Dienstag, 26.03.2019

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Kriminelle Historie mit Fürther Lokalkolorit

Elmar Vogts Krimidebüt mit „Der Fall Zita S.“ — Gesellschaftskritik im industriellen Aufschwung - 30.08.2013 12:00 Uhr

Der 47-jährige Autor mit seinem abenteuerlich konstruierten Krimi-Erstling. © Mark Johnston


In Fahrt kommt die im Jahr 1896 angesiedelte Handlung mit der Entführung einer Unternehmertochter. Eigenwillig schickt der Autor eine Frau in die patriarchalisch geprägte Gesellschaft: Iahel Nimoy entlarvt als Sonderkommissarin des Prinzregenten nicht nur das Komplott der Entführer, sondern auch die Fratze der Gründerzeit. „Ich wollte nicht zum 100. Mal Sherlock Holmes aufwärmen“, begründet Vogt die Wahl einer jüdischen Ermittlerin.

Im Spannungsfeld der als „fränkisches Jerusalem“ apostrophierten Kleeblattstadt legt sie allein durch ihr Auftreten schon gesellschaftliche Strukturen frei. Dem Autor geht es insbesondere darum, die soziale Problematik aufzuzeigen, dass in den heute so idyllisch erscheinenden Hinterhöfen einst das nackte Elend zu Hause war.

Der Fall Zita S. spielt überdies im Dunstkreis der in Fürth so erfolgreichen Spiegelmanufaktur mit ihrer verheerenden Quecksilberproblematik. Zahlreiche Arbeiter haben in Spiegelbelegen ihre Gesundheit ruiniert, und selbst heute noch belastet die Sanierung verseuchter Mauern die Urenkelgeneration. Der gesellschaftskritische Anspruch dieses Krimis hätte allerdings eine deutlich spannendere Dramaturgie vertragen.

Auch im Aufbau geht Elmar Vogt eigene Wege. Er will sein Pulver nicht zu früh verschießen und widersetzt sich dabei der Erfahrung, dass der Mord in einem spannenden Krimi bis Seite 30 passiert sein muss, glaubt man etwa dem Kölner Verleger Hejo Emons. Bis Seite 201 lässt er den Leser zappeln. Fesseln will er ihn mit einer abenteuerlich konstruierten Handlung. Eine gewaltige Excel-Tabelle benötigte der 47-jährige Autor als Gerüst. Der Leser muss darauf freilich verzichten. Erst am Ende kommt er auf seine Kosten.

Raffiniert lässt Elmar Vogt zum Finale einen weiteren Kriminalfall anklingen und hält sich so die Möglichkeit einer Fortsetzung offen. Wenigstens diesmal bekommt der Leser die Leiche schon im ersten Absatz serviert. Für die Stadtgeschichte hat sich der gebürtige Ulmer seit seinem Umzug von Nürnberg nach Fürth 2003 interessiert. Im Stadtarchiv vertiefte er sich in Chroniken. Die historischen Bezüge sind im Krimi dank akribischer Recherche weitgehend treffend wiedergegeben.

Seit 2005 arbeitete der studierte Physiker, der seinen Lebensunterhalt als Technischer Redakteur bei Siemens verdient, am Krimi-Erstling. Zuvor hat er Kurzgeschichten und Fantasyromane verfasst. Und als Fingerübung einen historischen Roman über Sigena.

„Der Fall Zita S. — Eine Fürther Criminal=Historie“, Edition Knurrhahn im Thomas Rüger Verlag (Nürnberg),

270 Seiten, 12,80 Euro.
  

VOLKER DITTMAR

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