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Langeweile verboten

Doppelschau zum 30. Jubiläum des Kulturrings C - 10.07.2011 13:00 Uhr

„30 Jahre arme Hunde“: Axel Voss, einer der vier Ring-C-Vorstände, hat für seine Schilder-Schau einen süffisanten Titel gewählt. Links rückt Annegret Hornik Andreas Klöpsch’ (li.) Motorhauben-Installation ins rechte Licht. © Günter Distler


Der Aufzug - „3100 kg, 41 Personen“ — ist keiner von der hektischen Sorte. Gemächlich hievt er seine Benutzer in die gewünschte Etage. Seine Tage sind gezählt. Einst beförderte er in Bayerns ältestem Parkhaus die Karossen nach oben. Bald sollen in der Central Garage von anno 1928 in der Mathildenstraße schicke Appartements entstehen. Jetzt zieht bis 7. August Kunst auf die verwaisten Stellflächen.


Dem Bau wohnt in diesem Zwischenstadium etwas Unwirkliches inne. Aus dem sonnigen Fußgängerzonen-Fürth heraus betritt der Besucher eine schwarz-graue Weitläufigkeit, ein Mittelding zwischen Filmkulisse und Alptraumraum. Zugleich sind die Etagen bereits in der Aufbauphase der Ausstellung mit spürbarer Lust von den Mitwirkenden okkupiert worden. Fast scheint es, als habe jeder exakt die Kulisse vorgefunden, die seiner Arbeit in diesem Moment perfekt bekommt.

„Künstler: Freiheit“ nennt sich die Garagen-Schau. Ein Titel, der Ortwin Michel behagt. Der 69-Jährige stieß nach seinem Studium zum Ring Fürther Künstler, der von Akteuren der Nachkriegszeit wie Georg Weidenbacher und Gudrun Kunstmann gegründet worden war. 1981, Michel ist zweiter Vorsitzender des Rings, wird ein neuer Name gesucht: „Der Verwaltungsbegriff ,Kunstring C’ erschien treffend“, erinnert sich der Kulturpreisträger der Stadt Fürth: „Für die erste Ausstellung hatten wir quasi null Budget, 600 Mark bekamen wir.“ Heute, so Michel, sei er froh, wie sich die Vereinigung, ein offener Verbund ortsansässiger bildender Künstler in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt, über die vergangenen drei Jahrzehnte weiterentwickelt hat.

Tölen-Elend

Die Bandbreite der Arbeiten, die in der Central Garage zu erforschen sind, ist immens. Dazu gehört zum Beispiel Axel Voss, der „30 Jahre arme Hunde“ mitgebracht hat: Verbotsschilder aus aller Welt, die Vierbeinern den Zutritt verweigern. Das Elend der Tölen reicht vom legendären Struppi („von einer Pizzabude in Portugal“) bis zum einzigen eindeutig weiblichen Köter aus Straßburg. Andreas Klöpsch präsentiert gleich nebenan Delacroixs nackten Freiheitssturm auf der Motorhaube einer Mercedes-S-Klasse. Arbeitsmittel: „Schusswaffen, Hämmer, Steine und Acryl.“

Poetischer und in Raumdistanz tritt Annegret Hornik ihren Betrachtern entgegen: „Ein Vogel“ erinnert an die Zeichenkunst der Aborigines und hat nicht zuletzt mit einem Wunsch der Künstlerin zu tun: „Einmal zu verstehen, was Vögel sagen.“ Bereits am Eingang erwarten großformatige Arbeiten von Mona Burger die Eintretenden. Ihre „Prallkleider“ entstanden aus ausgedienten Airbags.

In der kurz vor der Umwidmung stehenden Garage erinnert Fotokünstlerin Susa Schneider an ein anderes Relikt: Den Ex-Sprungturm aus dem Fürther Freibad nahm sie kurz vor dessen Abriss auf. Anja Molendijk hat unter anderem zwei Werke aus ihrer fünfteiligen „Hentai“-Serie mitgebracht. Düster und filigran zugleich, beschäftigen sie sich mit befremdlicher Schönheit.

Im Treppenhaus — das, wie das komplette Gebäude, von den Mitwirkenden erst in einem mühsamen Großeinsatz gereinigt und begehbar gemacht werden musste — erweckt eine Raum-Installation von Klaus Haas ungeahnte Nähe zu fantastischen Unterwasserwelten. Seine Projektion ist eine Collage aus „purer Mathematik“. Kreiert unter anderem am Computer mit Hilfe eines Fraktalgenerators und diffizil zusammengesetzt.

Als Paradebeispiel für einen, der im Großen seinen Raum gefunden hat, darf Anders Möhl gelten. Er hatte anderes für die Garage geplant und war „völlig fasziniert“, als er eine abgeteilte Nische inklusive Ventilator aufspürte: „Das war Liebe auf den ersten Blick.“ Hier zeigt er jetzt in einem fiktiven Atelier seine Zeichnungen aus Amerika unter dem Titel „Crickets are all around us“, unterlegt von Grillen-Tönen aus Chicago oder Moab in der Wüste von Utah.

Zusätzlich gesellt sich ein interdisziplinäres Projekt des Kunstsalons Fürth zur großen Jubiläums-Schau des Kulturrings C: Das Konzept „Sequel 15“ wird im Ausstellungszeitraum 8. Juli bis 7. August (jeweils Freitag und Samstag, 18 Uhr, und Sonntag, 17 Uhr) im zweiten Stock der Central Garage präsentiert. (Siehe auch „FragWürdig“ auf dieser Seite). 

Sabine Rempe

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