Dienstag, 11.12.2018

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Mobilfunkstrahlen überziehen Kitas

Bund Naturschutz meldet Bedenken an — Stadt kann Alternativen anbieten - 03.09.2016 21:00 Uhr

Mit einem speziellen Messgerät ermittelt die BN-Strahlenschutzexpertin Helga Krause die Stärke der Mobilfunkstrahlung an der Kinderkrippe in der Grillparzerstraße. © Foto: Ralf Rödel


Nach neunjährigem Dornröschenschlaf war die Gesprächsrunde erst im Mai 2015 wieder zusammengetreten. Zuletzt tagte das Gremium heuer am 20. Juni. Frustriert vom schwachen Interesse an dieser Einrichtung des Konfliktmanagements ist die Mobilfunkbeauftragte des Bundes Naturschutz (BN) in Fürth dennoch nicht. Helga Krause hat ein dickes Fell und ist den Kampf gegen Windmühlen noch aus ihrer Aktivistinnenzeit von „Mütter gegen Atomkraft“ gewohnt. Dass Mobilfunkbetreiber allen Warnungen zum Trotz weiterhin Strahlenquellen sogar direkt neben Schulen und Kitas platzieren, um eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten, macht sie wütend.

Ein Beispiel von vielen sind die Mobilfunkantennen in der Grillparzerstraße – nur 15 Meter entfernt von einer Kinderkrippe mit Freispielfläche. Die von Krause gemessene Strahlenstärke liegt nur 15 Prozent unter dem vom BN als viel zu hoch eingestuften deutschen Grenzwert. Aber 80 Prozent über dem Schweizer Grenzwert.

„Nicht einmal auf die Kinderklinik wird Rücksicht genommen“, klagt die Strahlenschutzexpertin. Weil das Schwesternwohnheim des Klinikums mit seinem Funkantennenwald auf dem Dach abgerissen werden soll, sei geplant, die Mobilfunkeinrichtungen auf Dächer in der Friedrich-Ebert-Straße bei der Kinderklinik zu versetzen. Und obwohl sich der Abriss verzögere, seien bereits einige Antennen an die Feldstraße verlagert worden. Im Nahbereich liegt hier ein Kindergarten mit Krippe. Den Betreiber hat Helga Krause schriftlich auf die Gefahren aufmerksam gemacht. Doch es kam bislang keine Reaktion.

Die „Leitlinien zum Runden Tisch Mobilfunk“ sehen eine differenzierte Beteiligung der Stadt bei der Standortwahl von Antennen vor. In seiner letzten Sitzung hat sich der Runde Tisch dafür ausgesprochen, das Beteiligungsverfahren gemäß den Fürther Leitlinien beizubehalten. In Abkehr von der bislang eher zurückhaltenden Praxis der Stadt Fürth haben die politischen Vertreter den Wunsch geäußert, städtische Grundstücke oder Immobilien – sofern verfügbar – bei Bedarf auch aktiv für die Errichtung von Mobilfunksendeanlagen anzubieten.

Dass die allgemeine Euphorie für Funkmedien alle Bedenken in den Schatten stellt — selbst als Babyspielzeug gibt es schon Smartphone-Attrappen –, kann die BN-Frau nicht entmutigen, den Finger in die Wunde zu legen. „Ich habe in den 16 Jahren meines Einsatzes gegen die Strahlung viel dazugelernt“, sagt Krause und hat dabei vor allem die Macht der Konzerne im Blick.

Ein Thema, dem sich die Fürtherin auch bei den „Stadtverführungen“ widmen wird. Am 24. September bricht Helga Krause um 13 Uhr vor dem Gasthaus Schwarzes Kreuz am Königsplatz zu ihrem Rundgang mit dem Titel „Tragbare Macht mit Nebenwirkungen“ auf. Beim Streifzug durch die Stadt mit dem Strahlendetektor erläutert die Fachfrau Risiken und Nebenwirkungen von Funkanwendungen. Am Sonntag, 25. September, kann man sich mit Helga Krause in Nürnberg auf die Strahlensuche machen. Start ist dann um 14.30 Uhr am Jakobsmarkt. 

Volker Dittmar

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