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Im Gebrauchtwarenhof gibt’s einen satten Nachlass

Neue Rabattkarte stößt bei Kunden auf großes Interesse — Antrag ist unkompliziert - 07.10.2017 14:00 Uhr

Die neue Sozialrabattkarte für den Wertstoffhof. © Petra Scholz-Fiedler


Wer genau hinschaut, wie Walter Bartl, der sieht, bei wem die Not am größten ist. "Nicht jede Anschaffung wird von den Behörden genehmigt. Vieles ist unerfüllbar", hat Bartl, Geschäftsführer des Wertstoffzentrums Veitsbronn, erfahren. Neben Siegelsdorf gehören weitere vier Gebrauchtwarenhöfe in Fürth (Bislohe), Nürnberg (Höfen, Altenfurt) und Heilsbronn zu der gemeinnützigen Gesellschaft.

Bartl erzählt von seinen Erlebnissen als Ehrenamtlicher bei der Langenzenner Tafel. Hier trifft er Menschen, die als arm bezeichnet werden. Oft würde der schmale Geldbeutel für die Grundbedürfnisse des Lebens geleert, berichtet er. Deshalb habe man sich beim Wertstoffzentrum entschieden, diesen Bürgern weitere Vergünstigungen zukommen zu lassen.

Der Bedarf ist da. Anfang April wurde die Rabattkarte eingeführt. "220 konnten wir inzwischen aushändigen, davon 49 im Landkreis Fürth", erzählt Geschäftsführer Bartl. Der 25-prozentige Nachlass lässt sich beziffern. Bartls Berechnung: 20 000 Euro Umsatz und 5000 Euro Ersparnis, die auf das Konto der Karte gehen.

Nicht überall bekannt

Längst haben nicht alle Bedürftigen ihren Anspruch angemeldet und machen von dem Rabatt Gebrauch. Allein 30 Anträge habe er, so Bartl, allerdings an einem Vormittag bei der Langenzenner Tafel eingesammelt, als er die Aktion vorstellte. "Noch wissen zu wenige Menschen davon", ist Bartl überzeugt und möchte vor allem auch Älteren mit kleinen Renten Mut machen, diese Vergünstigung in Anspruch zu nehmen.

Während die jüngere Generation ihre Ansprüche ohne Berührungsängste durchsetze, scheuten sich vor allem die älteren Mitbürger, diesen Schritt zu gehen. "Dabei ist eine kleine Rente nach einem Arbeitsleben keine Schande." Bartls Tonlage verrät, dass er am liebsten eine Reihe Ausrufezeichen hinter diese Aussage setzen würde.

"Eine klasse Idee", drei kurze Wörter markieren das Lob von Landrat Matthias Dießl. In dem System der Gebrauchtwarenhöfe und der jetzt beworbenen Sozialrabattkarte sieht er nicht nur die Hilfe bei Bedürftigkeit. "Das ist auch nachhaltiger Konsum, wenn Aussortiertes abgegeben und vom nächsten sinnvoll genutzt werden kann."

Gerne unterstütze der Landkreis deshalb Veitsbronn mit 4200 Euro monatlich. "Eine weitere Nutzung von Gebrauchtwaren entlastet die Abfallwirtschaft", erklärt Dießl. Man könne den Zuschuss deshalb auch als Rückfluss der reduzierten Müllentsorgungskosten verstehen.

Die Sozialrabattkarte können sich Menschen ausstellen lassen, die eine oder mehrere der folgenden Leistungen beziehen: Leistungen vom Jobcenter (Alg.II/Hartz IV), Sozialhilfe (Grundsicherung), Wohngeld und Leistungen über das Asylbewerbergesetz. Gleiches gilt für Inhaber eines gültigen Tafelausweises und Inhaber des Fürth- oder Nürnberg Passes.

"Der Antrag auf die Sozialrabattkarte funktioniert ganz unkompliziert", betont Walter Bartl. Zur Ausstellung werden nur der Personalausweis und der Bescheid über die Leistungen bzw. der Tafelausweis benötigt. (Näheres: www.gebrauchtwarenhof.de).

Der Gebrauchtwarenhof in Veitsbronn-Siegelsdorf wird täglich von rund 180 Kunden aufgesucht. Insgesamt sind 51 Menschen beschäftigt. Weil das Wertstoffzentrum auch das Ziel der Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen verfolgt, bekommen derzeit 33 Frauen und Männer die Möglichkeit der Arbeitserprobung. Qualifizierungsmaßnahmen stehen auf dem Programm, außerdem sozialpädagogische Betreuung. Übrigens: Sachspenden werden dringend gebraucht. "Aus deren Verkauf, finanzieren sich schließlich zu einem großen Teil unsere fünf Gebrauchtwarenhöfe", beschreibt Bartl die Situation. 

PETRA FIEDLER

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