Mittwoch, 12.12.2018

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Nach Busunglück: Die vielen Helfer leisteten Großartiges

Um die Einsatzkräfte zu unterstützen, brachten sich viele Menschen spontan ein - 17.11.2018 06:00 Uhr

Die Einsatzkräfte mussten auf der Staatsstraße bei Ammerndorf 28 Verletzte versorgen, darunter ein Dutzend Schwerverletzte. Auch die Eltern und Angehörigen brauchten Zuspruch. © Foto: News5/Schmelzer


Es ist nur ein paar Monate her, da mussten die Mitarbeiter der Straßenmeisterei einen Erste-Hilfe-Kurs durchlaufen. Das Rote Kreuz kam dafür nach Ammerndorf, Komparsen spielten blutverschmierte Opfer, die teils unter Schock standen.

Am Donnerstag wurde dieses Szenerio auf erschreckende Weise real. Die Straßenmeisterei steht nur 150 Meter weit vom Unfallort entfernt. Die Mitarbeiter dort hörten den gewaltigen Schlag, den der Aufprall der beiden Busse verursachte, sie sahen Dampf aufsteigen – und alarmierten die Einsatzzentrale. Neun von ihnen eilten zur Unglücksstelle, gemeinsam mit einigen Autofahrern versorgten sie als erste die Verletzten, spendeten Trost und sammelten Unfallopfer ein, die unter Schock über die angrenzenden Felder liefen.

Heißer Kaffee, warme Worte

"Viele meiner Leute haben in der Nacht kaum geschlafen", erzählt Norbert Weber, Leiter der Straßenmeisterei, am Tag danach. Am Morgen trafen sie sich zu einer Gesprächsrunde, um das Erlebte gemeinsam zu verarbeiten. Die Mitarbeiter der Behörde halfen nicht nur an der Unglücksstelle, sondern funktionierten ihre Hallen kurzerhand zur Anlaufstelle für Eltern und Angehörige um. "Die Polizei konnte sie ja nicht alle an den Unfallort lassen", sagt Weber.

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Schwerer Verkehrsunfall mit zwei Bussen im Landkreis Fürth

Am Donnerstagnachmittag kam es in Ammerndorf im Landkreis Fürth zu einem schweren Verkehrsunfall, bei dem zwei Busse frontal kollidierten. Etwa 30 Personen wurden verletzt, ungefähr zwölf davon schwer. Die Verbindungsstraße 2245 zwischen Ammerndorf und Weinzierlein musste komplett gesperrt werden.


In der Straßenmeisterei gab es auf Bierbänken heißen Kaffee und warme Worte. Weber sah Tränen fließen. Manche Eltern weinten vor Glück, als ihr Kind unversehrt zur Sammelstelle gebracht wurde, andere weinten, weil ihr Junge oder Mädchen in eine Klinik gebracht werden musste.

Bleiche Gesichter

Dass seine Leute fast zwei Stunden lang nicht zurückkehrten, wunderte ihn zunächst, schließlich befand sich längst ein Großaufgebot von Rettungskräften im Einsatz. Später wurde ihm berichtet, dass einige der Verletzten die Hand ihres Ersthelfers erst loslassen wollten, als sie abtransportiert wurden. "Sie kamen dann irgendwann wieder, die Hosen rot von Blut, die Gesichter bleich", erzählt Weber. Sie sei völlig fertig, habe ihm eine Mitarbeiterin gesagt, aber dankbar, dass sie helfen durfte.

Die Frauen und Männer der Straßenmeisterei sind nicht die einzigen Helden des Nachmittags. Die Ammerndorfer Arztpraxis Goß/Wolfschaffner schickte spontan einen Teil ihres Teams zur Unfallstelle. Ein Oberarzt aus Ansbach, zufällig im Auto unterwegs, hielt an, um zu helfen. Noch am Abend, sagt Weber, kamen Ammerndorfer in die Straßenmeisterei, um zu fragen, ob sie sich nicht irgendwie einbringen könnten.

Der größte Teil der Last ruhte aber auf den Schultern der vielen Dutzend Sanitäter, Ärzte, Polizisten und Feuerwehrleute, von denen zuvor ebenfalls die Allerwenigsten einen Unfall dieser Größenordnung erlebt haben dürften. "Die haben alle einen Top-Job gemacht", schwärmt Ammerndorfs Bürgermeister Alexander Fritz. Auch das BRK Fürth, das mit Axel Rupprich und René Rosenzweig die Einsatzleitung stellte, zeigte sich zufrieden mit dem Ablauf des Großeinsatzes. "Ich bin heilfroh", sagt Rupprich, "dass von den Schwerverletzten niemand an Ort und Stelle oder beim Transport verstorben ist." Ob einzelne Unfallopfer immer noch in Lebensgefahr schweben, war am Freitag nicht zu erfahren. 

Johannes Alles Fürther Nachrichten E-Mail

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