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Fürther Start-Up bringt freies Internet nach Berlin

Drahtlos vernetzt: Benjamin Akinci und Marc Schmidt richten WLAN-Hotspots ein - 21.09.2015 11:00 Uhr

Im heruntergekommenen Hinterhof gestartet, vernetzen sie nun Großprojekte: Marc Schmidt und Benjamin Akinci haben ihr Unternehmen Social Federation in Fürth gegründet und installieren WLAN-Systeme im ganzen Land.

Im heruntergekommenen Hinterhof gestartet, vernetzen sie nun Großprojekte: Marc Schmidt und Benjamin Akinci haben ihr Unternehmen Social Federation in Fürth gegründet und installieren WLAN-Systeme im ganzen Land. © Foto: Leberzammer


Die Bundesländer Berlin, Bayern und Baden-Württemberg zählen zu ihren Kunden, ebenso große Veranstaltungszentren wie die Kölner Lanxess-Arena oder die Frankfurter Jahrhunderthalle. Angesichts der jüngsten Erfolge bei öffentlichen Ausschreibungen könnte den beiden Geschäftsführern Benjamin Akinci und Marc Schmidt beinahe schwindelig werden. Und so recht begreifen sie den Höhenflug wirklich nicht.

„Es gleicht einem Wunder“, meint der 26-jährige Akinci, der wie fast alle in dem 29-köpfigen Team aus der Region stammt, „aber wir betreiben hier keine Zauberei, sondern bodenständige, fränkische Arbeit.“ Dass sie in Fürth groß geworden sind und nicht in Berlin, sieht er dabei als Vorteil: „Wenn du einem Franken etwas verkaufen kannst, schaffst du das auch woanders.“

Eines ihrer aktuell größten Projekte ist der Aufbau von 650 Hotspots für freies WLAN im Berliner Stadtgebiet. „Fast alle Start-Ups sind in Berlin, aber die Ausschreibung dort haben wir gewonnen“, erzählt Akinci stolz. Als Partner haben sie die Amazon-Tochter audible im Boot. Eine exklusive Kooperation, die vom Niveau her einfach passe.

"Wir hätten mit einem anderen Partner sicherlich wesentlich mehr Geld verdienen können“, betont Schmidt, der für die strategische Ausrichtung von Social Federation verantwortlich ist. Auf lange Sicht glauben die Fürther aber, so besser zu fahren, weil das in Berlin umgesetzte Verfahren sich auch auf andere Städte anwenden lasse. „Mehrwert mit Niveau“, nennt Schmidt das, was dort bis Mitte 2016 erreicht werden soll.

Statt mit Werbebotschaften von Telekom oder Vodafone, die ebenfalls als Partner in Frage gekommen wären, werden die Nutzer im freien WLAN von Schauspieler Matthias Schweighöfer begrüßt. Der erzählt in einer Botschaft beispielsweise kurz etwas über die Geschichte des Alexanderplatzes und bietet den Nutzern eine Freifahrt zur Museumsinsel an. „Das ist unsere Vorstellung einer zukunftsorientierten Geschäftsausrichtung“, sagt Schmidt.

Mitarbeiter gesucht

„Managed hotspot services“ nennen sie ihre Dienstleistung. Damit stehen sie zwar in Konkurrenz zu den Großkonzernen wie etwa Telekom oder Kabel Deutschland, „allerdings sind wir flexibler und wendiger.“ Wo andere, wesentlich kleinere Kunden wie die staatlichen Behörden und Ämter Monate auf ihr WLAN warten müssten, springen Akinci und Schmidt mit ihrem Team ein. Kurze Wege und hochwertige Technik sehen sie als Schlüssel zu ihrem Erfolg. Bei der Hardware verbauen sie ausschließlich teuere Geräte ihres langjährigen Partner Cisco Systems.

Bei den ersten Verkaufsgesprächen mit dem US-Großkonzern wurden sie anfangs noch belächelt, als sie ihren mittelfristigen Bedarf auf 10 000 Geräte geschätzt haben. „Das haben wir jetzt schon bald erreicht“, berichtet Akinci. Einen Grund zum Abheben sieht er trotz siebenstelliger Auftragsvolumina dennoch nicht: „Es ist weiterhin Demut angebracht.“ Expandieren wollen sie natürlich trotzdem. Die Mitarbeiterzahl — allesamt sind zwischen 20 und 35 Jahre alt – hat sich im laufenden Jahr praktisch verdoppelt, und Social Federation sucht weiterhin kluge IT-Köpfe. Mit der geplanten Umwandlung der GmbH in eine Aktiengesellschaft wollen sie zudem künftige Investitionen besser schultern.

Allerdings wird die AG dann nicht mehr Fürth in ihrem Briefkopf stehen haben. Schon in wenigen Wochen ziehen die Hotspot-Experten aus ihrem 170-Quadratmeter-Gründerdomizil in der Schwabacher Straße aus – mit einer gehörigen Portion Wehmut. „Hier sind wir groß geworden und hier hat alles einfach ein gewisses Start-Up-Flair“, meint Akinci mit Blick auf den leicht heruntergekommenen Hinterhof.

Ihre Erfolgsgeschichte wollen sie künftig in einem Gewerbegebiet im Nürnberger Norden weiterschreiben. In Fürth „sind wir schlichtweg aus allen Nähten geplatzt.“ 

Armin Leberzammer

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