16°C

Freitag, 25.07. - 01:03 Uhr

|

Hoffnung für den MTV Stadeln

Für den angeschlagenen und führungslosen Fusionsverein zeichnet sich eine Zukunft ab - 04.09.2012 22:00 Uhr

„Noch 24 Stunden Handball“ hieß es 2009 bei einem Turnier des MTV. Nun scheint es, als könnte auch in den nächsten Jahren in Stadeln Handball gespielt werden.

„Noch 24 Stunden Handball“ hieß es 2009 bei einem Turnier des MTV. Nun scheint es, als könnte auch in den nächsten Jahren in Stadeln Handball gespielt werden. © Malter


Sie sei an ihre Grenzen gekommen. Sowohl „physisch als auch psychisch“, sagt Marianne Niclaus. Bei den Neuwahlen des MTV-Vorstands im Sommer stellte sie sich daher nicht mehr zur Verfügung. Ebenso ihr Mitstreiter Jürgen Häckel.

Der Dritte im Vorstandsbunde, Ernst Keßler, hatte bereits im November 2010 – wenige Wochen nach der Fusion – hingeworfen. Als Grund nannte er die Abstriche, die die Stadt bei den Plänen für den Neubau der Turnhalle am Schießanger machen musste. Unter anderem fielen Kegelbahnen und Fitnessraum dem Rotstift zum Opfer. Häckel und Niclaus führten den Verein alleine weiter. „Das war ein Fehler“, sagt Niclaus rückblickend. Die viele Arbeit habe sie zermürbt.

Allerdings fand sich bei den Neuwahlen vor einigen Wochen niemand, der die Nachfolge des Duos antreten wollte. Seitdem ist der Verein offiziell führungslos, tatsächlich leitet Niclaus die Geschäfte nun alleine. „Irgendwie musste es doch weitergehen“, sagt die SPD-Stadträtin.

Bald schon könnte es auch ohne Niclaus weitergehen. Ihr zufolge steht ein siebenköpfiges Team bereit, um einen neuen Vorstand zu bilden. Per Satzungsänderung soll die Vorstandserweiterung beschlossen werden, damit die Last künftig auf mehreren Schultern verteilt werden kann.

Eingesetzt hat sich dafür Niclaus’ Parteigenosse Stefan Hassgall, selbst langjähriges Vereinsmitglied des MTV Fürth. „Als ich dort vor einiger Zeit 60 bis 70 Kinder trainieren sah, dachte ich mir, es kann nicht sein, dass es mit diesem Verein, dem einzigen Innenstadtverein, zu Ende geht“, sagt er. Hassgall berichtet von einem Treffen mit den Abteilungsleitern und weiteren Vereinsverantwortlichen, zu dem er eingeladen hatte. Nachdem er ihnen klargemacht habe, dass sich der Verein auflösen müsse, sollte er ohne Vorstand und damit nicht „geschäftsfähig“ bleiben, hätten sich „recht schnell“ einige Leute bereiterklärt, Verantwortung zu übernehmen.

Unpopuläre Entscheidungen

Laut Hassgall sei diese Truppe eine „bunte Mischung“ aus allen Branchen, darunter auch Juristen und Finanzfachleute. „Ein schlagkräftiges Team.“ Namen nennt er keine. Bevor der Vorstand in spe an die Öffentlichkeit tritt, wolle er erst abwarten, was der „Blick in die Bilanzen“ ergibt.

Marianne Niclaus macht zum Stichtag 31. August einen Kassensturz. Es werden rote Zahlen sein, so viel stehe fest. Allerdings in einem Bereich, der „beherrschbar“ sei, betont sie. Schuld daran habe auch der Mitgliederschwund. Von 2000 bei der Fusion seien noch 1600 übrig. Niclaus führt das unter anderem auf das achtstufige Gymnasium zurück, das Jugendlichen die Zeit für den Sportverein raube, aber auch auf den Sparkurs bei der neuen Halle. So habe die komplette Kegelabteilung den Verein verlassen, als feststand, dass der Neubau ohne Kegelbahnen hochgezogen werde.

Um aus den Miesen zu kommen, werde der MTV „auf keinen Fall“ die Stadt bemühen, sagt Niclaus. Diese habe genug für den Verein getan. Wie ausführlich berichtet, hatte die Kommune vor der Fusion sowohl dem MTV Fürth als auch dem TV Stadeln Schulden in jeweils fünfstelliger Höhe erlassen. Ein Schritt, der in der Öffentlichkeit sehr umstritten war.

Niclaus empfiehlt ihren Nachfolgern, Sparmaßnahmen zu treffen: „Es darf keine Tabus mehr geben.“ Man könne nicht alles nur mit Beitragserhöhungen auffangen. Auch Stefan Hassgall glaubt, dass „unpopuläre Entscheidungen“ getroffen werden müssten. Zunächst einmal müssten aber die vermeintlichen Nachfolger Farbe bekennen, dann könne man im Oktober zur außerordentlichen Mitgliederversammlung einladen.

Marianne Niclaus will sich, wenn es klappt, komplett aus der Vereinsarbeit zurückziehen. Die zwei Jahre an der Spitze des TV Stadeln und die zwei weiteren nach der Fusion hätten sie mehr Nerven gekostet als ihre 20 Jahre im Vorstand des Frauenhauses. 

Johannes Alles

1

1 Kommentar

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.