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Mondnacht und Zornestag

Oberasbach: Capella Vocalis verblüffte mit Weiss-Requiem - 25.03.2015 18:04 Uhr

Für Traditionalisten war es ein Schock: Mit dem achtstimmigen Chorsatz „Als vil in gote, als vil in vride“ des 1962 geborenen Wolfram Buchenberg eröffneten Bernhard Joerg und seine Capella Vocalis den Abend. Die Stimmen ein wogender, von grellen Dissonanzen durchwirkter Klangteppich, irrwitzige dynamische Spannungen, sphärenhaftes Pianissimo: Joerg, der den Chor seit 1987 leitet, hatte seine Sängerschar auf diese Herausforderung optimal vorbereitet – ein Klangerlebnis der besonderen Art.

Die Wechseldusche folgte auf dem Fuß: zwei Chorsätze von Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach und das Concerto grosso Nr. 8 von Arcangelo Corelli, gespielt vom Kammerorchester KlangLust.

In seinem „Requiem“ greift der 1949 geborene Dirigent und Komponist Harald Weiss auf den lateinischen liturgischen Text der Totenmesse sowie auf lyrische Texte aus der Romantik und dem 20. Jahrhundert zurück. Auch die Besetzung ist außergewöhnlich: Den gemischten Chor und die beiden Vokalsolisten begleiten ein Kammerorchester und ein Schlagzeugensemble, hinzu kommt ein Solo-Flügelhorn, das durchgehend mit Dämpfer gespielt wird.

Im Hymnus „Veni, sancte spiritus“, deutlich hörbar von Orff inspiriert, beherrschen Pauken und Glockenklänge die Szenerie, stete Taktwechsel meistert der Chor rhythmisch exakt. Ein furioser Orchestersatz leitet vom „Lacrimosa“ direkt ins „Rex tremendae“ über, steigert sich zu einem gewaltigen Fortissimo. Krasse Gegensätze zwischen vom Schlagwerk geprägter Dramatik und einfühlsamen ruhigen Passagen im „Mors stupebit et natura“, fast romantische Chorklänge in Eichendorffs „Mondnacht“, pure Expressivität im „Dies irae“: An alle Interpreten stellt dieses Requiem höchste Anforderungen.

Cornelia Götz, weltweit gefeierte Koloratursopranistin, meistert die extremen Passagen in exzellenter Manier, während dem Tenor Emanoel Christian Velozo nur ein kleinerer Part beschieden ist. Das Schlagzeugensemble von Pauls Andersons fesselt mit rhythmischem Drive. Überlegen, stilsicher, gestaltungsmächtig formt Joerg aus allem eine Einheit. Stehende Ovationen für ein herausragendes Konzert. 

GÜNTER GREB

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