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Gegendemo: 600 Fürther erteilen Pegida eine Absage

Die 40 Pegida-Anhänger wurden mit einem Pfeifkonzert empfangen - 07.07.2016 22:01 Uhr

Ein massives Polizeiaufgebot trennte die etwa 40 Pegida-Anhänger von der Masse entschiedener Gegendemonstranten. © Fotos: Michael Müller


Dabei hatte es die Nürnberger Pegida bei ihrem ersten Auftritt in Fürth mit Verschleierungstaktik versucht. Auf einem mit dem Logo der Friedensbewegung dekorierten Kleinbus prangte die Parole "Widerstand gegen EU-Diktatur" und ein Pegida-Anhänger hielt ein Schild mit der Aufschrift "AfD muss weg" in die Höhe. Doch die Gegendemonstranten ließen sich nicht beirren. Oberbürgermeister Thomas Jung sprach von "Verrückten", die sich bei ihren Nürnberger Stadtspaziergängen nach Fürth verirrt hätten. Dankbar war er, dass ihnen so viele Menschen in der "weltoffenen Stadt" unmissverständlich klar machten, dass hier kein Platz für sie sei.

Noch deutlicher wurde der evangelische Dekan Jörg Sichelstiel, der den Lautsprecher auf den Pegida-Wagen richten ließ, um dem Häufchen Demonstranten dort zu sagen, dass es völlig vergeblich versuche, in Fürth einen Platz in der Gesellschaft zu bekommen. Mit Hinweis auf den Fürther Neonazi Matthias Fischer, der sich in den Osten Deutschlands abgesetzt hat, betonte der Dekan: "Wir haben schon ganz andere Kaliber vertrieben".

Sein katholischer Amtsbruder André Hermany hielt Pegida entgegen, dass sie kein Anwalt von Freiheit sei. Ihr Auftritt sei gegen die menschliche Natur gerichtet. Hermany: "Wir sind zur Freiheit geboren, deshalb stehen wir auch hier."

"Die sind nicht klug"

Um Europas Zukunft sorgt sich Thomas Jung angesichts rechtspopulistischer und unsozialer Umtriebe. Skeptisch beurteilt der OB die Entwicklung von Pegida in Fürth: "Wenn die klug sind, kommen sie nicht wieder. Aber die sind nicht klug. Deshalb ist es gut, dass ihnen so viele Menschen zeigen, dass sie in Fürth unerwünscht sind", sagte Jung an die Adresse der vom Rechtsextremisten Gernot Tegetmeyer mobilisierten Anhänger. Insbesondere dankte er der Sprecherin des Fürther Bündnisses gegen Rechtsextremismus, Ruth Brenner, die den Dank postwendend an die vielen engagierten jungen Antifaschisten in Fürth weiterreichte.

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Zeichen gegen Rechts: Fürther protestierten gegen Pegida

Erstmals kam Pegida nach Fürth: Die etwa 40 Anhänger wurden am Bahnhofplatz mit einem gellenden Pfeifkonzert und "Haut ab"-Rufen empfangen. Rund 600 Gegendemonstranten waren dem Aufruf des Bündnisses gegen Rechtsextremismus und Rassismus gefolgt und protestierten gegen Fremdenfeindlichkeit.


Brenner erinnerte an den Einsatz gegen die rechtsextremistische Kleinpartei Der III. Weg, die vor eineinhalb Jahren in Fürth die Maifeiern stören wollte. Dass im Nachgang, wie berichtet, junge Gegendemonstranten wegen einer Blockade bestraft wurden, empfindet Brenner als Ungeheuerlichkeit. Um die Kosten des Gerichtsverfahrens übernehmen zu können, sammelten Bündnis-Mitglieder Spenden auf dem Bahnhofplatz.

Für Ruth Brenner sind die Pegida-Anhänger "Rattenfänger", die nur vorgeben, sich um die Probleme sozial Schwacher zu kümmern. In Wirklichkeit hetzten sie Menschen gegeneinander auf und betrieben die Spaltung der Gesellschaft.

Ohne größere Zwischenfälle zogen die Pegida-Anhänger durch die Gebhardtstraße zur Jakobinenstraße und wieder zurück zum Bahnhofplatz. Die starken Polizeikräfte nahmen drei Personen fest, als sie versuchten, von der Südstadt aus die Bahngleise Richtung Gebhardtstraße zu überqueren. Acht Personen erteilte die Polizei nach einer Sitzblockade Platzverweis. Um 21 Uhr lösten sich beide Versammlungen auf, die kurz nach 18 Uhr begonnen hatten. 

Volker Dittmar

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