Mittwoch, 13.12. - 16:02 Uhr

|

Fürther Kunst bricht sich Bahn

Atelierwochenende befasste sich mit dem Jubiläumsthema - 27.09.2010 14:05 Uhr

Maler Volker Dieckmann setzt kraftvoll auf Fläche und strukturierte Farbverteilung. © Hans-Joachim Winckler


Allzu viele Neugierige sind es nicht, die sich bei „Kunst in der Stadt“ zwischen den Schauplätzen bewegen. Das mag am ungemütlichen Nieselregen liegen oder am Eisenbahn-Thema „Auf der Schiene — neben der Spur“. Manch einer kann es schon nicht mehr hören, dass der „Adler“ vor 175 Jahren seine erste Fahrt unternommen hat, andere wollen einfach keine Lokomotiv-Bilder sehen. Doch wer sich davon abhalten ließ, verpasste etwas.

Nana Moritz mit ihrer Rundbahn. © Hans-Joachim Winckler


Denn Künstler wären keine, wenn sie eine Vorgabe so platt umsetzen würden. Und so präsentieren sie Ungewöhnliches, Kritisches, Verspieltes und Kreatives. Bunt und fröhlich geht es etwa bei Nana Moritz und Margaretha Maria Mayr zu, die ihre Werke in der Kompetenzagentur ausstellen.

Die Mosaikspezialistin Mayr hat Körbe voller Steine und Glasstücke bereitgestellt, wer mag, kann sich gleich vor Ort an eine kleine eigene Arbeit wagen. Mayrs Mosaike wirken mal kühl-winterlich in Weiß und Grau, mal edel in Rot und Schwarz, mal warm in Orange-Tönen, sie können länglich, rund oder quadratisch sein. Immer jedoch sind sie höchst individuell und haben etwas von kleinen Kraftquellen an sich.

Christiane Altzweig schuf Einhörner und eine Spielzeugeisenbahn aus Pappmaché. © Hans-Joachim Winckler


Nana Moritz hat sich mit Lust und Liebe den Zügen gewidmet: Auf bemalten Steinen fahren sie in Tunnel hinein- und hinaus, ein rundes Objekt stellt einen Schienenkranz dar, der an Jim Knopfs Wege durch Lummerland erinnert. Ihre Welt ist die eines frei spielenden Kindes, endlos und klein zugleich.

Als Goldschmiedin hatte es Stefanie Stenzel nicht leicht, etwas beizutragen, wenn es um die Bahn geht. Aber als sie bei einem Spaziergang entdeckte, wie der Schotter im Gleisbett schimmerte, beschloss sie, daraus Schmuck anzufertigen. Die Ergebnisse sehen edel aus und filigran; auf den Ausgangsstoff würde man nie kommen. Etwas erdiger als die sonstigen Produkte von Stenzel wirken die Ketten, deren Steine oder Glieder sie „neben der Spur“ gefunden hat.

Elfen und Nixen prägen die aktuellen Bilder von Sabine Bazan. © Hans-Joachim Winckler


In ihrem Atelier stellt Sabine Bazan aus, eine Ex-Fürtherin, die es nach Duisburg verschlagen hat. War sie früher für ihre vibrierenden Tango-Bilder bekannt, malt sie heute Elfen und Nixen, elegische weibliche Wesen, die schwimmen und schweben. Lang und fadendünn geistern sie durch den Äther, tragen neckische rote Strümpfe oder weiße Korsagen. Träumen sie oder leben sie in den Träumen von Frauen? Sehenweswerte Malerei sind sie in jedem Fall.

Interessante Verwandtschaft

Daneben die Arbeiten von Volker Dieckmann: kraftvoll, sehr auf die Fläche und strukturierte Farbverteilung setzend. Zumeist hält er sich abstrakt, vermittelt aber doch, was er sagen will: Es gibt da eine interessante Verwandtschaft zwischen Farben und Klängen, die es lohnt, auszuloten.

Bei „Frau Kramers Welt“ empfängt einen schon im Schaufenster eine kleine Spielzeugeisenbahn. Drinnen staunt man wie immer über Einhörner, Rehe und Muschelsofas aus Pappmaché. Christiane Altzweig, Susanne Habermann und Annett Langer präsentieren eine Papp-Lok voller Mäuse, die eben erst fertig geworden ist, und ein Dark-Wave-Bild mit Mädchen und Zug, das von Manga-Comics inspiriert wurde.

Filzkünstlerin Heidi Drahota und Ingrid Riedl (links) stellten im Kunst-Kabinett am Grünen Markt aus. © Hans-Joachim Winckler


Im Kunst-Kabinett am Marktplatz bringt Filzkünstlerin Heidi Drahota die Gäste zum Nachdenken. Eine Arbeit zeigt Schuhe, die an einem Gleis zurückgelassen wurden; sie soll thematisieren, wie viele verzweifelte Menschen sich vor den Zug werfen. Ein großer Wandteppich zeigt gar eine blutige Bahn-Spur, die ins Konzentrationslager führt, um an die Deportationen zu erinnern. Daneben Ingrid Riedls tiefblickende Portraits, die Menschen auf der Reise zeigen könnten. Gerne hält sie die unverfälschten Gesichter von Babys fest.

Nebenan packt Karin Drechsler-Ruhmann das Ganze technischer an: Raumkompositionen voller stilisierter Achsen, Räder und Schaltkreise hat sie gemalt.

Ein gelungener Mix, der die beeindruckende Bandbreite der Fürther Künstler zeigt.

  

Claudia Schuller

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus: Fürth