Sonntag, 18.11.2018

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Keidenzeller Naturbad: Kleinod soll gerettet werden

Stadtrat sprach sich gegen Schließung aus — Nach Urteil muss eine Aufsicht her - 14.04.2018 21:00 Uhr

Grünes Schmuckstück: Freiwillige „Kümmerer“ hatten es bisher gepflegt, jetzt will der Gesetzgeber professionelle Badeaufseher. © Foto: Athina Tsimplostefanaki


"Chlorfreier Badespaß in Keidenzell", titelten die FN im Juni 2008 nach dem Abschluss der 193 000 Euro teuren Sanierungs- und Umbaumaßnahmen an der Naturbadestelle. 700 Stunden freiwillige Arbeit im Gegenwert von 30 000 Euro hatten die Keidenzeller geleistet. Das Bad war ursprünglich ein Löschteich gewesen, wird seit 1937 genutzt und ist seit den 70er Jahren in Betrieb.

"Ich denke, niemand im Saal möchte das Bad schließen", so eröffnete 2. Bürgermeister Erich Ammon (Freie Wähler) am Donnerstagabend die Sitzung des Verwaltungs- und Finanzausschusses. Damit behielt er Recht — nicht nur die Stadträte lehnten eine Zwangspause des Badebetriebs im Außenort ab, sondern auch die knapp 40 Keidenzeller, die ins Langenzenner Rathaus gekommen waren, um ihre Naturbadestelle zu retten.

Stadtwerke-Chef Ralph Lampert hatte ins Feld geführt, dass der Betrieb eines solchen Bades künftig nicht mehr ohne professionelle Aufsicht erfolgen kann. Dies ist eine Konsequenz aus einem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 23. November 2017, wie aus einer Stellungnahme aus dem Archiv der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen hervorgehe.

Die neuen Aufsichtskräfte im Schichtbetrieb müssen mindestens 18 Jahre alt sein, das Rettungsschwimmerabzeichen in Silber tragen und über den Erste-Hilfe-Nachweis verfügen. Zudem listete die Stadtverwaltung auf, wie hoch die jährlich anfallenden Instandsetzungs- und Unterhaltskosten für die Badestelle seien: nämlich rund 80 000 Euro.

Lampert hatte den Stadträten alternative Beschlussvorschläge vorgelegt: 1. Das Bad bleibt geöffnet; vorausgesetzt, das notwendige Aufsichtspersonal kann eingestellt werden, eventuell auch Reinigungs- und Betreuungspersonal; auch sei die Einführung von Benutzungsgebühren zu erwägen. 2. Das Bad bleibe heuer dicht; angestrebt werde eine Wiedereröffnung im nächsten Jahr. 3. Bleibt heuer geschlossen, soll eine Bürgerversammlung in Keidenzell einberufen werden.

"Wir stehen im Wort"

Die Stadträte reagierten zum Teil mit Kopfschütteln. Irene Franz, Fraktionsvorsitzende der SPD, argumentierte, Langenzenn werbe mit dem Naturfreibad Keidenzell, dessen Kleinbadeteich ganz ohne Chlor und andere chemische Zusätze auskommt und in dem natürliche Mikroorganismen in den Wasserpflanzenwurzeln das Nass reinigen. "Viele Bürger nehmen das Bad an, auch Auswärtige", so Franz. "Es muss geöffnet bleiben. Ich habe leider das Gefühl, dass hier gegengesteuert werden soll." Der verstorbene Altbürgermeister Manfred Fischer (CSU) habe vor dem Umbau des Bades postuliert: "Wir stehen bei den Bürgern im Wort". Das gelte nach wie vor, sagte Franz.

Die Kosten- und Arbeitszeit-Aufstellung des Bauhofs über jährlich anfallende Arbeiten von über 80 000 Euro hält Franz für "stark übertrieben". 78 Arbeitsstunden für das Vertikutieren und zweimalige Mähen eines Rasens vom Ausmaß 20 mal 20 Meter, das Schneiden einer Hecke, Säubern von Gehweg und Parkplatz, Wasserpflanzen schneiden und Maschinen reinigen mit zwei Mann – "da soll wohl suggeriert werden, das Bad werfe immense Kosten auf und müsse bei solchem Aufwand geschlossen werden", vermutet Franz. "Mir wurde gesagt, die Auflistung sei kein Gefälligkeitsgutachten", sagte 2. Bürgermeister Ammon zu diesem Verdacht.

Jährlich seien sogar 406 Stunden Arbeit am Bad zu leisten, davon 90 zur wöchentlichen Wasseranalyse und zur Technikprüfung, zählte Stadtbaumeister Anton Meier auf.

"Wir müssen alle Anstrengungen unternehmen, damit das Bad offen bleibt", machte CSU-Fraktionschef Manfred Durlak deutlich. Es gelte, das Personal zu finden, das ja eventuell auch zusätzlich im Hallenbad oder als Hausmeister eingesetzt werden könne. Zudem müssten freiwillige Helfer geworben werden. "Es wäre fatal, wenn wir dieses Kleinod nicht erhalten könnten", so Durlak.

Alt-Stadtrat Hans Meyer (FDP) riet, einen Förderverein zu gründen, und wetterte gegen die deutsche Bürokratie: "Der Gesetzgeber hat nichts anderes zu tun, als dem Bürger was drauf zu donnern." Andere Kommunen bauten solche Naturbäder jetzt erst, und Langenzenn diskutiere über eine Schließung eines mit viel Geld und Eigenleistung gebauten Schmuckstücks — dagegen sprach sich auch Margit Ritter von den Bündnisgrünen aus.

Die Stadträte waren sich einig, dass das Bad auch heuer öffnet. Nun müssen per Ausschreibung Badeaufsichten gefunden werden, die am besten einen Schichtbetrieb von 8 bis 20 Uhr gewährleisten. Lena Goos (SPD) riet, auch nach 450-Euro-Kräften, Studenten oder Bewerbern für ein Soziales Jahr zu suchen. Bei einer Bürgerversammlung in Keidenzell sollen zudem freiwillige Pfleger geworben werden. Man will mit Wasserwacht, TSV und der DLRG Wilhermsdorf reden. "Wir wissen, was Vereine schaffen können", so Rainer Ströbel (CSU).

Bürger Albert Goos aus Keidenzell bekam abschließend das Wort: "Das Bad ist kein Weltkulturerbe, aber ein Stadtkulturerbe. Wenn das Bad 2018 erst mal geschlossen würde, wäre es tot." 

Hans Peter Reitzner

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