Mittwoch, 14.11.2018

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Nach Einsatz in Thailand: Zirndorfer Taucher geehrt

Landrat danke Nick Vollmar für seine Hilfe beim Höhlendrama - 25.07.2018 16:48 Uhr

Als Vollmar seinem Chef sagte, dass er gerne nach Südostasien fliegen würde, um zu helfen, sei das gar kein Thema gewesen. Im Gegenteil. "Er hat mir seinen Autoschlüssel gegeben, damit ich gleich zum Flughafen fahren konnte." © Roland Beck/dpa


Es ist eine ganz bescheidende Zeile, die Nick Vollmar im Gästebuch im Landratsamt hinterlässt: "Stellvertretend für alle Helfer: Danke für die Unterstützung", schreibt er. Dabei wäre es einfach für ihn, sich als Held feiern zu lassen – genügend Medien wären immerhin schon vor Ort gewesen. Doch der 41-Jährige lässt sich nicht beeindrucken von Fernseh- und Fotokameras oder Mikrofonen.

Geduldig und auf eine überaus ruhige Art erzählt er von seinem Einsatz im Norden Thailands und lässt dabei immer wieder durchblicken, dass er nur ein Rädchen im Getriebe der großen Rettungsmaschinerie war. So erinnert er auch an den bei der Aktion ums Leben gekommenen Taucher und an den Trainer der Jungs. Dieser habe Übermenschliches geleistet, weil er ihnen die ganze Zeit über Hoffnung gab.

Darüber hinaus findet er warme Worte für sein Umfeld. Etwa seinen Arbeitgeber, ein Nürnberger IT-Unternehmen. Als Vollmar seinem Chef sagte, dass er gerne nach Südostasien fliegen würde, um zu helfen, sei das gar kein Thema gewesen. Im Gegenteil. "Er hat mir seinen Autoschlüssel gegeben, damit ich gleich zum Flughafen fahren konnte."

Zehn Jahre Taucherfahrung

Dass seine Hilfe nötig sein könnte, davon hat Vollmar, der die dramatische Geschichte um die eingeschlossenen Jungs verfolgt hatte, über Facebook erfahren. In den sozialen Netzwerken suchten die Retter bestimmtes Material, das er tatsächlich hatte. Denn: Vollmar taucht seit über zehn Jahren. Er genieße die Stille unter Wasser, erzählt er. Weil sein Interesse schon immer Höhlen gegolten hat, erkundet er auch diese gern. Glücklicherweise war er deshalb im Besitz des Equipments, das benötigt wurde.

Dabei handelte sich um Spezial-Sauerstoffgeräte, die einen geschlossenen Kreislauf haben, so dass die verbrauchte Atemluft keine Blasen im Wasser macht, die die eingeschränkte Sicht zusätzlich trüben. Ein weiterer Vorteil der Geräte: Sie lassen sich seitlich am Körper tragen, was bei den teilweise extrem engen Passagen notwendig war. Als klar war, dass seine Ausrüstung passen würde, klärte er mit seinen Söhnen, zwölf und 16 Jahre alt, ob sie mit der Reise einverstanden seien — und stieg ins Flugzeug. Erst nach seiner Landung stand fest, dass die Jugendlichen mittlerweile entdeckt wurden. Vier Kilometer entfernt vom Eingang der teils überfluteten Höhle.

"Sehr qualifizierte Truppe"

Vor Ort arbeitete Vollmar in einem Team mit weiteren vier Männern zusammen. "Das war eine sehr qualifizierte Truppe", erzählt er. Schnell sei klar gewesen, dass die Arbeit gut klappen würde. Gemeinsam bündelten sie die in der Höhle verlegten Kabel und Schläuche, damit sich darin keiner verfangen konnte. Imponiert hat ihm das Zusammenspiel sämtlicher Retter. "Es war die Kombination aller Kräfte, die zu dem tollen Ergebnis geführt hat."

Nach vier Tagen ist der Einsatz für ihn vorbei. Eine Erkältung mit Fieber setzt ihn außer Gefecht; er fliegt heim, nur seine Ausrüstung ist noch im Einsatz. "Als Schaulustiger wollte ich nicht zurückbleiben", sagt Vollmar, der erst daheim vom glücklichen Ausgang der Rettungsaktion erfuhr.

Auch dort könnte künftig sein Wissen als Höhlentaucher gebraucht werden. Landrat Dießl zumindest versprach, Gespräche mit dem hiesigen Katastrophenschutz zu führen, inwieweit Vollmars Erfahrungen hilfreich sein könnten. 

Gwendolyn Kuhn E-Mail

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