Sonntag, 18.11.2018

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Mit Elan bis in die höchsten Baumwipfel

Junge Kletterer konnten sich mit Expertenhilfe im Langenzenner Spitalwald ausprobieren — 35 Meter hohe Eiche - 22.05.2018 21:00 Uhr

Rauf auf die Eiche: Kletterprofi Uli Simon mit seinen jungen Schülern David (links) und Jakob (rechts). © Foto: Schülbe


Bei David zu Hause im Garten, da steht ein Tannenbaum. Auf den ist der Elfjährige früher oft geklettert. "Jetzt nicht mehr", sagt Vater Jörg neben einer etwa 35 Meter hohen Eiche, die sein Sohn in wenigen Minuten erklimmen will. "Das wäre einfach nicht mehr interessant genug."

Auf Bäume wie diese Eiche klettere der Fünftklässler nun ständig, seit er im vergangenen Jahr zum ersten Mal beim Angebot "Wipfelstürmer gesucht" der Volkshochschule Langenzenn mitgemacht hat. Auch jetzt ist David wieder mit dabei, am südlichen Rand des Spitalwalds bei Laubendorf, wohin Kursleiter Uli Simon erneut eingeladen hat.

"Du bist ja schon ein alter Hase", stellt Simon fest, als er David den Klettergurt anlegt. Dennoch erklärt er ihm, wie auch den anderen beiden Kindern, ganz genau, wie sie die knapp 25 Meter – bis zum letzten tragenden Ast – sicher hinauf gelangen. Die hierfür benötigten Seile hat der 57-jährige Kletterprofi schon vorher in den Baum gehängt.

Dass man den Baum nur dafür benötigt, nämlich zur Anbringung von Seilen, ist Simons erste Feststellung. "Stellt euch mal vor, man geht 20 Mal den Baum mit Steigeisen rauf, dabei würde er doch kaputt gehen", sagt er und streicht über die Rinde. Auf ein Alter von 150 Jahren schätzt der Biologe und Waldökologe die Eiche, nachdem er ihren Umfang mit einer Umarmung gemessen hat.

Jakob, ebenfalls elf Jahre alt, ist noch nie auf so einen Baum geklettert. Angst? "Nö", antwortet er, während Simon auch ihm einen Klettergurt anlegt. Er ist wegen David hier, sie sind beste Freunde und Nachbarn.

Dann geht es los. Kletterlehrer und Kletterschüler fädeln Steigklemmen, die ihr ganzes Gewicht tragen werden, in die Seile. An diesen gelangen sie nach oben, indem sie die Klemmen immer ein Stück weiter schieben. Dazu straffen sie das Seil bei jedem Schub mit einem kräftigen Fußtritt in eine Schlinge. So erreichen sie bald den ersten Ast, ein paar Meter über dem Boden.

Mit wenig Kraft

Spannend wird es auch, als sie sich später wieder abseilen. Dann fädeln sie die Seile durch sogenannte Abseilachter, lösen sie hierfür gänzlich von den Steigklemmen. Die zwei miteinander verbundenen Metallringe wirken wie Bremsen, durch die sich die Kletterer mit wenig Kraft herablassen können. Sicherheitshalber halten Helfer am Boden die Seile fest, sie müssen nur daran ziehen, um ebenfalls eine Bremswirkung zu erzielen.

Klettern, wie ist das eigentlich? "Schon cool", sagt David. Außer ihm und Jakob schiebt sich noch ein Mädchen die Seile hinauf. Insgesamt sind nur halb so viele Teilnehmer gekommen, wie sich eigentlich angemeldet hatten. Schade findet das Jakobs Mutter Karin, die sich selbst aber niemals trauen würde, so hoch zu klettern; sie hat Höhenangst. "Vielleicht hätte ich sie nicht", sagt sie, "wenn ich so etwas als Kind gemacht hätte." 

Martin Schülbe

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