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"Joy in Iran": Tauchbad in einem Meer der Herzlichkeit

Babylon: Die "Clowns ohne Grenzen" schilderten ihre Begegnungen mit den Menschen in Persien - 07.02.2019 16:45 Uhr

Was Moni Single und Andreas Schock, hier in Arbeitskluft vor dem Publikumsgespräch im Babylon, mit ihren Clownerien vor Waisenkindern, Kranken und Flüchtlingen im Iran erlebten, zeigt der Film „Joy in Iran“. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Es ist ein anrührender Film, der in knapp zwei Stunden davon erzählt, wie Spaß und Klamauk ein Geschenk für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sein können. Die drei Clowns mit ihren roten Pappnasen traten in Flüchtlingslagern, bei Straßen- und Waisenkindern auf und besuchten Krankenhausstationen. Die Bilder von den unfassbaren Zuständen in den psychiatrischen Abteilungen oder aus der Gassentristesse der afghanischen Flüchtlingslager sind keine leichte Kost.

Doch Moni Single aus Nürnberg und der Weißenburger Andreas Schock werden in der anschließenden Diskussionsrunde davon berichten, wie sie derlei Herausforderungen meistern: "Wir begegnen in diesem Moment unserem Gegenüber auf Augenhöhe, nehmen die Situation an, wie sie ist", erzählt Schock. Single skizziert: "Es ist ein Versuch, die positiven Energien der Menschen zu wecken, ihnen einen neuen Erlebnishorizont zu eröffnen."

Preisgekrönter Dokumentarfilm

Walter Steffens "Joy in Iran" lebt nicht nur von den Kameraschwenks in begeisterte Kindergesichter. Der mittlerweile preisgekrönte Film skizziert auch kleine Szenen am Rande, die dezente Einblicke in den Alltag des Landes und in die sozialen Brennpunkte ermöglichen. Und er dokumentiert das Wechselspiel zwischen Clowns und Zuschauern, von der Anspannung vor dem Auftritt und den emotionalen Begegnungen danach. Oft geraten die Dankesbekundungen und Abschiedsgesten zum Tauchbad in einem Meer aus Herzlichkeit und Freude.

Clown zu sein, das wird deutlich, ist Arbeit und Lebenshaltung zugleich. Susie Wimmer, die Dritte des Clownteams, glaubt nicht nur an die heilsame Kraft von Humor und geteilter Freude, sie outet sich in diesem Film auch als Fan des in der westlichen Berichterstattung oft dämonisierten Irans. "Für mich ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten mit tollen Menschen", bekennt sie und weist vor allem den Frauen eine bedeutende Rolle bei der Veränderung der persischen Gesellschaft zu.

Der Clownvirus kann übrigens auch iranische Männer befallen. Reza Abdeni, Organisator und Tourguide, wehrte sich mit Händen und Füßen dagegen, den vorzeitig abgereisten Andreas Schock zu ersetzen. "Ihr seid wie eine Fabrik, die Clowns liefert", kommentiert er dann sein erstes Training — und am Ende liefert der smarte Teheraner hinreißende Szenen vor entwurzelten Straßenkindern.

Dem persönlichen Kontakt zwischen "Joy in Iran"-Regisseur Walter Steffen und Babylon-Chef Christian Ilg hatten es die Zuschauer zu verdanken, dass sie mit Moni Single und Andreas Schock direkt über deren Eindrücke reden konnten. Interesse bestand aber auch an Aufbau und Organisation des Vereins. Und an der Antwort auf die Frage, wie man Clown und begeisterter Iranreisender werden kann. 

Petra Fiedler

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