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Mittwoch, 19.09.2018

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Fürths erster E-Bus hat sich bewährt

Elektrobus der infra funktioniert auch bei Frost und Hitze — 6 Weitere bis 2021 - 03.09.2018 06:00 Uhr

Nur bei der Demofahrt für die Medien zum Start in die neue Ära des Fürther Busbetriebs Ende Januar streikte das Fahrzeug. © Foto: Hans-Joachim Winckler


"Völlig problemlos" sei der Solaris Urbino 12 aus Posen bislang im Alltagseinsatz unterwegs, sagt infra-Geschäftsführer Marcus Steurer auf Anfrage der Fürther Nachrichten. Keine Selbstverständlichkeit, streikte doch ausgerechnet bei der Pressevorführung des 700 000 Euro teuren Fahrzeugs die Starterbatterie. Ein einmaliger Vorgang, der sich bislang nicht wiederholt hat.

Die eigentlichen sechs Batteriepakete für den Antrieb des 14 Tonnen schweren Zweiachsers funktionierten von Anfang an jedoch einwandfrei. Und das sowohl beim Frost im Februar und bei der Hitze des Hochsommers. "Zuerst haben wir den Bus vorsichtshalber noch auf kürzeren Strecken eingesetzt, doch seit einigen Wochen schicken wir ihn auch auf längere Touren", erläutert Steurer.

Die rundum positiven Erfahrungen ermutigen den infra-Chef, weitere Anschaffungen von Elektrobussen zu planen. In den nächsten drei Jahren sollen jährlich zwei zusätzliche Fahrzeuge angeschafft werden. "Vorausgesetzt, dass wir sie auch bekommen", schränkt Steurer ein. Denn wegen der großen Nachfrage gibt es Lieferengpässe. Weil sich der Markt erst entwickelt, hat sich bislang noch kein deutscher Hersteller zu vergleichbaren Konditionen angeboten.

Bei den Fahrgästen kommt der abgasfreie Bus mit seinen 35 Sitz- und 42 Stehplätzen nach Steurers Erkenntnissen gut an. Laut genug ist er, um Radler und Fußgänger beim Herannahen nicht zu überraschen. Die reguläre Reichweite beträgt rund 200 Kilometer. Es hat sich aber gezeigt, dass die bei Frost oder Hitze erheblich schrumpft. Dann saugen nämlich Heizung und Klimaanlage viel zusätzliche Energie. Doch in nur zweieinhalb Stunden lassen sich die Batterien im Busbetriebshof der infra wieder aufladen. Allerdings musste dazu erst für 75 000 Euro eine spezielle Ladesäule angeschafft werden.

Damit die Busse als schadstoffarme Alternative zum Individualverkehr auch attraktiv werden, sorgt die Stadt jetzt für ihre Beschleunigung. In der Heilstättenstraße und an der Ludwigsbrücke wurden die ersten Busspuren eingerichtet. Bislang haben sich die reservierten Trassen bewährt, sagt Hans-Joachim Gleißner, Leiter des Straßenverkehrsamts.

Radler auf Busspuren

"Es funktioniert", urteilt er auch über das Mitbenutzen der Bustrasse in der Heilstättenstraße durch Radler. Vorbild ist Berlin, wo massenhaft Radler auf Busspuren unterwegs sind, ohne den ÖPNV ins Chaos zu stürzen. Dass – wie bei vielen Neuerungen in Fürth – anfangs lautstarke Skeptiker auf den Plan gerufen wurden, sind für den Amtschef kein Hinderungsgrund.

Für Gleißner gehört der Elektromobilität in den Städten die Zukunft. Bestätigt fühlt er sich von den neuen Messungen der Deutschen Umwelthilfe, die, wie berichtet, im Juni auch in Fürth erneut eine deutliche Überschreitung der Stickoxid-Grenzwerte nachgewiesen hat.

In der Stadtverwaltung will man mit gutem Beispiel vorangehen und setzt bei Neuanschaffungen verstärkt auf Elektrofahrzeuge. Die Hälfte des Fuhrparks des Straßenverkehrsamtes steht schon unter Strom. Dazu gehören auch drei E-Bikes. Allerdings stößt die Initiative an Grenzen. Gleißner: "Unsere Ladesäulen reichen inzwischen kaum noch aus." 

Volker Dittmar

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