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Modellbahnfreunden droht das Abstellgleis

Puschendorfer Hierl und sein Verein suchen für ihr Hobby dringend ein neues Heim - 28.11.2017 21:00 Uhr

Helmut Hierl (im kleinen Bild) sorgt sich als Vorstand der Modellbahnfreunde sehr um seinen Verein und um deren akribische Nachbauten von Landschaften, die auf jeder Ausstellung Besucher anlocken. © Fotos: privat


Helmut Hierl, Vorstand der Modellbahnfreunde, hält sich gerade im Keller auf, als der Anruf kommt. – natürlich an der Spielzeugeisenbahn. Ein Wort, mit dem man den Puschendorfer, wie jeden anderen Modelleisenbahnfreund übrigens auch, beleidigen kann. Denn hier wird streng nach Maßstab 1:87 gearbeitet oder "H0" (Spur Halb Null). Die geheimnisvolle Größenbezeichnung stammt noch aus der Pionierzeit der Bahn: Die ersten Schienen hatten Inch-Maße.

Doch diese Petitessen beschäftigen Helmut Hierl im Augenblick weniger. Er befindet sich in einer Notsituation. Den Fränkischen Modellbahnfreunden steht eine so saftige Mieterhöhung ins Haus, dass sie ihr Domizil in der Bogenstraße 3, ein altes Kaufhaus in Wendelstein, im Dezember verlassen werden. Die Ausstellung ist dort ihre letzte Amtshandlung. Der Mietpreis in Wendelstein steigt um 80 Euro, zusätzlich dürften sich die Heizkosten in dem Raum ohne Isolierglas erhöhen, befürchtet Helmut Hierl.

Die Modellbahner suchen eine Bleibe, die etwa 150 Quadratmeter groß ist, in der sie die Bahnen zeigen, "in der Seminare und Kurse stattfinden können und wo man basteln und tüfteln kann", so umschreibt Helmut Hierl sein Traumvereinsheim.

Viele Bahnen werden zu einer

Zwar hat jedes der Vereinsmitglieder eine eigene Bahn, aber diese sind so konstruiert, dass sie zusammengesteckt ein großes Ganzes ergeben, das viel Publikum in die Ausstellungen lockt. Damit der Zusammenbau reibungslos funktioniert, treffen sich die Modellbahner meistens am Donnerstag und fangen mit dem Aufbau der Anlage an, am Freitag sind Testläufe, und am Samstag und Sonntag bevölkern dann Besucher das Ausstellungsgelände.

Wer nun meint, mit einer Turnhalle sei hier geholfen, irrt. Denn die sind oft nur in Sportschuhen zu betreten. "Wir können den Leuten doch nicht sagen, dass sie Hausschuhe mitbringen sollen", meint Helmut Hierl. Außerdem spielt die Zeit nicht nur der Vorarbeiten wegen eine wichtige Rolle. Modellbahner sind Bastler mit Ausdauer: Es dauert eine Weile, bis die Züge fahren. Eine Ausstellung, die an einem Tag aufgebaut und auch wieder eingepackt werden muss – dieses Szenario schreckt die Tüftler.

Vorstand Hierl, derzeit der "Chef" von 19 Vereinsmitgliedern im Alter zwischen 22 und 73 Jahren, könnte sich einen leerstehenden Laden gut vorstellen Der wäre beheizbar und man könnte wieder Kurse geben. Für kleine Bahnfreunde zum Beispiel, so umschreibt Hierl die Jugend- und Nachwuchsarbeit, die die Modellbahner leisten.

"Wer als Kind Interesse an der Modellbahn hat, weiß bald, was er mal werden möchte", ist Helmut Hierl überzeugt. Wenn einer lieber am Rangierbahnhof herumbastelt oder doch mehr Freude an der Landschaft drum herum zeigt, dann sei das meist ein deutlicher Hinweis auf berufliche Ambitionen. Wo das künftige Zuhause angesiedelt ist, erscheint den Modelleisenbahnern noch zweitrangig. "Irgendwo zwischen Erlangen und Nürnberg wäre schön", so Hierl, dessen Anliegen im Augenblick mehr darauf zielt, mit seinen Mitgliedern nicht aufs Abstellgleis zu fahren. 

Ursula Persak

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