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Ins Leid verflochten

Das Museum Frauenkultur zeigt «Schicksalsfäden» - 11.05.2009

In leuchtenden Farben drücken die Künstlerinnen grauenvolle Erfahrungen aus. © Hans–Joachim Winckler


Schon der erste Blick in die Präsentation im Museum Frauenkultur Regional – International im Schloss Burgfarrnbach beeindruckt durch die Vielfalt der ausgestellten Textilarbeiten. Frauen aus Nordirland, den Vereinigten Staaten, Palästina, Indien, Chile, Argentinien, Peru, Afghanistan, Nigeria, aus Deutschland und auch aus Fürth und der Region Mittelfranken haben sich in ihren textilen Kunstwerken mit politischer Gewalt und deren grenzüberschreitender Überwindung beschäftigt.

Durch die Verbindung alter und neuer Textiltechniken, Volkskunst und moderner Kunst in ihren Quilts und Arpilleras gelingt es den Künstlerinnen, in ihrer Heimat durch Krieg und Kampf Erlittenes nach außen zu kommunizieren. Diese Frauen wollen nicht länger zu den Konflikten schweigen.

Den Kuratorinnen Roberta Bacic, Gaby Franger und Annita Reim ist es gelungen, erste zarte Fäden, die bei der Weltfrauenkonferenz 1995 in China mit verschiedenen Quiltgruppen, Frauenrechtsgruppen und Künstlerinnen geknüpft wurden, zu einem grenzüberschreitenden Netz zu verweben. Und so war eine ganze Reihe Textilkünstlerinnen eigens aus ihrer Heimat zur Ausstellung angereist.

Auch Esperanza Margarita Chincilla Bussinger gehört dazu. Sie wurde in Valparaiso/Chile geboren. In ihren mit Blumen bemalten Stoffbahnen thematisiert sie den brutalen Einbruch der Militärdiktatur 1973 in ihr Familienleben. «Los Copihues» - so heißen die chilenischen Nationalblumen – zeigt zerstörte Blüten. Und in «Rosas negras» haben die Blumen all ihre Farbe verloren.

Die Künstlerin beschreibt ihre Arbeit so: «Die Blumen flogen auf, ihre Toten zu suchen. Sie erweisen ihnen die letzte Ehre. Die Heimat liegt im Schmerz. Jahrelang flogen sie.» Doch in ihrem dritten Werk «El jardin florido» drückt sich Hoffnung aus, die Schrecken sind vorbei.

Feuer und Tod

Ein Konflikt aus jüngster Vergangenheit, die Kämpfe im Gazastreifen, hat Heidi Drahota zu ihrer Arbeit «Gegossenes Blei» angeregt. Besonders betroffen gemacht hat sie das Leid der Kinder und Frauen dort. Über das gefilzte Wandbild fallen «Schicksalsfäden» wie das gegossene Blei der Raketen über eine zerstörte Stadtsilhouette. Alles ist grau in grau, nur die untere Partie leuchtet in knalligem Rot. Für die Künstlerin symbolisch für Blut, Feuer und Tod. Das weiche Material steht im krassen Gegensatz zu ihrem Thema, dem Krieg. Doch genau dieses Wandbild kann stellvertretend für all die anderen 32 ausgestellten Objekte stehen, denn es verbindet sowohl künstlerische Qualitäten, handwerkliche Kunst und transportiert darüber hinaus auch ein wichtiges Thema. Und Heidi Drahota gelingt, genau wie all den anderen ausstellenden Frauen, den Betrachter auf angenehme Weise einzuladen, sich mit einem schwierigen Thema eingehend zu beschäftigen. Eine in jeder Hinsicht sehenswerte

Ausstellung. Besuchern sei geraten, die öffentlichen Führungen jeden Sonntag um 15 Uhr zu nutzen, um auch all das zu erfahren, was die Textilarbeiten nicht auf den ersten Blick preisgeben.

MARION REINHARDT

Schicksalsfäden – Geschichten in Stoff von Gewalt, Hoffen und Überleben», Museum Frauenkultur Regional – International, Marstall von Schloss Burgfarrnbach, bis 26. Juli, Öffnungszeiten Do. und Fr. 14 bis 18 Uhr, Sa. und So. 11 bis 17 Uhr, Eintritt frei, öffentliche Führung: So. 15 Uhr, 3 Euro. 

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