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Keine Scheu im Labor

Wirtschaft und Schulen fördern Chemie-Kompetenz - 29.03.2015 13:00 Uhr

Versiert im Umgang mit anspruchsvollen Versuchsanordnungen: Fürther Mittelschüler im Labor der Chemie-AG. Hier erwerben sie Fähigkeiten, die die Branche braucht - und verbessern gleichzeitig ihre Jobchancen © Armin leberzammer


Kugelfallviskosimeter, Tropftrichter, Aräometer: keine Geräte für den gewöhnlichen Hausgebrauch. Den Neuntklässlern der beiden Südstadt-Mittelschulen sind die Laborwerkzeuge allerdings wohl vertraut. Einige machen schon seit Anfang an mit bei der Chemie-AG Liebig Junior. Für den Sponsor, den Prägefolienspezialisten Kurz AG, ist das Projekt aber nicht in die Vergangenheit, sondern eindeutig in die Zukunft gerichtet.

„Mittelschüler sind für uns besonders interessant, weil sie auch nach der Ausbildung gerne im Betrieb bleiben“, betont Ausbildungsleiter Christian Scholl. Das Problem dabei: „Chemie ist nicht einfach.“ Und es wird an den Mittelschulen lediglich in dem kombinierten Unterrichtsfach PCB (Physik, Chemie, Biologie) unterrichtet. Wo dabei der Schwerpunkt gelegt wird, entscheide der Lehrer, wie Veit Bronnenmeyer vom Projektbüro für Schule & Bildung bei der Stadt Fürth einräumt. Mit Serena Petratschek und Katja König gibt es an den beiden Schulen aber Pädagogen, die über mehr als Grundkenntnisse in Physik und Chemie verfügen. „Das ist nicht selbstverständlich“, weiß Bronnenmeyer, der die Chemie-AG als hervorragende Möglichkeit sieht, Ausbildungsplätze und Bewerber zusammenzubringen.

„Man kann alles lernen“

„Wenn ich nur einen Azubi herausziehe, hat es sich schon gelohnt“, urteilt Christian Scholl. Berührungsängste braucht dabei keiner der Jugendlichen haben. „Chemie wurde auch in meiner Schulzeit nur ganz am Rande behandelt“, berichtet Maxim Kostrizki. Der 20-Jährige befindet sich gerade im zweiten Lehrjahr zur Produktionsfachkraft Chemie bei Kurz und macht den Schülern bei seinem Besuch im Schullabor Hoffnung: „Das kann man alles lernen.“

Im Vergleich zu ihm seien die 15 Mädchen und Buben ohnehin weiter als er selbst in diesem Alter. Schließlich besuchen sie den wöchentlichen, freiwilligen Chemie-Unterricht zum Teil schon über mehrere Schuljahre hinweg. An diesem Nachmittag werden sie die Dichte und Viskosität (also die Zähigkeit) von Flüssigkeiten wie Honig, Motoröl oder Spülmittel untersuchen. Mit Tropftrichter oder Aräometer gehen sie dabei ebenso selbstverständlich um wie mit Schutzbrille, Handschuhen oder den Vorkehrungen zum Gewässerschutz.

Bürgermeister Markus Braun steht staunend daneben, ihm fällt zu Begriffen wie Viskosität nur ein leicht hilfloses „oh wei“ ein. Ein Chemie-Fachmann werde aus ihm wohl nicht mehr, umso höher schätzt er das Werben von Firmen um die Mittelschüler: „Das ist nicht selbstverständlich, bei so einem anspruchsvollen Beruf.“

Bei den Schülern ist der zweistündige Unterricht beliebt. „Der Andrang ist zu Schuljahresbeginn immer groß“, erzählt Lehrerin Katja König, „es wollen stets mehr mitmachen, als wir aufnehmen können.“ Ein Interesse, das vielleicht bald Früchte trägt und allen Beteiligten nützt. Ausbildungsleiter Christian Scholl konnte jedenfalls gleich einige Bewerbungsmappen persönlich entgegennehmen.  

ARMIN LEBERZAMMER

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