Samstag, 17.11.2018

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Laderampe versperrt den Blick aufs Kino

Bahn bleibt hart: Maroder und unnützer Baukörper an der Rückseite wird nicht abgerissen - 03.05.2013 09:00 Uhr

Fassungsloser Kino-Bauherr: Alfred Ach vor der unschönen Laderampe, die zwischen den Bahngleisen und seinem Filmtheater stehen wird. © Winckler


Er hatte sich das alles so schön ausgemalt: Gemächlich rollen die Züge, die im Bereich des Fürther Hauptbahnhofs das Tempo stark drosseln müssen, an seinem Lichtspieltempel vorbei — und jeder der Fahrgäste, dankbar für ein bisschen Abwechslung im optischen Einerlei, richtet den Blick auf den Baukörper mit dem markanten Glaskegel im Eingangsbereich. Die perfekte Werbung für sein „tolles schönes Kino“.

Doch Alfred Ach hat die Rechnung ohne die Deutsche Bahn gemacht. Ohne jenes Unternehmen also, das immer wieder — nicht nur, aber sehr oft auch in Fürth — ungläubiges Kopfschütteln auslöst. Im Fall des Kinoneubaus, der nach den Vorstellungen des Hausherren schon in sechs bis sieben Monaten stehen soll, schütteln zusammen mit Ach derzeit vor allem die Verantwortlichen im städtischen Wirtschaftsreferat ihre Köpfe.

Der Grund: Zwischen dem Kino-Grundstück und den Gleisen ist eine Laderampe übriggeblieben, rund zweihundert Meter lang, rund sechs Meter breit, geschützt durch ein hohes und ausladendes Dach. Die Rampe, die einst andockte an die zugunsten des neuen Kinos abgerissenen Lagerhallen im früheren Güterbahnhof, ist völlig marode und — nicht schwer zu erraten — völlig unnütz. Die DB Netz AG indes, Besitzerin der unschönen Hinterlassenschaft, denkt gar nicht daran, sie zu beseitigen — da können Kinobetreiber und Stadt noch so vernehmlich bitteln und betteln, jammern und schimpfen.

Es geht schlichtweg ums Geld, daraus macht Marco Escher, bei der DB Netz AG Leiter der Abteilung Regionale Großprojekte im Knoten Nürnberg, auf FN-Anfrage erst gar kein Hehl. Leicht in den sechsstelligen Bereich könnten die Abrisskosten steigen — Mittel, sagt Escher, „die wir nicht zur Verfügung haben“. Oder, so wäre es vielleicht treffender formuliert, die seine Gesellschaft nicht zur Verfügung stellen möchte.

Denn Escher macht klar, dass die Bahn zwar ein früheres Staatsunternehmen ist, heute aber nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten funktioniert. Im konkreten Fall sehe man im teuren Abriss „keinen unternehmerischen Nutzen“, zudem handle es ich nicht um eine „eisenbahnbetriebswichtige Anlage“. Die optischen Bedenken anderer fallen bei derlei Kalkül nicht ins Gewicht, man könnte auch sagen: Sie sind der Bahn egal.

Deshalb werde die DB Netz die Laderampe lediglich „verkehrssicher halten“, also dafür sorgen, dass keine losen Teile herunterfallen. Ein Abbruch komme irgendwann in ferner Zukunft allenfalls in Betracht, wenn die Bahn hier selbst bauen oder neue Gleise verlegen möchte.

Alfred Ach kann all das nicht fassen. Ideal sei die Gelegenheit, die Abrissbirne zu schwingen, solange das Kino noch nicht steht; später werde es schwer, an die dahinter liegende Rampe heranzukommen — und außerdem lästig für den Kinobetrieb. Wenigstens das sichtbehindernde Dach samt der Stahlträger könnte die Bahn doch beseitigen, die Betonrampe selbst störe ja gar nicht so sehr...

Aber alle Hoffnung ist wohl vergebens, meint auch Stefan Röhrer, der im städtischen Wirtschaftsreferat ein Auge auf das Projekt und mehrere Verhandlungstermine mit der DB Netz hinter sich hat. Schon zeitlich könne aus dem Abriss nun kaum noch etwas werden, denn allein die Planung würde sich Monate hinziehen, schätzt Röhrer. „Diverse Kabel und Leitungen“, die sich laut Bahn-Mann Escher im maroden Trakt verbergen, machen „den Rückbau schwerer, als man sich das vorstellt“.

Alfred Ach bleibt nur ein schwacher Trost: Selbst bahnintern werde über so viel Dickköpfigkeit und Mangel an Sensibilität geschimpft, berichtet er. Neulich erst habe ihm ein höherer Angestellter hinter vorgehaltener Hand sein Mitgefühl ausgesprochen — und ihm zugleich alle Illusionen geraubt: „Das Ding steht in 20 Jahren noch...“ 

Wolfgang Händel

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