Sonntag, 18.11.2018

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Spendenlast: Pakete für Namibia hängen in Fürth fest

250 Kilo gespendetes Schulmaterial: Claudia Klein braucht Hilfe beim Transport - 26.08.2018 10:00 Uhr

Glückliche und zugleich verzweifelte Spendensammlerin: Claudia Klein mit einem Teil der 250 Kilo Schulmaterial. © Rempe


Claudia Klein weiß nicht, ob sie lachen oder weinen soll. Zu widersprüchlich sind die Gefühle, die die Pakete auslösen, die sich im Moment bei ihr stapeln. Jedes Einzelne ist randvoll mit allem, was für den Schulunterricht wichtig ist. Stifte, Hefte, Blöcke, Malfarben, Lehrbücher. Die 54-Jährige ist begeistert und gerührt von der Hilfsbereitschaft, von der diese Gaben sprechen: "Es ist einfach wunderbar, dass so viele Menschen helfen möchten."

Gerechnet hat sie damit "ganz ehrlich gesagt nicht". Und genau darin steckt das Problem. Denn sie weiß noch nicht, wie die guten Gaben an ihr Ziel kommen sollen.

Angefangen hat alles mit einem Anruf ihrer Tochter Johanna. Die 23-Jährige engagiert sich vor ihrem Referendariat als Grundschullehrerin in einem Projekt des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) in Namibia. "Seit Ende Juli ist sie dort", erzählt die Mutter.

Am Telefon habe sie berichtet, dass die Kinder in Karibib zwar ein vernünftiges Schulhaus haben, aber es gebe zum Beispiel noch nicht einmal für jedes von ihnen einen eigenen Stift. Johanna und ihre Kollegin Kati Beppler (23) sind zwar sehr kreativ, aber: "Im Augenblick haben sie etwa zum Basteln und Gestalten nur Sand und Steine", sagt Claudia Klein.

Für diese Schule in Namibia, an der Claudia Kleins Tochter unterrichtet, ist das Material bestimmt. © privat


Das Gespräch mit der Tochter ließ ihr keine Ruhe. "Spontan hab’ ich mich an den Computer gesetzt, Mails an verschiedene Firmen geschrieben und um Spenden für die afrikanischen Schulkinder gebeten." Klein ist von Beruf Erzieherin in einem Fürther Kindergarten. Als Fachfrau weiß sie, welches Material im Klassenzimmer gut gebraucht werden kann. Gehofft hat sie in diesem Moment aber allenfalls auf ein paar Hefte, einige Malstifte vielleicht. Dinge eben, die sie mit in den Koffer gepackt hätte, wenn sie im Herbst ihre Tochter besucht.

"Ich fürchte, ich war ziemlich naiv"

Doch es kam anders, ganz anders. Claudia Klein schüttelt den Kopf und sagt: "Ich fürchte, ich war ziemlich naiv, aber ich hatte wirklich keine Ahnung, wie toll viele Unternehmen reagieren würden." Denn nicht nur Schreibsachen kamen an, sondern auch rund 50 Mäppchen, damit jedes Kind seine Stifte gut aufbewahren kann.

Dazu Kleber, Malkästen, bunte Wollknäuel zum Basteln, Häkeln, Stricken. Ein Pedalo und Stelzen für Bewegungsspiele, die die Koordination fördern. Und weil die afrikanischen Kinder Deutsch lernen, bisher aber keine Bücher dafür hatten, schickte eine Firma genau die richtigen für den Sprachunterricht. "Sogar ein Whiteboard wurde gespendet", sagt Klein – und noch immer klingt sie höchst erstaunt.

Sehr bald war aber klar: "Wie sollen all diese wunderbaren Sachen bloß nach Namibia kommen?" Claudia Klein schüttelt den Kopf, sie ist inzwischen weiser, aber der Verzweiflung nahe. Wieder hat sie viel Zeit am Computer verbracht, hat Frachtkosten recherchiert, Zoll- und Auslaufgebühren sowie andere Aufwendungen, die fällig werden.

Eine letzte Hoffnung

Längst hat sie sich bei anderen informiert, die schon Erfahrung mit derartigen Hilfsaktionen haben. Vor Ort in Namibia wurden der Schulleiter, Johanna und Kati aktiv, erkundigten sich unter anderem nach Ermäßigungen, etwa beim Zoll. Ermutigend aber war das alles nicht. Ganz im Gegenteil.

Nachdem sie viele Absagen in Sachen Hilfe beim Transport bekommen hat ("Ich wüsste nicht, wen ich noch fragen soll"), hat Claudia Klein jetzt eine letzte Hoffnung: "Vielleicht gibt es Leute, die mit einer Spende helfen möchten." Dafür hat sie gerade ein spezielles Konto eingerichtet. "Sollte das klappen und es bliebe nach dem Versand noch Geld übrig, dann käme das selbstverständlich direkt und in voller Höhe der Schule in Namibia vor Ort zugute", macht sie klar.

Sie schaut auf die Kisten und Pakete, deren Inhalt den Jungen und Mädchen in der namibischen Schule, zu der auch ein Kinderheim gehört, so viel bedeuten würde, und sagt: "Ich war blauäugig und wollte doch nur helfen. Jetzt weiß ich: Ich hätte ganz anders vorgehen sollen." Doch sie ist sich auch sicher: "Ich habe eine Lebens- und Lernerfahrung gemacht." Und eines macht sie besonders froh: "Allen liegt es offensichtlich am Herzen, dass die afrikanischen Kinder eine gute Ausbildung bekommen. "

Wer helfen will, dass die Sachen ankommen, kann einen Beitrag auf das für diesen Zweck eingerichtete Konto bei der Sparkasse Fürth überweisen, IBAN: DE56 7625 0000 0041 0169 40, BIC: BYLADEM1SFU

Stichwort: Claudia Klein/Namibia-Spende, Claudia Klein ist telefonisch unter der Rufnummer (0175) 6 83 76 47 zu erreichen oder per Mail an klein.claudia@arcor.de 

Sabine Rempe

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