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Fürth sucht Sargträger für schwere Tote

Ab 140 Kilo sind sechs statt vier Helfer zur Erdbestattung nötig - 24.02.2018 06:00 Uhr

Keine leichte Arbeit: Weil die Toten immer schwerer werden, sucht der Fürther Friedhof starke Sargträger. © Federico Gambarini/dpa


Was früher eine Ausnahme war, ist zur Regel geworden: "Die Generation Hamburger ist auf dem Friedhof angekommen", beschreibt Standesamtsleiter Ralf Meyer das Phänomen, dass Verstorbene immer korpulenter werden, der letzte Weg immer öfter ein Schwertransport ist. Vier Mann reichen dann nicht mehr aus, um den Sarg zu tragen, sechs müssen ran. Entsprechend hat man in Fürth nun in der geänderten Bestattungssatzung Rechnung getragen.

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"Kein Ort wie jeder andere" ist in diesem Jahr das Motto des Tages des Friedhofs. Friedhofsgärtner und -verwaltungen, Bestatter und Religionsgemeinschaften haben ihn 2001 ins Leben gerufen, um diesen teilweise mystisch und unheimlich wirkenden Ort den Menschen wieder näher zu bringen. Friedhof ist dabei nicht gleich Friedhof. In und um Nürnberg gibt es die unterschiedlichsten Begräbnisstätten.


Bisher behalf man sich in Fürth mit Improvisieren: War ein verstorbener samt Sarg schwerer als 140 Kilo, stellte das Beerdigungsinstitut zusätzliche Helfer. Jetzt will man das mit eigenen Zusatzkräften bewältigen. Diese waren vorher nicht in der Gebührenordnung für Erdbestattungen ausgewiesen und konnten deshalb auch nicht eingesetzt und abgerechnet werden. Nun wird bei schwergewichtigen Verstorbenen eine Zusatzgebühr fällig. Man könnte den Sarg zwar auch mit einer Kranvorrichtung in die Erde senken, doch davon hält Meyer nichts. Der technische Aufwand würde in seinen Augen die Andacht stören.

Rentnergruppe erweist letzten Dienst

Mit einer Waage, die am Hubwagen für den ebenerdigen Sargtransport angebracht ist, wird das Gewicht bestimmt. Der Sarg selbst wiegt nach Angaben von Alexander Diehl, Mitarbeiter des Fürther Beerdigungsinstituts Burger je nach Ausführung zwischen 40 und 80 Kilo. Schwere Beigaben sind nicht üblich, sagt Meyer. "Allenfalls Fotos, Briefe oder auch einmal eine Zigarettenschachtel werden Verstorbenen in den Sarg mitgegeben", ergänzt Diehl.

Der Bestattungsinstitutsmitarbeiter berichtet von ganz unterschiedlichen Praktiken der Erdbeisetzung. In Poppenreuth etwa seien sechs Träger schon ab 130 Kilo üblich, in Burgfarrnbach packten Helfer aus der Bevölkerung beim Sargtransport mit an – das sei historisch so gewachsen. Und in Veitsbronn übernehme eine Rentnergruppe diesen letzten Dienst. Diehl im Hinblick auf die manchmal doch recht schwere Arbeit: "Da bangen wir gelegentlich mit."

Tote werden immer schwerer

Dass Verstorbene generell immer schwerer werden, kann Diehl aus eigener Erfahrung nicht bestätigen: "Mit mehr als vier extrem Übergewichtigen im Jahr haben wir nicht zu tun." Dass Statistiken von Adipositas ein anderes Bild vermitteln, will er allerdings nicht bestreiten. Keine Probleme mit schweren Patienten hat der Fürther Rettungsdienst. Wie der Leiter Markus Schrötz mitteilt, fordere man bei Bedarf zusätzliche Helfer und einen speziellen Schwerlastrettungswagen aus Nürnberg an. Im Notfall könne man immer noch jeden Menschen retten. Schrötz: "Wir wissen uns zu helfen."

Das gilt auch am Klinikum Fürth, wo Michael Schob, Fachkoordinator Akut- und Notfallversorgung, auf zahlreiche besondere Geräte verweist. So gibt es etwa moderne Diagnosegeräte wie Computertomographen und Magnetresonanztomographen mit extra großen Durchmessern für korpulente Patienten. Sechs verschiedene Krankenbetten sind für jedes Gewicht ausgelegt und Lifter erleichtern den Pflegekräften die Arbeit. 

Volker Dittmar

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