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Margarete Hartmanns eingeatmete Einsichten

Die Volksbücherei Fürth steigt kunstvoll ins "Traumboot" - 09.11.2017 13:40 Uhr

Gemalte Tagebucheinträge: Margarete Hartmann ist mit ihren Acrylgemälden ein gern gesehener Gast in der Fronmüllerstraße. © Foto: Blind


Satte Farben, vage Formgebilde, versteckte Schriftzüge: Wer auf konkrete Aussagen bei Margarete Hartmanns Bildern hofft, ist fehl am Platz. Die Malerin "will dem Betrachter nichts Fertiges vorsetzen, sondern eine spannende Reise des Auges ermöglichen", so Irma Roth, die zur Vernissage sprach.

1952 im oberbayrischen Pleiskirchen geboren, trieb es die Wahl-Fürtherin Hartmann — 2003 stellte sie erstmals in der Volksbücherei aus — stets hinaus in die Welt. Sie unterrichtete in Uganda, baute Brunnen in Kamerun und begegnete an unterschiedlichen Orten Bootsflüchtlingen. Die vielen "eingeatmeten Erfahrungen", so erklärt sie es selbst, atmet sie daheim mithilfe der Leinwand wieder aus.

"Traumboot" umfasst Werke der vergangenen vier, fünf Jahre. Jede Farbschicht ist geprägt von Hartmanns eigenem Gedankenmeer, ihrer Tragödien und Glücksmomente. Geheimnisvoll schimmern gotische Grabsteinschriftzüge durch dicke Pinselstriche und lassen Hartmann an ihre streng katholisch geprägte Jugend zurückdenken. Ruhig treibt ein Boot auf einem Meer aus Blau- und Grüntönen, die romantischen Gewässer der heimischen Sulzach abbildend.

Doch sobald der therapeutische Prozess des Ausatmens, des gemalten Tagebucheintrags beendet ist, nimmt Hartmann Abstand vom Werk, denn Stillstand gibt es bei ihr nicht. Bewusst tragen die Bilder zudem keine Titel, denn ihre Werke gehören nicht ihr alleine.

"Nicht das, was ich gemalt habe, ist für den Betrachter von Bedeutung, sondern das, was es bei ihm zum Klingen bringt", betont sie. Lässt man sich auf eine Reise auf dem "Traumboot" ein, ist das auch immer eine Reise ins eigene Innere. Was für den einen eine Trauerbarke ist, mag für den anderen ein Boot am Beginn eines langen Trips sein. "Meine Bilder sind wie Spiegel", findet die Künstlerin.

Während ihres Schaffensprozesses begleitete Hartmann das Gedicht "Ithaka" aus der Feder des griechischen Lyrikers Konstantinos Kavafis. "Brichst du auf gen Ithaka, wünsch dir eine lange Fahrt voller Abenteuer und Erkenntnisse", rezitiert sie. Was in Ithaka zu finden ist, ist jedem selbst überlassen; wer sich treiben lässt, findet in Margarete Hartmanns Motiven in der Volksbücherei möglicherweise eine Antwort.

ZSiehe "Fürther Kunststücke" auf dieser Seite 

PATRICIA BLIND

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