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Mehr Zeit, mehr Bewegung: Aktivstall in Gonnersdorf eröffnet neue Perspektiven - 17.09.2017 13:00 Uhr

Heike und Thomas Öchsner vor der Heustation, dem Herzstück ihres Aktivstalls. Beliebig oft kann ein Pferd hier naschen. © Foto: Fiedler


Das Wetter ist in diesem September gnädig. Noch haben die Herbstregen die Sandkoppeln nicht in knöcheltiefen Matsch verwandelt. Heike und Thomas Öchsner werfen einen Blick auf das rund 3000 Quadratmeter große Areal. Auf ihm soll bis zum Winter ihr Aktivstall entstanden sein.

"Es war eine schwere Entscheidung für uns", sagen die Öchsners und setzen nach: "Und auch für die Pferde." Wenn Thomas Öchsner seinem Beruf als Mechanik-Konstrukteur nachgeht, bearbeitet Ehefrau Heike den kleinen Hof im Nebenerwerb. Ihre Hauptarbeit: Füttern, misten und die Pflege des Auslaufes. "Gerade im Winter habe ich das Gefühl, den ganzen Tag nur mit Stallarbeit beschäftigt zu sein", sagt die 47-Jährige.

Herzstück eines Aktivstalles sind die Futterstationen für Heu und Kraftfutter. Beliebig oft kann ein Pferd diese betreten. Es trägt einen sogenannten Responder am Hals. Der ist mit Daten gespeichert. Eine Antenne stellt den Kontakt her und meldet dem elektronischen System, wie viel dem Pferd zusteht und wie viel es schon gefressen hat. Entsprechend sind die zugeteilten Rationen und Fressphasen an der Heuraufe.

Gelaufene Kilometer

Heike und Thomas Öchsner werden also in Zukunft nicht mehr zu den festen Zeiten in den Stall stiefeln müssen. "Das nimmt uns die Elektronik ab", hofft Heike Öchsner. Was das Betriebssystem und eine mögliche Anfälligkeit angeht, gibt sie sich entspannt: "Mein Mann kann das". Der Aktivstall entlastet aber nicht nur die Betreiber. Die Futter- und Wasserstationen, die Ruheplätze und Liegeflächen sind so angelegt, dass das Pferd dazwischen immer wieder in Bewegung ist. Die Hersteller versprechen, je nach Anlage, 10 bis 16 zurückgelegte Kilometer am Tag. Das Herden- und Lauftier Pferd sei damit am besten aufgehoben. Jette Schmidt, die Nachbarin der Öchsners, war eine der ersten, die einen Aktivstall anlegte. Fast neun Jahre ist er alt und ist Heimat für acht tiefenentspannte Pferde. "Ich möchte den Aktivstall nicht mehr missen", betont sie. Dennoch gibt sie zu bedenken, dass für manches Tier die Umstellung nicht problemlos verläuft. Vor allem neue Herdenmitglieder brauchen eine Eingewöhnungsphase, die Wochen dauern kann. "Ich musste allerdings auch Pferde wieder abgeben. Sie konnten sich in das System und in den Herdenverband nicht einfinden."

Die Mitglieder der Öchsnerschen Herde kennen sich gut. Zwei neue werden noch erwartet. Bis dahin gibt es viel zu tun. Die Futterstationen stehen schon, aber der Boden muss noch präpariert werden. Auf den Hauptbewegungsachsen, werden noch 700 Quadratmeter Spezialmatten verlegt.

Die Liegeflächen bekommen besonders weiche Beläge. Und ein gut eingestreutes Areal soll den Pferden als Toilette dienen. Thomas Öchsner ist noch ein wenig skeptisch, ob das wirklich funktionieren wird. Dass die Pferde das stille Örtchen wirklich annehmen, sei wahrscheinlich die größte Herausforderung.

Weniger Arbeit für die Stallbetreiber, ein Leben in Bewegung im Freien: Vor allem Pferdebesitzer mit kleinem Zeitkonto oder nicht mehr voll belastbaren Tieren sind dem Aktivstall zugetan. Thomas Öchsner sieht für sich und seine Familie darüber hinaus im Aktivstall die einzige Möglichkeit, den Nebenerwerbsbetrieb auch noch in Zukunft betreiben zu können. "Er bleibt als bewirtschaftete Hofstelle im Dorf". Die Aussage ist dem Gonnersdorfer wichtig. Diese gehörige Portion Idealismus und Traditionsbewusstsein hat ihren Preis. "Für unseren Aktivstall hätten wir auch ein sehr schönes Auto bekommen", sagt Heike Öchsner, "aber keinen lebendigen Hof und kein Mehr an Zeit." 

PETRA FIEDLER

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