Dienstag, 12.12. - 15:26 Uhr

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Scotch mit Jubiläumsgeschmack

Ein Vierteljahrhundert und kein bisschen leise: Die Streichhölzer im Stadttheater - 16.12.2008

Sieg über Tschaikowsky in vier Sätzen: Bernd Müller und die Jungen Fürther Streichhölzer gaben beim Jubiläumskonzert alles. © Marianne Vordermayr




Gewissenhaft und ernst waren die ganz Kleinen bei der Sache, als sie sich durch sechs Stücke aus dem Kinderalbum von Tschaikowsky wuselten. Mit Hingabe interpretieren sie das «Morgenlied« und die «Süße Träumerei«, so dass man nicht ganz exakt getroffene Töne gerne verzieh.

Eine «Symphonic Fantasy and Allegro« für Akkordeon und Kammerorchester folgte. Warum ausgerechnet Akkordeon? Wer Ian Watson einmal gehört hat, weiß, warum sich Bernd Müller just für dieses Stück des Dänen Ole Schmidt mit eben jenem Solisten entschieden hat.

Energisch in den schnellen, aufgeregten Passagen und mit unendlicher Zartheit und einem Schmelz, dem man diesem Instrument nie zugetraut hätte, begeisterte Watson sein Publikum. Er flocht weitläufige Bögen mit derselben Energie und Dringlichkeit, die er auch in Triller und atemlose Läufe auslebte.

Die Streichhölzer bereiteten dem Solisten dazu guten Boden, spielten sehr akzentuiert und waren ihm ein harmonischer Partner. Watson zauberte nach viel Applaus noch «Tanti anni prima« von Piazzolla als Zugabe auf die Bühne; sehnsuchtsvoll, tränenreich und mit belegter (Akkordeon-)Stimme füllte Watson das Theater mit viel Gefühl.

Dunkle Farben

Tschaikowskys Symphonie Nr. 5 holte das komplette Symphonieorchester ins Rampenlicht. Mit jugendlicher Frische und dennoch genug Abgeklärtheit nahm sich der Klangkörper dieses enormen Werkes an. Im Kopfsatz gelangen die dunklen, erdigen Klangfarben hervorragend, der enthusiastische Mittelteil profitierte von gut aufgestellten, schwungvollen Streichern, die intensiv und mit schmissigem Pizzicato überzeugten. Auch das Andante cantabile gewann durch die Präsenz der Streicher (hier sind vor allem die Celli mit sattem Klang zu nennen), die die schwächelnden Bläser auffingen und die sehnsuchtsvolle Motivik am Leben erhielten. Der Schlusssatz marschierte trotz leicht nachlassender Spannung anständig bis zum bejubelten Ende.

Die Zugabe, Brahms’ Ungarischer Tanz Nr. 5, an sich ein schmissiger Rausschmeißer, wurde dann noch von einem musikalischen Geschenk übertroffen. Da Müller sein fünfjähriges Jubiläum als Oberstreichholz feierte, ehrte ihn sein Orchester mit einem Ständchen. Der verblüffte Müller, mit einem Scotch-Glas «versorgt« und von Überraschungs-Dirigent Bernhard Jorg auf einen Wartestuhl «verbannt«, und das Publikum hörten Edward Elgars «Nimrod« - gelungene Gratulation, tiefgehendes Finale.

Zufriedene Gesichter auf und vor der Bühne, viel Applaus - und frohes Warten auf die nächsten 25 Jahre.

CHRISTINE STUBENVOLL 

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