene. Bei letzterem ist ein Smartphone notwendig, um das nächste freie Auto im Stadtgebiet zu finden und mieten zu können. In der ortsgebundenen Variante – wie sie Matthias Vondran anbietet - wird der Wagen per Chipkarte an einem festen Stellplatz aufgeschlossen und nach der Fahrt genau dort wieder abgestellt.

„Eine einzige Karte für Bus und Bahn, Leihrad und Carsharing“ - das ist für Harald Riedel das Ziel, das es auf lange Sicht zu erreichen gelte. Bis es so weit ist, will sich Ganserer für ein Gesetz stark machen: Kommunen solle es ermöglichen, Flächen für Carsharing freihalten zu können. 

Armin Leberzammer

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