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Freitag, 16.11.2018

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Scharfe Kritik an Kükenschlupftag in Großhabersdorf

Geflügelzüchter wurden wegen vermeintlicher Tierquälerei angezeigt - 05.04.2018 16:55 Uhr

Nur erfahrene Züchter durften die Küken in Großhabersdorf in die Hand nehmen, streicheln durften sie die Kinder aber. © Florian Burghardt


Schon seit ein paar Stunden dringt Tageslicht durch das kleine Loch ins Innere des Hühnereis. Der nasse Federflaum und der Schnabel sind schon gut zu erkennen. Immer weiter kämpft sich das Küken aus der Schale. Gespannt verfolgen Kinder und Erwachsene das Schauspiel. Dann ein letztes, kräftiges Strampeln und die Schale bricht.

Mit verklebtem Gefieder robbt und stolpert das Küken zu seinen Geschwistern, die sich bereits unter der Wärmelampe tummeln. Zwischen 40 und 50 solcher Flaumbällchen erblicken am Kükenschlupftag im Vereinsheim das Licht der Welt. Und so freudig der Moment auch ist: Die Küken schlüpfen in unruhige Zeiten.

Trauma gleich nach der Geburt

Manche Tierschützer, etwa von Peta, kritisieren die Schlupfaktionen. Wenn Kinder die Winzlinge in die Hand nehmen, sei das "traumatisch" für die Küken, die ihre Mutter erwarten.

Die Großhabersdorfer Geflügelzüchter haben bereits seit Wochen mit ungeahnten Problemen zu kämpfen und mussten bangen, ob die achte Auflage der Veranstaltung stattfinden kann. Anonym hatte jemand den Verein angezeigt – wegen Tierquälerei. "Wir hatten keine Abdeckungen auf den Käfigen. Die Kinder konnten selbst hineingreifen und die Küken streicheln. Das war dann aus der Sicht von irgendjemandem Tierquälerei", erklärt der Vorsitzende des Vereins, Nikolaus Roth (79).

Mehrere Auflagen

Diesmal lagen daher Gitter über den Käfigen. Außerdem machte die Veterinärabteilung des Fürther Landratsamts ein paar weitere Auflagen: So durften die Küken nur von erfahrenen Vereinsmitgliedern herausgenommen werden. Diese hatten auf das Wohl der Tiere zu achten: Die Küken durften nicht frieren, andere durch das Herausnehmen beim Schlupfvorgang nicht gestört werden. Zudem mussten Desinfektionsmittelspender für Hände und Schuhe aufgestellt werden. "Ansonsten blieb aber alles beim Alten", so Roth.

Die Anzeige ärgert den Vorsitzenden. Rund 500 Besucher kommen jedes Jahr zur Veranstaltung. Der Brutrhythmus wird beim taggenauen Schlüpfen nicht verändert. Genau 21 Tage dauert der Vorgang bei Hühnern. In dieser Zeit liegen sie bei 37,8 Grad Celsius in den Brutmaschinen.

"Wir schreddern keine Hähne"

Die Eier für den Kükenschlupftag stammen von den zwölf aktiven Mitgliedern des Geflügelzuchtvereins. Alle Tiere, die sich an diesem Tag durch ihre Schalen picken, kommen im Anschluss in die Gehege ihrer Züchter zurück – auch die männlichen. Horrorszenarien wie aus der Massenzucht gibt es in Großhabersdorf nicht.

"Wir schreddern keine Hähne und machen auch sonst keine grausamen Sachen. Wir brauchen die Tiere für die Ausstellungen im Herbst", erklärt Roth. Erst nach zirka zwei Jahren werden sie geschlachtet.

"Verein ist mein Lebenswerk"

Trotz der aktuell widrigen Umstände überwiegt bei ihm der Stolz auf die Veranstaltung und den Verein an der Hornsegener Straße. Freudig führte er die Besucher durch die Ställe und beantwortete alle Fragen zu den rund 40 vor Ort gezüchteten Arten. "Der Verein ist mein Lebenswerk. Bei jedem Stein und jedem Baum hier habe ich ein Wörtchen mitgeredet", sagt Roth, der seit 60 Jahren Mitglied ist – die meiste Zeit davon als Vorsitzender.

Und noch einen Erfolg kann der Verein verzeichnen: Im Februar hatte, wie berichtet, ebenfalls eine Anzeige das traditionelle Schlachtschüsselessen verhindert. Wie Roth erklärt, könne man die Hygienevorschriften künftig aber erfüllen, da nun ein Metzger das Fleisch verarbeite, und zwar in einem anderen Raum als vorher. Damit ist klar: "Der Schlachtschüssel 2019 steht nichts im Weg." 

Florian Burghardt

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