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Massiver Anstieg: Fürther Erhard-Zentrum wird teurer

Projekt liegt 4,8 Millionen Euro über der Kalkulation - Faktoren "unvorhersehbar" - 27.03.2017 05:40 Uhr

Die Kräne sind verschwunden, der Bau des Zentrums am Rathaus nähert sich ganz allmählich dem Ende – und kostet mehr als geplant. © Hans Winckler


Nach Auskunft der Architekten ist die erhebliche Kostensteigerung "unvorhersehbaren" Faktoren geschuldet – etwa der brummenden Konjunktur, die Preise treibt, sowie "baukonstruktiven, statischen und gestalterischen Gründen". Der Stadtrat wird in seiner nächsten Sitzung am kommenden Mittwoch, 29. März, um 15 Uhr im Ratssaal, wohl nicht umhin kommen, der daraus resultierenden Aufstockung des kommunalen Anteils am bald fertigen Zentrum zuzustimmen.

Denn die Stadt hat sich verpflichtet, etwa zehn Prozent der Bausumme zum privaten Projekt der Fürther Stiftung Ludwig-Erhard-Haus beizusteuern. War diese Anfang 2015 noch von einem Gesamtkostenrahmen von knapp 12,6 Millionen Euro ausgegangen, so liegt er nach der aktuellen Kalkulation bei 17,356 Millionen.

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Ludwig Erhard: Fürths großer, schwieriger Sohn

Er gilt als "Vater der sozialen Marktwirtschaft" und als einer von Fürths großen Söhnen: Doch die Beziehung zwischen Ludwig Erhard und seiner Geburtsstadt war lange schwierig. Die Ehrenbürgerwürde blieb dem Mann, der für die CDU 14 Jahre Wirtschaftsminister und später Kanzler der Bundesrepublik war, im von der SPD dominierten Fürth zu seinen Lebzeiten stets verwehrt. 2002 wurde dann anlässlich des 25. Todestages der Fürther Ludwig-Erhard-Initiativkreis gegründet - treibende Kraft hinter dem Ludwig-Erhard-Zentrum, das zurzeit hinter dem Rathaus entsteht.


Den Löwenanteil stemmen Bund und Land Bayern, die für das nach ihrer Einschätzung "national bedeutsame Vorhaben" stattliche Summen aus Fördertöpfen zur Verfügung gestellt haben. Einige Millionen Spenden aus der Wirtschaft flossen zudem bisher für die Ausstattung im Inneren. Die Eröffnung ist für die zweite Hälfte dieses Jahres geplant.

Kostspieliger Neubau

Bis dahin wird zum einen, wie mehrfach berichtet, das historische Geburtshaus des "Vaters der sozialen Marktwirtschaft" und Ex-Bundeskanzlers in der Ludwig-Erhard-Straße renoviert und ausgebaut. Zum anderen – und das ist mit 14,2 Millionen Euro der weit größere Brocken – ist gegenüber, auf dem früheren Parkplatz hinter dem Rathaus, ein ebenso moderner wie mächtiger Neubau hochgezogen worden.

In diesem Komplex soll eine Dauerausstellung zu Leben und Werk Ludwig Erhards fortgeführt werden, die im Geburtshaus vis-à-vis ihren Anfang nimmt. Im dritten Stock des Neubaus sind Veranstaltungs- und Tagungsräume vorgesehen. Ein "zukunftsweisendes Konzept" attestierte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann dem ehrgeizigen Fürther Vorhaben anlässlich des Richtfestes Ende November; von einem "imposanten Bau" und einem "genialen Standort" schwärmte er.

Gegner indes halten das Projekt für unnötig, bezweifeln dessen prognostizierte Zugkraft und hätten das Geld viel lieber in soziale Projekte oder Bau und Sanierung von Schulen und Brücken investiert. Sie sind allerdings weit in der Minderheit – über die Grenzen der großen Parteien hinweg, bei einer großen Mehrheit des Stadtrats und in der Stadtspitze wird das Ludwig-Erhard-Zentrum begrüßt.

Daran wird, so darf man annehmen, auch der finanzielle Nachschlag nichts ändern. Wie OB Thomas Jung auf FN-Anfrage sagte, seien Kostensteigerungen bei Bauprojekten leider an der Tagesordnung. "Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Stadt hier nur mit zehn Prozent beteiligt ist." 

Wolfgang Händel

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