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Fürther Nachwuchsförderung wie im Fußball

Erster Bildungskongress suchte nach Wegen aus dem Fachkräftemangel - 21.04.2018 16:00 Uhr

Immer mehr Firmen fürchten den drohenden Fachkräftemangel. Experten fordern deshalb, vor allem die Berufsausbildung attraktiver zu gestalten. © Foto: Daniel Karmann/dpa


Nachwuchsförderung ist wichtig, der Profi-Fußball gilt dafür als Paradebeispiel. "Wir sind ein Aus- und Weiterbildungsverein", betonte der Geschäftsführer der Spielvereinigung Greuther Fürth, Holger Schwiewagner, beim ersten Bildungskongress. Er sprach aber auch über die großen Bildungsanstrengungen für jene 98 Prozent der jungen Kicker, die keine Profifußballer werden könnten.

Ein guter Abschluss kann Gold wert sein, gerade in Zeiten fehlender Fachkräfte. Maike Müller-Klier von der IHK Nürnberg für Mittelfranken zeigte die Dringlichkeit des Problems mit einem Blick in die Statistik auf. So habe sich der Anteil der Firmen in der Region, die einen Fachkräftemangel befürchten, in den vergangenen sieben Jahren auf 52 Prozent aller Unternehmen verdreifacht. Dabei bereiten Müller-Klier nicht die akademischen Berufe die größten Sorgen, sondern die Fachkräfte mit Berufsausbildung: "Wo heute im Kammerbezirk 24 000 Fachkräfte fehlen, werden es 2030 bis zu 75 000 sein", sagte sie mit Verweis auf den "Fachkräftemonitor" der Kammer, der die aktuellen Zahlen für die Region auswertet.

"Eine umfassende Beratung, die früh beginnt, möglichst in der Schule" ist für Felix Fuhrmann der entscheidende Ansatzpunkt, die beruflichen Weichen von Anfang an richtig zu stellen. Als "Azubi-Scout" ist er selbst noch in der Lehre und hofft, seine eigenen Erfahrungen gut an Schulkassen weitergeben zu können. Der "Azubi-Scout" ist ein Angebot der IHK, Schulabgängern mit Informationen über berufliche Möglichkeiten aus erster Hand zu versorgen.

Gut vorbereitet

Auch Daniel Söllner von der Arbeitsagentur bietet eine Berufs- und Studienberatung in Schulen an. Er betonte den persönlichen Ansatz: "Junge Leute kommen manchmal mit ihren Eltern zusammen gut vorbereitet in die Beratungsstunde und stellen ganz konkrete Fragen." Landrat Matthias Dießl berichtete unterdessen von einem Handlungsfeld "Hochschule und lebenslanges Lernen" des Landkreises. Ziel sei es, vor Ort mehr Bildungsangebote zu etablieren.

In anschließenden Workshops vertieften die Teilnehmer aus Unternehmen, von Bildungsträgern und Organisationen einzelne Aspekte: Eine Gruppe unter der Leitung von Florian Kelch von der IHK nahm zum Beispiel die Abiturientenprogramme der IHK und das Duale Studium genauer unter die Lupe. Die Gruppe machte vor allem ein Marketing-Problem aus und stellte fest: "Die duale Ausbildung muss in der Öffentlichkeit mehr Resonanz und Ansehen bekommen."

Ähnlich argumentierte Carolin Schweizer (IHK), deren Workshop der Frage nachgegangen war, wie es Unternehmen gelingen kann, Auszubildende besser zu binden und die Abbrecherzahlen gering zu halten. "Lehre gilt vielfach noch als die zweite Wahl beim Start ins Berufsleben", bedauerte Schweizer. Um das zu ändern, seien auch die Firmen gefragt, die Ausbildung attraktiver zu gestalten, etwa durch gemeinsame Unternehmungen von Auszubildenden. Mit der digitalen Zukunft der Berufsbildung beschäftigte sich ein weiterer Workshop mit Michael Vogel-Kellner, der bei einem Bildungsdienstleister den Bereich digitale Projekte leitet.

Im Internet gebe es heute viele Möglichkeiten zur Weiterbildung – etwa in kostenlosen Massive Open Online Courses (MOOC, offene Massen-Online-Kurse), die auch auf Deutsch angeboten werden, so Vogel-Kellner. Jenseits der Vorträge und Workshops tauschten sich die Teilnehmer in Gesprächen aus. Wegen der positiven Resonanz wird es 2019 wieder einen Bildungskongress in der Region geben, kündigte die IHK an. 

fn

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