Dienstag, 20.11.2018

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Fürther Rathaus erhält eine klangvolle Note

Neues Glockenspiel ist fertiggestellt und wird am Donnerstag um 15 Uhr zum Stadtjubiläum eingeläutet - 30.10.2007

Die Glockenstube ist wieder bestückt. Hausmeister Alfred Gramlich inspizierte bei der gestrigen Klangprobe den Sitz der 25 Bronzeglocken im neu gezimmerten Glockenstuhl. © Hans-Joachim Winckler


Aus 25 unterschiedlich großen Bronzeglocken besteht das 1980 in Holland hergestellte Spielwerk. Bisher stand es - auf ein Stahlgerüst montiert - vor dem Fränkischen Turmuhrenmuseum in der Zeckenmühle bei Mistelbach. Für den Aufbau in der Glockenstube des Fürther Rathausturmes musste ein neuer Glockenstuhl aus festem Douglasienholz gezimmert werden.

Während der Kirchweih wurden die Einzelteile angeliefert und mussten Stück für Stück hinaufgetragen werden. 800 Kilo wiegen allein die Glocken mit Durchmessern von 24 bis 48 Zentimetern. Zusammen mit dem Glockenstuhl bringt der neue Klangkörper stolze 1200 Kilo auf die Waage. Vor dem Einbau musste deshalb die Turmstatik neu berechnet und zur besseren Verbindung das Gebälk der Glockenstube freigelegt werden.

Den Fehler aus der Entstehungszeit des Rathauses wollte man nicht wiederholen. Nach 1850 erschütterten die mit 33 Zentnern viel zu schweren und zudem schwingenden Glocken den Turm so sehr, dass das Geläut nur noch bei besonders wichtigen Ereignissen wie dem Besuch des bayerischen Königs Ludwig III. 1913 erklang. 1943 wurden die Glocken zu Kanonenfutter eingeschmolzen.

Ersatz aus Porzellan

Doch OB Hans Bornkessel (1946-1964) bügelte diesen «Angriff der Machthaber des Dritten Reiches auf die Integrität der Stadt» 1950 mit der Anschaffung fünf neuer Porzellanglocken aus. Ihr Klang war aber so zart, dass er über Lautsprecher verstärkt werden musste. Als die so genannten «Bornkesseli» witterungsbedingt Sprünge bekamen, war es mit der Harmonie dahin. Am 20. November 1966 wurden sie zum Schweigen verurteilt.

Bei der jüngsten Turmsanierung sicherte sich Turmuhrenrestaurator Karl-Ludwig Dittmar (72) die Überreste als Dauerleihgabe für das Turmuhrenmuseum. Als er von den Bemühungen der Fürther erfuhr, wieder Glocken erklingen zu lassen, bot er der Stadt das jetzige Glockenspiel zu einem günstigen Preis an. Finanziert werden kann es laut OB Thomas Jung aus Spenden für die Jubiläumsfeierlichkeiten. Auch die Sparkasse engagiert sich finanziell dafür.

Neben Stadtheimatpfleger Alexander Mayer haben sich altgediente Fürther Stadträte wie Ferdinand Metz (CSU) und Hans Moreth (SPD) mit Erfolg für ein neues Glockenspiel stark gemacht. Im Gegensatz zu den Bornkesseli kann es mittels eines Spielcomputers 100 Melodien erklingen lassen. Über eine Klaviatur können außerdem zusätzliche Stücke eingegeben werden.

Damit der feine Klang in der Innenstadt gut hörbar wird, mussten in der Turmstube neue Jalousien vor die Fensteröffnungen montiert werden. Die alten hatten den Klang zu sehr aufs Rathausdach gelenkt. Gestern machten sich Sigurt Knopp, Glockensachverständiger der Evangelischen Landeskirche, der bereits das sanierte Geläut von St. Michael justiert hatte, und Turmuhrenmonteur Torsten Kretschmer an das Abstimmen der Lautstärke der einzelnen Glocken.

Zur Einweihung des neuen Glockenspiels gibt es an diesem Donnerstag um 15 Uhr ein Geburtstagsständchen für das 1000-jährige Fürth. Alle Bürger sind dazu herzlich in den Rathaushof eingeladen. Im Anschluss an das Vorspiel bietet der Stadtheimatpfleger eine kostenlose Altstadtführung an.

Erklingen soll das Glockenspiel künftig bei besonderen Anlässen - etwa zum Fürther Laternenzug am 12. November. Auch bei Trauungen kann es eingesetzt werden. Schließlich gehören vier Hochzeitsmärsche zum Repertoire. OB Jung selbst bevorzugt Beethovens Ode an die Freude. 

Volker Dittmar

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