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Heimatverein hat fast alle gesteckten Ziele erreicht

Zum Jubiläum blicken drei Experten zurück - 21.11.2017 06:00 Uhr

Hier – im alten Mesnerhaus – hätte sich der Heimatverein ein Museum gewünscht: Doch diese Ziel konnte bis dato nicht realisiert werden. © Foto: Günter Greb


In den Fürther Nachrichten gab es 1967 Vorschusslorbeeren für den jungen Verein. "Recht verheißungsvoll", so hieß es damals, sei die Gründungsversammlung verlaufen, zu der man sich im "Roten Ross" getroffen hatte. Die Ziele waren von Beginn an fest umrissen: Ortsgeschichte, Kultur und Brauchtum wurden als Pfeiler festgeschrieben. In den Fokus rückten etwa "die Erhaltung der schönen Fachwerkhäuser und die Verschönerung des Ortsbilds". Auf Anhieb gab es 41 Beitrittserklärungen, wie es sich gehört, wurde ein Vorstand gewählt. Otto Käfferlein übernahm den Vorsitz. Den zweiten Posten im Vorstand trat Elsbeth Streicher an – ein Amt, das die 82-Jährige bis heute inne hat. Altlandrat Dietrich Sommerschuh (82), auch er zählt zu den Gründungsmitgliedern, schulterte als erste Aufgabe das Arbeitsgebiet Ortsgeschichte. Nikolaus Roth (78) wurde der Bereich Brauchtumspflege übertragen.

Lang ist die Liste der Aktionen, Unternehmungen und erfüllten Pläne, die der Heimatverein auf seiner Haben-Seite verbuchen kann. In diesem Moment fällt Dietrich Sommerschuh aber auch ein Punkt ein, den er selbst "die größte Niederlage" nennt: "Mich schmerzt das Scheitern der Renovierung des Mesmerhauses sehr." Seit den 70er Jahren habe die Erhaltung des ältesten Hauses von Großhabersdorf, das mit der Jahreszahl 1598 bezeichnet ist, im Fokus des Heimatvereins gestanden. Das vom Verfall bedrohte Haus sollte gerettet werden. "1978 hatten wir die Finanzierung unter Dach und Fach gebracht, die Vorbereitungen waren weit gediehen." Immerhin wurde das Haus in einen "nutzbaren Zustand" versetzt, regelmäßig konnten dort Ausstellungen gezeigt werden. Doch das große Ziel, in dem denkmalgeschützten Fachwerkhaus ein Museum einzurichten, konnte nicht verwirklicht werden.

"Ein Raum fehlt"

Spezialist für Ortsgeschichte: Dietrich Sommerschuh


Dietrich Sommerschuh, der unter anderem viele Jahre lang als Schriftführer für den Heimatverein tätig war, hat Wünsche für die Zukunft. Wichtig sei etwa "ein Bestandspfleger", der sich fachgerecht darum kümmert, was gesammelt wurde. "Allerdings fehlt leider auch ein Raum für solche Sachen, die im Lauf der Jahre zum Heimatverein kamen."

Sehr schade findet er, dass "es nur zwei Ausgaben eines Heimat-Jahrbuchs gab, 2006 und 2007, die Fortführung aber letztlich an der Finanzierung scheiterte." Allerdings sei er sehr froh und stolz darauf, dass "das Heimatbuch und die Zusammenstellungen der Heimat-Briefe" realisiert wurden oder zum Beispiel auch die Übersetzung des historischen "Lag-Buches" in die geläufige Umgangssprache.

Expertin für Ausflüge: Elsbeth Streicher


Elsbeth Streicher kann sich noch genau an den Moment erinnern, als sie zum ersten Mal von den Plänen zur Heimatverein-Gründung hörte: "Im Wohnzimmer haben wir gesessen, das war damals noch an der Stelle, wo heute der Laden meines Neffen ist." Seit jenen Tagen anno 1967 engagiert sich die 82-Jährige. Seit mehr als 30 Jahren plant und organisiert sie die beliebten Ausflüge. Nichts bleibt dabei dem Zufall überlassen. "Nein, nein. Das muss schon alles ganz genau stimmen. Ich bin keine, die irgendwo hinfährt und dann sagt: Sollen wir jetzt links abbiegen? Oder rechts?"

Stattdessen legt sie großen Wert auf exakte Vorbereitung. "Früher bin ich die geplante Bus-Tour alleine einmal im Voraus mit dem Zug abgefahren." Viele Jahre habe ihr Neffe Roland Streicher sie dann vorab mit dem Wagen auf diesen Test-Fahrten begleitet: "Da habe ich alles immer genau mitgeschrieben, wie lange man fährt, wo man hin muss." Das Ergebnis waren "wunderschöne Ausflüge" nach Speyer, Regensburg oder München, bei denen – dank der überlegten Planung – einfach alles passte. Vor zwei Jahren ging es an den Starnberger See, dann verhinderte eine Erkrankung die Pläne. Doch jetzt ist Elsbeth Streicher wieder in Gedanken beim nächsten Ausflug und den nötigen Vorbereitungen: "Ich hab‘ da so eine Idee, das könnte sehr gut klappen. . ."

Fachmann für die Kärwa: Nikolaus Roth © Fotos: Rempe


Es gibt Leute, sagt Nikolaus Roth, die begrüßen ihn freundlich mit "Grüß Gott Herr Nikl". Was eigentlich kein Wunder ist, denn "Nikl" ist der vertraute Spitznamen, auf den der 78-Jährige natürlich auch gerne hört. Der Mann, der zum Beispiel 1963 den Motorsportclub Großhabersdorf gründete, organisierte vier Jahrzehnte lang federführend die Kirchweihumzüge. "Allein das Schlagen des Baums war aber schon immer ein großes Erlebnis für die Ortsburschen", erzählt er. Es sei durchaus möglich gewesen, dass bei diesem Einsatz früher "bis zu sieben" Bäume dran glauben mussten, weil "beim Umfallen immer die Kupfen, die Spitze, abgebrochen ist."

Alle vier Jahre – "jeweils wenn Olympiade ist" – gibt es einen Kirchweihumzug. Roth erinnert sich: "Früher mussten wir unsere Kirchweih ja komplett selber finanzieren, da kamen wir auf die Idee, Lose zu machen." Wer eines erstand, hatte die Chance, "einen halben Karpfen oder ein Seidla" zu gewinnen.

"Vor allem der Werner Seidl war so fleißig und hat alle Geschäfte abgeklappert, damit wir Gewinne als Einsatz gespendet bekamen." Nikolaus Roth, der sich auch einen Namen mit ungezählten Faschingsauftritten machte ("Ich bin von Natur aus ein lustiger Mensch"), besitzt 18 Ordner mit Zeitungs-Ausschnitten über Großhabersdorf. Zum 50. Jubiläum des Heimatvereins kommt nun wahrscheinlich eine weitere Seite hinzu. . .

Offiziell gefeiert wird übrigens im Rahmen des 33. traditionellen Suppenessens am Buß- und Bettag, am Mittwoch, um 19 Uhr, im Saal vom Roten Ross. 

Sabine Rempe

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