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Galerie in der Promenade: Ein bildgewaltiger Lebens-Tanz

Furios: Der Maler Christian Bizeul stellt in seinen Werken existenzielle Fragen - 05.10.2015 14:00 Uhr

Alle und alles Tanzen: Christian Bizeul vor einem seiner Bilder, die in der „Galerie in der Promenade“ zu sehen sind. © Foto: Tim Händel


Existenzielle Fragen zu Leben und Tod ziehen sich durch das Werk des französischen Künstlers. Und doch blitzt immer wieder auch Humor auf, selbst wenn er entsprechend schwarz daher kommt.

Die Skelette, sie werden oft verführt, die Frauen sind die treibende Kraft, der Tod macht nur mit. Dann wieder tritt eine weibliche Sensenfrau auf. Das Rollenspiel nimmt kein Ende.

Mal scheint der Lebens-Tanz des Christian Bizeul kindlich-unschuldig, mal erinnert er fratzenhaft verzerrt an Krieg und Schlachtfelder, dann geht es um Ekstase, Hingabe und Auflösung. In furioser Technik experimentiert er mit Tusche, Acryl, Bleistift, Holzschnitt, graviertem Plexiglas, Radierung. Auch die Stilmittel reihen sich somit ein in den Reigen.

Das Motiv des Tanzes drückt bei Bizeul bildgewaltig die Ambivalenz zwischen Lebenslust und Todesangst aus und beschreibt intensiv die Gratwanderung. Wann der Tod in der mittelalterlichen Kunst anfing zu tanzen, ist nicht mehr festzustellen. Zahllose Totentanz-Bilder auf Außenmauern von Friedhöfen und Kirchen sind unwiederbringlich verloren.

Neben den Totentanz-Zyklen hat sich ein weiteres Thema bis heute erhalten: Das Bild einer jungen, von einem Gerippe als Personifikation des Todes umarmten und bedrängten Frau. Schon früh ging mit dem ungleichen Paar eine erotische Komponente einher, die bisweilen die Mahnung an die Vergänglichkeit des Menschen überlagerte. Mit der untrennbaren Verbindung von Sexualität und Tod wird zugleich der Kreislauf des Lebens in ein eingängiges Bild gebracht.

Bizeul kennt diese Tradition genau, eben darum fordert er sie zum Menuett auf, entscheidet selbst, wer führt und wer verführt wird. Am Ausgang des Mittelalters wurden die Totengestalten im „makabren Tanz“, wie er in Frankreich heißt, zum Tod schlechthin, dargestellt nun als der typische „Knochenmann“, als Skelett ohne individuellen Züge.

Heitere Menschen

Hier setzt Bizeul verstärkt ein. In kräftigem Rot schwingt ein bretonischer „Gevatter Tod“, ein „Ankou“, die Gebeine, wohl als Hommage an seine bretonischen Wurzeln väterlicherseits. Immer wieder gibt es Reihungen, repetitive Friese.

Boudoir-Szenen entführen ins Cabaret, wo Damen sich vor Spiegeln schönmachen und Herren ihnen zusehen. Ob die Mätressen Unglück und den Tod bringen? Oder ob sie Rausch und Verzückung verheißen? Lebendiger als in den Totentänzen ist der Tod nie dargestellt worden.

Das Gründungsmitglied der Totentanzvereinigug Karl Josef Steininger hat eine interessante Erfahrung gemacht: „Leute, die sich intensiv mit dem Tod beschäftigen, sind heitere Menschen.“ Zu diesen gehört auch Bizeul.

Christian Bizeul, „Aufforderung zum Tanz“, bis 18. Dezember in der „Galerie in der Promenade“, Hornschuchpromenade 17. 

CLAUDIA SCHULLER

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