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Jugendliche wollen mitbestimmen

Netzwerk Kinderfreundliche Stadt macht sich für Kinderbeauftragte stark — Stadt verweist auf Sparzwänge - 02.12.2011 09:00 Uhr

Kinder haben Rechte: Darauf machten im vergangenen Sommer Schüler am Eingang zum Heinrich-Schliemann-Gymnasium aufmerksam. Initiiert wurde die Aktion vom Netzwerk Kinderfreundliche Stadt. © Thomas Scherer


Es gibt in Fürth: einen Datenschutzbeauftragten, eine Fahrradbeauftragte, eine Frauenbeauftragte, eine Integrationsbeauftragte, eine Seniorenbeauftragte und sogar einen Solarbeauftragten. Fast ein wenig ungeduldig kann Maria Fontana-Eberle bei der Aufzählung werden, denn trotz der vielen Namen ist die Liste in ihren Augen unvollständig: Es fehlt eine Kinderbeauftragte. Oder ein Kinderbeauftragter.

Die Vorsitzende des Vereins Netzwerk Kinderfreundliche Stadt hat aufmerksam verfolgt, wie sich die Seniorenarbeit der Stadt entwickelt hat. Im Seniorenbüro kümmert sich mittlerweile eine hauptamtliche Beauftragte um die Belange von älteren Fürthern. „Die Senioren sind so weit gekommen, weil sie selbst den Wahlzettel ausfüllen können“, sagt Fontana-Eberle. Auch Kinder bräuchten einen Ansprechpartner, jemanden, der sie und ihre Interessen vertritt.

Das Netzwerk Kinderfreundliche Stadt sieht sich zwar in dieser Rolle, doch das ehrenamtliche Engagement stoße an Grenzen. Seit 2002 ist der Verein bemüht, Jungen und Mädchen für ihre Rechte zu sensibilisieren und ihnen Plattformen zu bieten, über die sie Einfluss nehmen können auf die Entwicklung der Stadt. Angeregt habe das Netzwerk beispielsweise die Kindersprechstunde beim Oberbürgermeister. Grundschüler erzählen dem Rathauschef dabei von ihren Wünschen und Nöten. Die Sprechstunde ist für Fontana-Eberle ein Anfang, aber „die Kinder wollen mehr“. Eine Jugendsprechstunde fehle noch, ebenso ein Jugendparlament: „Die Schüler fiebern nach mehr Beteiligung.“

Damit Kinder und Jugendliche ihren Lebensraum mitgestalten können, brauchen sie Unterstützung durch professionelle Einrichtungen, sagt Fontana-Eberle. Andere Städte seien da schon viel weiter. Frankfurt zum Beispiel: Dort wurde ein Kinderbüro bereits 1991 als „kommunale Interessensvertretung für Frankfurter Kinder“ eingerichtet.

Kleines Budget

Ansätze, Kinder stärker zu beteiligen, gibt es auch in den Nachbarstädten: Nach dem Vorbild der Bürgerversammlungen finden in Nürnberg Kinderversammlungen statt, in Erlangen hat sich ein Jugendparlament etabliert, zudem gab es bis Ende 2010 zwei ehrenamtlich arbeitende Kinderbeauftragte; noch ist unklar, ob es Nachfolger geben wird. Ihnen stand ein kleines Budget, etwa 5000 Euro pro Jahr, zur Verfügung, wie Peter Gertenbach, Pressesprecher der Stadt Erlangen, auf Nachfrage der FN sagte. Fontana-Eberle rechnet eher damit, dass es wohl 50000 Euro im Jahr kosten würde, „professionelle und gute Arbeit zu leisten“. Vorstellen kann sie sich eine gemeinsame Finanzierung durch die Stadt und eine Stiftung, die den Zweck unterstützen möchte.

Doch was die Stadt betrifft, muss sich das Netzwerk auf schlechte Nachrichten einstellen: Schon in der Vergangenheit scheiterten Pläne, eine Kinderbeauftragte oder ein Kinderbüro einzurichten, am Geld, sagt Bürgermeister Markus Braun auf FN-Nachfrage. Bei den aktuellen Sparzwängen sei es „doppelt bis dreimal so schwer“, neue Stellen zu schaffen, zu denen die Stadt gesetzlich nicht verpflichtet sei. Die Diskussion um Kinderbeauftragte verfolgt Braun nach eigener Aussage seit vielen Jahren. Mancherorts seien sie eine wirkliche Bereicherung parallel zum Jugendamt, das ja eigentlich schon die Interessen der Kinder und Jugendlichen vertritt, während sie woanders recht „einflusslos“ bleiben und eher „ein Alibi“ abgeben für eine Stadt, die als kinderfreundlich gelten möchte.

Braun sagt, dass er der Idee, die Kinder stärker partizipieren zu lassen, selbst viel abgewinnen kann. „Es ist keine Frage, dass man da noch vieles besser machen kann.“ Er sei durchaus offen dafür, Angebote, die es in Fürth schon gibt, wie die Kindersprechstunden, „weiterzuentwickeln“. 

Claudia Ziob

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