Mittwoch, 14.11.2018

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Rathaus-Glocken finden Anklang

Test erfolgreich bestanden - Jalousie der Glockenstube dämpft Geräuschpegel - 20.06.2007

Zur Hörprobe bereitet Hermann Diewitz vom Fränkischen Turmuhrenmuseum in der Glockenstube des Fürther Rathausturmes die größte und die kleinste Glocke des Glockenspiels zum Testlauf vor. © Hans-Joachim Winckler


«Test bestanden» lautete das Urteil nach einer Hörprobe am vergangenen Freitag. Zur prominenten Jury gehörten OB Thomas Jung, Baureferent Joachim Krauße, der Technische Leiter der städtischen Gebäudewirtschaft, Ralf Röder, und Stadtheimatpfleger Alexander Mayer. Zur verkehrsreichen Mittagsstunde lauschten sie sowohl im Rathaushof als auch vor dem Gebäude in der Brandenburger Straße dem Klang zweier Glocken.

Zur Hörprobe nach Fürth gebracht waren die kleinste und die größte Glocke jenes 24-teiligen Spielwerks, auf das der Stadtheimatpfleger im Fränkischen Turmuhrenmuseum auf der Kulmbacher Plassenburg bei der Suche nach den dorthin ausgelagerten alten Fürther Porzellanglocken gestoßen ist. Obwohl die massiven Jalousien der Glockenstube des Fürther Rathausturmes nach dem Urteil des Turmuhrenmachermeisters Karl-Ludwig Dittmar etwa 60 Prozent des Klangs zurückhalten und den Rest durch ihre starke Schrägstellung auf das Rathausdach statt in die Umgebung ableiten, konnte man die Töne unten auf der Straße trotz des Verkehrslärms noch deutlich wahrnehmen.

Der Vorteil des statischen Glockenspiels: Der Rathausturm wird nicht wie bei den ursprünglich schwingenden Glocken erschüttert. Statische Probleme hatten bereits um 1900 zur Einstellung des regelmäßigen Geläutes geführt. 1950 bemühte sich OB Hans Bornkessel um eine Wiederbelebung. Um den Turm zu schonen, wählte man bei Rosenthal in Selb hergestellte Porzellanglocken, von den Fürthern liebevoll «Bornkesseli» genannt. Allerdings musste deren zarter Klang elektronisch verstärkt werden. Als Sprünge im Porzellan auftraten, war es mit der Harmonie dahin.

Beliebige Melodien

Die Restaurierung der Porzellanglocken würde mehr kosten als das 1988 als Schaustück für das Turmuhrenmuseum gefertigte Glockenspiel. Seit das Museum sein Quartier in der Zeckenmühle bei Mistelbach verlassen musste, ist das davor postierte Glockenspiel funktionslos. Baugleiche Modelle läuten im pfälzischen Frankenthal bereits am Rathaus und in Cham in der Oberpfalz. Ausgestattet ist das zwei Oktaven umfassende Glockenspiel mit einem automatischen Läutwerk und einem Computer für rund 100 verschiedene Melodien. Über eine Klaviatur können zudem beliebige freie Melodien eingespeichert werden. Möglich wäre es zum Beispiel, nach Trauungen den Hochzeitsmarsch erklingen zu lassen - gegen Geühr als Beitrag zur Finanzierung des Glockenspiels.

Die größte Glocke wiegt 47 Kilogramm und hat in etwa die Größe einer der beiden Glocken, die einst im Turm des «Roten Rosses» schlugen und im ganzen Altstadtviertel zu hören waren. Am Preis soll das Bemühen einer Wiederbelebung des Rathausgeläuts nicht scheitern. Sollte die Stadt nicht zugreifen, hat die evangelische Kirche bereits Interesse angemeldet, weiß Mayer.

Der Fürther Ältestenrat hat sich bereits grundsätzlich für ein Glockenspiel im Rathausturm ausgesprochen. Vor der endgültigen Entscheidung soll nun eine weitere Hörprobe nach Ausbau zweier Jalousien Gewissheit über die Klangleistung bringen. Nach den Vorstellungen von Vertretern der SPD und CSU im Ältestenrat könnte die Rückkehr von Glocken ins Rathaus dem Fürther Jubiläumsjahr eine ganz besondere Note verleihen. 

Volker Dittmar

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