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Lärmschutzwand: Die Kleeblattstadt geht in volle Deckung

Neuer Schutzwall der Bahn stößt auf Vorbehalte — Fürth wird für Fahrgäste ausgeblendet - 13.05.2011 09:00 Uhr

FÜRTH  - „Berliner Mauer quer durch Fürth?“, betitelten die Fürther Nachrichten im Mai 1993 einen Bericht über die Planung der Neubaustrecke der Bahn. Heute, 18 Jahre später, entstehen die vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) damals schon als überdimensioniert kritisierten Lärmschutzwände.

So wie hier am aufgelassenen Bahnübergang Ottostraße hat sich die Kommune den Lärmschutz nicht vorgestellt. Weder der Farbton noch die Struktur der neuen Wand entsprechen den Ideen des Stadtplanungsamtes.
So wie hier am aufgelassenen Bahnübergang Ottostraße hat sich die Kommune den Lärmschutz nicht vorgestellt. Weder der Farbton noch die Struktur der neuen Wand entsprechen den Ideen des Stadtplanungsamtes.
Foto: Hans-Joachim Winckler
So wie hier am aufgelassenen Bahnübergang Ottostraße hat sich die Kommune den Lärmschutz nicht vorgestellt. Weder der Farbton noch die Struktur der neuen Wand entsprechen den Ideen des Stadtplanungsamtes.
So wie hier am aufgelassenen Bahnübergang Ottostraße hat sich die Kommune den Lärmschutz nicht vorgestellt. Weder der Farbton noch die Struktur der neuen Wand entsprechen den Ideen des Stadtplanungsamtes.
Foto: Hans-Joachim Winckler

Rund vier Meter ragen sie am ehemaligen Bahnübergang Ottostraße in die Höhe. Die mit Dämmstoff gefüllten Alu-Elemente der neuen, ockerfarbenen Lärmschutzwand an der Bahnlinie sind nicht zu übersehen. Stadtplanungsamtschef Christian Schöner macht aus seinem Empfinden kein Geheimnis: „Gefallen tut’s mir nicht.“

Sechs Farben hatte die Bahn Fürth 2008 zur Auswahl vorgelegt. Das Stadtplanungsamt hat sich für warme Beige- oder Grautöne ausgesprochen. „Der jetzige Ockerton war zwar auch in der Skala enthalten, aber so haben wir uns das nicht vorgestellt“, sagt Schöner auf Anfrage der Fürther Nachrichten. In maximal zwei Farbtönen sollte die Lärmschutzwand nach seinen Vorstellungen gehalten werden. Metall wurde von Schöner als Fremdkörper eingestuft. Besser seien Materialien wie Holz, Stein oder Beton. Die ließen sich besser ins Stadtbild integrieren.


Falls aus technischen Gründen nur eine Metallausführung in Frage kommt, sollte diese nach denVorstellungen des Stadtplanungsamtes vertikal strukturiert werden. Angesichts des Ergebnisses will Schöner Nachbesserungsmöglichkeiten ausloten. Immerhin konnte bei den Vorgesprächen erreicht werden, dass die Lärmschutzwand auf dem Viadukt Schwabacher Straße teilweise transparent ausgeführt wird.

„Für Bahnfahrer ist das ist kein schöner Empfang“, urteilt die Vorsitzende des Fürther Baukunstbeirates, Brigitte Sesselmann, über den Anblick vom Zug aus. Und auch ihr Fürther Kollege Hermann Keim empfindet die Wand als „nicht wirklich prickelnd“. Verwundert sind die Beiratsmitglieder darüber, dass sie nicht wie das Nürnberger Gremium bei der Gestaltungsfrage der Lärmschutzwand zu Rate gezogen worden sind. Schließlich hätte man fachlich durchaus Verbesserungsvorschläge machen können. Und Sesselmann gibt zu bedenken: „Die Bahn kann nicht einfach machen, was sie will. Es geht doch hier um Stadtraum.“

Vor allem im Hinblick auf das denkmalgeschützte Berolzheimerianum und auf das Comödien-Parkhaus mit seiner anspruchsvollen Fassade empfindet Keim die Lärmschutzwand als unpassend. Von einer „Katastrophe fürs Stadtbild“ und „optischer Umweltverschmutzung“ spricht Stadtheimatpfleger Alexander Mayer. Was die Wand an Verbesserungen für den Lärmschutz bringen mag, verschlechtere sie am Erscheinungsbild Fürths. Wie ein Gewerbegebiet präsentiere sich die Stadt den Reisenden. „Eine Gemeinheit“, sieht darin der Fürther Ernst Ludwig Vogel als Mitglied der Landesarbeitsgemeinschaft Architektur und Schule. Langweilig, einfallslos sei die Wandgestaltung.

„Dem Fahrgast wird jedes Erlebnis der Stadt vorenthalten“, kritisiert der Fürther VCD-Sprecher Lothar Berthold. Er widerspricht vehement der Ansicht, dass die Wände zum Lärmschutz derart hoch aufragen müssen. Da bei den im Stadtbereich reduzierten Geschwindigkeiten vor allem die Laufgeräusche der Räder abgeschirmt werden müssten, genüge eine zwei Meter hohe Wand vollauf. Als sehr effektiv haben sich nach Bertholds Worten Dämpfungssysteme direkt an der Schiene, wie auf einem Gleisabschnitt zwischen Halle und Bitterfeld, erwiesen. Hohe Konstruktionen trügen nur unwesentlich zur Verbesserung bei. Ihre Wirkung sei hauptsächlich eine psychologische.

Bahnsprecher Frank Kniestedt versteht die Aufregung nicht. Er verweist auf die von der Stadt getroffene Auswahl und darauf, dass im siedlungsnahen Bereich des Fürther Bogens Lärmschutzwände aus Beton verwendet würden, die im oberen Bereich transparent seien, um den Eindruck eines Riegels abzumildern. Im Farbton der Alu-Elemente unterscheide sich Fürth zudem konsequent von Nürnberg. Dort seien die Lärmschutzwände grau mit roten Streifen. 

Volker Dittmar


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