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Sonntag, 23.09.2018

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Lobby der Gleichberechtigung

FrauenWerk Stein erinnert an 85-jähriges Bestehen und Frauenwahlrecht - 16.07.2018 16:15 Uhr

Am roten Sofa im Garten des Frauenwerks berichtet Renate Schmidt (re.) im Gespräch mit Michaela Wachsmuth von der Dampfwalzenmentalität, die sie sich zugelegt hat. © Foto: Fiedler


Der Garten ist fein herausgeputzt, zahlreiche Stände locken mit Spielen oder kleinen Attraktionen. Vom Frauenwerk betriebene Einrichtungen wie die Fachstelle für Frauenarbeit, die Frauenwerk-Kliniken oder das Bundeskomitee Weltgebetstag stellen sich und ihre Arbeit vor. Aber auch Partnerverbände, wie das "Bündnis für Toleranz und Demokratie" oder der Verein "Erfolgsfaktor Frau" machen deutlich, was den "Gründungsmüttern" vor 85 Jahren am Herzen lag: Geschlechtergerechtigkeit, Unterstützung der Frauen in Fragen der wirtschaftlichen Existenz, der Politik, der Bildung oder Erholung und nicht zuletzt die Begleitung hin zu einer gelebten, christlichen Spiritualität.

"Frauen sollen ihr Leben selbstbewusst gestalten können", betont Michaela Wachsmuth, seit einigen Monaten die neue Vorsitzende des FrauenWerks. Sie beschreibt damit auch den in diesen Tagen wichtigen gesellschaftspolitischen Auftrag, dem ihre Organisation nachkommen will. 1933 als sogenannte Mütterhilfe gegründet, durchlief es in den Jahrzehnten seines Bestehens eine Metamorphose hin zu einem Verband für Frauenarbeit mit weitgefächerter Thematik.

Entsprechend frauenpolitisch kommt das Programm des Sommerfestes daher. Auf einem roten Sofa nehmen diejenigen Platz, die sich in Politik, Kirche und Gesellschaft mit Erfolg Gehör verschaffen und verschafft haben. Denn Wachsmuth und ihr Team wollen einem Dogma mit Nachdruck begegnen, das ihrer Meinung nach noch in vielen Köpfen herumspukt: "Kehrarbeit ist weiblich".

Der erste Gast auf dem Sofa erweist sich seit Jahrzehnten als frauenpolitisches Urgestein. Dampfwalzenmentalität habe sie sich zugelegt, bekennt Renate Schmidt, von 2002 bis 2005 Bundesfamilienministerin. Sie erzählt von ihren Anfängen und ihrer Motivation, Politik nicht als Belastung, sondern als Option für Veränderung zu begreifen. Zu ihrem politischen Vermächtnis gehöre, so die 78-jährige Nürnbergerin, dass junge Frauen, die ein Kind ohne Ehemann erwarten, keine Schande über irgendwen oder -etwas bringen. Im Gegenteil, junge Mütter seien besonders schützenswerte Mitglieder der Gesellschaft.

Da ist Schmidt dann auch bei einem zentralen Thema der Frauen- und Familienpolitik: Die ungleiche Bezahlung von gleichwertigen Jobs. "Welches Bild haben wir von uns, wenn Menschen, die Dienst am Menschen tun, so viel schlechter bezahlt werden, als jene die in Technik oder der Wirtschaft arbeiten?", fragt sie.

Schmidt macht auch heute noch den Mund auf, jüngst in Form eines Briefes. Dafür dankt eine Dame aus dem Publikum, die an das Schreiben erinnert, das Schmidt an Innenminister Horst Seehofer adressierte. Ihre Kritik: "Das Vokabular, mit dem flüchtende Menschen bedacht werden, ist nur eines, nämlich menschenunwürdig."

Recht schnell auf die Probleme der FrauenWerk-Basis stößt Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern. Die geplante Auslagerung der Frauenarbeit aus dem FrauenWerk in das Amt für Gemeindedienst der evangelischen Kirche betrachtet sie mit Zuversicht: "Frauenarbeit passt meiner Meinung nach gut in den vitalen Bereich des Kirchenvorstandes." Hann von Weyhern versucht der Unruhe zu begegnen, die die Ausgliederung der Frauenarbeit seit Bekanntwerden mit sich brachte.

Wie frau sich in Beruf und Gesellschaft durchsetzt, das beschreibt Eva Maria Popp. Die Unternehmensberaterin und Autorin diktiert einmal mehr den Frauen ins Stammbuch, dass man Ziele nur erreichen kann, wenn man sie auch formuliert. 

Petra Fiedler

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