Montag, 19.11.2018

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Nisha: Cadolzburger Musical geht erneut ein Wagnis ein

Die Burgfestspiele greifen einen schweren Stoff auf - Premiere am Donnerstag - 19.06.2018 16:00 Uhr

Proben mit Jan Burdinski (links sitzend): Der Regisseur wünscht sich, dass seine Inszenierung die Zuschauer berührt und sie bei dem nicht leichten Stoff mitgehen. © Foto: Thomas Scherer


"Das hier ist ein Abenteuer." Glaubt man Fritz Stiegler gern. Schließlich kennt sich der Autor und Landwirt aus Gonnersdorf in diesem Metier aus. Spätestens seit er vor einigen Jahren zum ersten Mal mit der Idee herausrückte, ein Musical auf die Beine stellen zu wollen, kommentieren viele seine Ideen regelmäßig mit: "Das kann doch gar nicht funktionieren." Tut es aber doch. Und wie.

Jetzt also "Nisha", die fünfte Produktion einer Crew, die es längst allen Zweiflern gezeigt hat: Komponist Matthias Lange schuf wieder die Musik, die sämtliche Emotionen auf direktem Weg zu den Zuschauern befördert. Regisseur Jan Burdinski setzt Stieglers Buch in Szene, und Choreografin Kathleen Bengs erarbeitet die Tanzszenen. Die Nürnberger Symphoniker unter Christian Hutter haben "Nisha" bereits eingespielt. Herzstück auch der neuen Produktion sind natürlich die rund 130 Mitwirkenden zwischen acht und 80, von denen gut 80 auf der Freilichtbühne vor der Cadolzburg auftreten .

"Nisha" ist ein Musical – . Im Mittelpunkt steht ein Mädchen, das fern von Bildungschancen aufwächst. Sie will lesen, will Zugang zu Informationen haben. Stiegler konfrontiert sein Publikum mit Ungleichheit, Organhandel, Ausbeutung, Frauenrechten. Und wieder, sagt der Autor, kam von vielen die Frage: "Wie soll das denn gehen?"

Regisseur Jan Burdinski erinnert sich gut an seinen ersten Eindruck vom neuen Stück und lacht: "Na ja, ich dachte am Anfang, Fritz will jetzt mal die ganze Welt retten." Nach intensiven Gesprächen ("Unsere Telefone sind heiß gelaufen") war er im Boot und seither arbeitet Burdinski intensiv daran, dass "wir das dramaturgisch richtig hinbekommen, damit die Zuschauer berührt werden und mitgehen".

Kein leichter Job. Doch das Team schöpft aus Erfahrung: "Als es beim Vorgänger-Musical ,Mademoiselle Marie’ hieß, wir sprechen auch das grausame NS-Massaker in Oradour an, hatten viele Zweifel, ob das nicht den Rahmen sprengt." Nach der "Marie"-Premiere im Juni 2015 war klar: Die Burgfestspiele hatten den richtigen Ton getroffen. Auch Robert Hebras, Überlebender des unfassbaren Verbrechens, bestätigte diese Empfindung.

"Stellung beziehen"

Für Burdinski gibt es keinen Zweifel, dass die Probleme, die die Welt bewegen, auf die Bühne gehören: "Ein Rückzug in eine neue Art von Biedermeier wäre gefährlich. Wir müssen Stellung beziehen." Selbstverständlich, sagt der erfahrene Theatermann, der auch Intendant des Fränkischen Theatersommers ist, habe man "nicht die Wahrheit gepachtet". Doch es komme zuerst einmal darauf an zu wissen, "was los ist und nicht einfach die Augen zu verschließen".

Der Stoff, macht Fritz Stiegler klar, soll trotzdem nicht als schwere Packung daher kommen: "Die Leut’ werden überrascht sein, das Stück ist komplett anders, als man das erwarten könnte." Dafür steht nicht zuletzt auch die Musik von Matthias Lange, die Gefühl und Leidenschaft ins Spiel bringt. Der Komponist verspricht einen spannenden Kontrast zwischen Weltmusik und Rock-Pop: "Es gibt zum Beispiel Elemente aus der arabischen oder der lateinamerikanischen Welt." So erklingt mitreißende Salsa, genauso wie Rap.

Aus dem großen Trupp der vielen Mitwirkenden hat Martin Würflein den Part als Rapper übernommen. Ist er nervös vor seinem Live-Einsatz? Der 28-Jährige schüttelt den Kopf: "Im Moment geht’s, aber vor der Vorstellung ist Lampenfieber einfach wichtig, damit es gut wird." In der Titelpartie werden sich Romina Satiro und Lea Weber abwechseln, Laura Maria Wesolowski und Sina Vogt alternieren als weibliches Pendant zu "Nisha" in der westlichen Welt.

Verrät Fritz Stiegler denn schon vor der Premiere am 21. Juni, wie das neue Musical funktioniert? "Wir nehmen eine andere Perspektive ein, eine unerwartete Sichtweise", sagt der Autor. "Das Stück wird locker daher kommen. Es gibt keine Moralpredigt, keinen erhobenen Zeigefinger." Kein "gut" oder "böse" werde angeprangert: "Vielmehr wollen wir nach einem gemeinsamen Weg suchen."

Tickets sind gefragt: Zu kaufen gibt es sie bei allen NN-Geschäftsstellen, in Fürth in der Schwabacher Straße 106. Zeitungsabonnenten erhalten mit der ZAC-Karte einen Preisnachlass. Alle Details unter www.cadolzburger-burgfestspiele.de 

Sabine Rempe

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