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Nächster Streitfall mit dem Denkmalschutz

Im Fürther Rathaus ist man entsetzt, weil das Landesamt das „Woolworth-Gebäude“ schützen will - 04.07.2013 11:00 Uhr

Hässlicher Klotz oder wertvolles Beispiel für Nachkriegsarchitektur? Die Eigentümer haben vor, das Gebäude umzubauen. Das Landesamt für Denkmalpflege will es unter Schutz stellen. © Hans-Joachim Winckler


Jeder Fürther kennt es: das große Gebäude mit dem roten Woolworth-Schriftzug, das dem südlichen Eingang zur Fußgängerzone seinen Stempel aufdrückt. Ganz taufrisch sieht es nicht mehr aus. Im Rathaus ist man sogar der Meinung, dass es „die städtebauliche Qualität der Schwabacher Straße in diesem Bereich erheblich beeinträchtigt“, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Umso erfreuter war man, als der Eigentümer, die niederländische Investorengruppe Promontoria Holding, andeutete, den Komplex umbauen und erneuern zu wollen. Allerdings hat sich inzwischen herausgestellt, dass das Landesamt für Denkmalpflege ein Auge auf das Gebäude geworfen hat und es aufgrund seiner Vorzüge in die offizielle Denkmalliste eintragen möchte.

Für Oberbürgermeister Thomas Jung und Stadtbaurat Joachim Krauße ist das „nicht nachvollziehbar“. Sie fürchten, dass dieser Schritt den Umbau erschweren oder sogar unmöglich machen könnte. „Weder die Stadtratsmehrheit noch die überwiegende Mehrheit der Bürgerschaft“, da sind sie sich sicher, könnten „Verständnis für diese städtebaulich bedenkliche Haltung des Landesamts aufbringen“. Nach ihren Worten ist eine „architektonische Weiterentwicklung“ des Gebäudes aus den 1950er Jahren dringend notwendig.

Auch Wirtschaftsreferent Horst Müller steht den Plänen des Investors, der das Objekt im Zuge der Woolworth-Insolvenz 2010 gekauft hat, aufgeschlossen gegenüber und teilt die Bedenken in puncto Denkmalschutz. Ihm zufolge verfügt das Warenhaus über rund 4000 Quadratmeter Verkaufsfläche im Unter-, Erd- und Obergeschoss. Nicht einmal die Hälfte davon werde gegenwärtig – verteilt auf Unter- und Erdgeschoss – genutzt. Nach dem geplanten Umbau, so Müller, sollte Woolworth etwas weniger Fläche in Beschlag nehmen, dafür könnten noch einige weitere Läden einziehen. Da der Wirtschaftsreferent davon ausgeht, dass sich mit der Neuen Mitte die Passantenströme in die Rudolf-Breitscheid-Straße verlagern werden, sei es wichtig, auch „diesen anderen Ast der Fußgängerzone“ aufzuwerten.



Das Landesamt für Denkmalpflege, das erfuhren die FN auf Anfrage, schreibt dem Woolworth-Gebäude gleich in mehrfacher Hinsicht Denkmaleigenschaften zu: Zum einen stehe der Bau „der Firma Bilka stellvertretend für die Kaufhausarchitektur der Nachkriegszeit“. Zum anderen sei das Werk des renommierten Architekten Hans Paul Schmohl, der sich auch mit den Plänen für das Stuttgarter Rathaus einen Namen gemacht hatte, ein „seltenes Beispiel eines Übergangsbaus, der die Entwicklung weg vom Stahlbeton hin zur Vorhangfassadenästhetik dokumentiert“. Zudem habe es wegen der markanten Lage „städtebauliche Bedeutung“.

Noch stehe das Gebäude nicht auf der Denkmalliste, heißt es. Aktuell habe die Stadt Fürth Gelegenheit, Stellung zu nehmen, dabei würden aber nur „fachlich begründete Hinweise“ berücksichtigt. Die Umbauwünsche eines Investoren dürften nicht dazu zählen.

Stadtheimatpfleger Alexander Mayer zeigte sich gegenüber den FN „selber überrascht“ von den Absichten des Landesamts, die er aber keinesfalls für „völlig absurd“ hält. Auch das Autohaus Pillenstein an der Stadtgrenze stehe unter Denkmalschutz, und Woolworth sei eben auch „so ein zeittypisches Gebäude“. Wird er dem Wunsch der Stadt nachkommen und der Denkmalschutzbehörde den „Woolworth“ wieder ausreden?

„Ich verstehe die Bedenken der Stadt nicht“, sagt Mayer und stichelt: „Wie man beim Festsaal des Park-Hotels sieht, setzt sich das Rathaus im Bedarfsfall doch ohnehin über die Belange des Denkmalschutzes hinweg. “

 

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Johannes Alles

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