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Mit viel Ausdauer und Disziplin nach Nürnberg

Nach etlichen Verletzungen denkt Hindernisläuferin Julia Hiller nicht mehr an Bestzeiten, will aber bei der DM dabei sein - 23.01.2015 09:18 Uhr

Ist derzeit nicht nur im Gelände, sondern auch auf dem Laufband unterwegs: Julia Hiller.

Ist derzeit nicht nur im Gelände, sondern auch auf dem Laufband unterwegs: Julia Hiller. © Foto: Winckler


Stört es, wenn wir beim Laufen reden?“, fragt Julia Hiller. Es stört nicht. Zum Glück für den Journalisten geht es jetzt nicht über Stock und Stein, sondern nur auf ein Speziallaufband, das die Belastungen für die schmerzende Achilles- und Plantarsehne unter der Ferse verringert. Locker wie ihr Lauf sind in der Folge auch die Antworten – und selbstverständlich weiß sie, wo sie im Juli gerne sein möchte: „Im Nürnberger Stadion, nicht auf der Tribüne, sondern auf der Laufbahn.“ Ihr komplettes Training mit acht oder neun Einheiten pro Woche ist auf die DM vor der Haustür ausgerichtet.

Ein bisschen spielt auch die Erinnerung an „ein tolles Wochenende“ mit. 2005 gewann Hiller in Nürnberg ihre ersten deutschen Titel als Jugendliche. „Die schönsten, weil sie so unerwartet kamen.“ Noch in der Vorwoche war sie bei der U20-EM kein gutes Rennen gelaufen, dafür siegte sie bei der Jugend über 3000 Meter und über 2000 Meter Hindernis. In Rekordzeit ließ sie erstmals die Regensburgerin Susi Lutz hinter sich, die als große Nachwuchshoffnung galt. Mit Lutz, die lange eine ihrer härtesten Konkurrentinnen war, verbindet sie inzwischen eine Freundschaft.

Zehn Jahre später ist ein neuer Titel kein Thema – die nationale Konkurrenz über die Hindernisse ist stark, sogar im eigenen Verein: Jannika John (Bestzeit 10:05,48), momentan für zwei Jahre zum Studium in den USA, wird wohl im Sommer auch in Nürnberg antreten. Von sich selbst erwartet Hiller „ein vernünftiges Niveau“. Auf irgendwelche Ziele oder Platzierungen legt sie sich nicht fest. An Ehrgeiz fehlt es aber nach wie vor nicht, die berufliche Ausbildung zur Fachärztin für Arbeitsmedizin und das Training bringt sie „mit guter Organisation des Tagesablaufes“ unter einen Hut.

An ihre Bestzeit (9:42,72 Minuten – aufgestellt als DM-Zweite 2007 in Erfurt) verschwendet sie trotzdem keinen Gedanken. Nicht realistisch sei das nach all den Verletzungen und einer Zeit, in der sie sich nur im Schwimmbad und auf dem Ergometer fit halten konnte. „Für eine Bestzeit müsste ich wohl zwei Jahre optimal trainieren können.“ Gerne würde sie noch einmal unter zehn Minuten bleiben, wichtig sei aber erst einmal, wieder einigermaßen beschwerdefrei über die Hindernisse zu kommen.

Ermuntert von den Eltern, gehörte Sport schon in ganz jungen Jahren zu ihrem Leben. Es begann mit Ballett, aber Rhythmus und Musik lagen ihr nicht. Später in der Grundschule wurde auch Hockey gespielt. „Aber ich bin schon immer lieber durch die Gegend gerannt und irgendwie dabei hängengeblieben“, sagt Hiller. Bei der LG Erlangen wurden die Grundlagen gelegt und der Spaß an der Leichtathletik vermittelt. Vielseitigkeit war da gefragt und der Mehrkampf spielte sicher eine Rolle, als Jörg Stäcker, BLV-Landestrainer Lauf und bis heute ihr Coach, ihr Talent für die damals für Frauen noch neue Hindernisstrecke erkannte.

„Das erwies sich für mich schnell als optimal“, sagt Hiller rückblickend, die alle Strecken zwischen 800 und 10 000 Meter in respektablen Zeiten gelaufen und auch im Crosslauf erfolgreich unterwegs ist. Weil sie Ausdauerläufe mag, liebäugelt sie sogar – zum Spaß natürlich – mit einem Marathon. Ein ernsthaftes 10-km-Rennen mag sie sich allerdings nicht so recht vorstellen, da fehlen ihr zur richtigen Fokussierung die Hindernisse „und damit irgendwie die Ablenkung von der Länge der Strecke“.

„Gut aufgehoben“

Die Zufriedenheit mit der jüngsten sportlichen Entwicklung ist bei ihr spürbar, auch mit der beim LAC Quelle. In Fürth, wohin sie wegen der besseren sportlichen Perspektiven in einer entwicklungsfähigen Gruppe von Mittelstrecklerinnen gewechselt war, fühlt sie sich „definitiv gut aufgehoben“. Sie steht hinter der neuen LAC-Strategie, sich vorrangig auf den Nachwuchs, auf die Förderung von Talenten zu konzentrieren. „Das macht den Verein keinesfalls unsympathischer“, lautet ihr Lob, verbunden mit der Hoffnung, „dass er sich weiterhin bewährt und seinen guten Namen behält“.

Übrigens: Richtig außer Atem ist Julia Hiller bei diesen Aussagen nicht geraten, in 70 Gesprächsminuten hat sie 17 Kilometer zurückgelegt, ganz ohne Hindernisse – und lediglich mit einem Frage- und Antwortspiel als Ablenkung. 

WIELAND PETER

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