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Streitfall City-Center: Die Fronten bleiben verhärtet

TKN will mit neuem Partner weitermachen und verschärft den Ton, doch die Eigentümer winken ab - 04.07.2012 09:00 Uhr

Während die Lage im Center weiterhin ungeklärt bleibt, füllen sich einige der vor einem halben Jahr geräumten Ladenflächen wieder — des Öfteren mit extrem preisgünstig angebotener Ware. © Mark Johnston


Wer sich derzeit im City-Center umschaut, dürfte sich einigermaßen verdutzt die Augen reiben: Wo einige Monate nur leere Schaufensterfronten starrten, füllen sich zumindest einige der verwaisten Ladenflächen wieder. Geht es also aufwärts? Nicht wirklich, denn die Mieter haben nur kurzfristige Verträge, angeboten wird oft sehr preisgünstige, in rasch aufgebauten (und rasch wieder demontierbaren) Regalen platzierte Ware; manche verzichten auf den Luxus eines Geschäftsnamens.

Keine Frage: Hier wird versucht, zu retten, was zu retten ist. Denn seit das Center im Januar wegen des vermeintlich unmittelbar bevorstehenden Umbaus weitgehend geräumt wurde, laufen für die Eigentümer Nebenkosten auf, denen kaum noch Einnahmen aus Mieten gegenüberstehen. Energie, Technik, Versicherungen und mehr schlagen dem Vernehmen nach Monat für Monat mit einem hohen fünfstelligen Betrag zu Buche. Die Einnahmen aus den Übergangsvermietungen können den Verlust mindern.

Wie lange diese Übergangsphase jedoch noch dauern wird, ob überhaupt und wann es zur ersehnten Modernisierung des 27 Jahre alten Centers kommt – niemand wagt derzeit Prognosen. Dabei hatte unlängst eine Nachricht das Potenzial, neue Hoffnung zu wecken. Das Hamburger Unternehmen ECE, ein wahrer Gigant der Shopping-Center-Branche und Marktführer in Europa, sei bereit einzusteigen, teilte TKN mit.

Werben für ECE

Damit hätte die Firma aus der Nähe Münchens, die im April 2011 einen Kaufvertrag fürs City-Center unterzeichnet hat, bis heute aber die vereinbarten 20 Millionen Euro schuldig blieb und den 50 Millionen teuren Umbau erst recht, einen potenten Partner und Investor an der Hand. Hätte — würden die Noch-Eigentümer einwilligen, doch die möchten zu den Bedingungen von TKN-Chef Miro Vorbauer nicht mitspielen.

Dieser nämlich bittet um eine Verlängerung seines Kaufvertrags, damit das Geschäft mit ECE in Ruhe über die Bühne gebracht werden kann. Nach Ansicht der Eigentümervertreter aber ist da gar kein Vertrag mehr, den man verlängern könnte — denn nach ihrer Interpretation ist er am 31. März abgelaufen. Die Basis für eine weitere Zusammenarbeit sehe man nicht, so das von den Eigentümern mit den Verhandlungen betraute dreiköpfige „Verkaufsteam“.

TKN-Chef Miro Vorbauer, hier Ende 2010 im Center, macht Druck. © Hans-Joachim Winckler


In einem Schreiben an die 351 Eigentümer, das unserer Redaktion vorliegt, warnte Miro Vorbauer nun vergangene Woche davor, dieser Linie zu folgen. Werde die Verlängerung verweigert, gehe man „erhebliche Risiken“ ein, heißt es darin. So bestehe unter anderem die Gefahr, dass einzelne Eigentümer ihre erteilten Vollmachten zurückziehen und ein Verkauf des Centers deshalb nicht mehr möglich ist; zudem müsse jeder neue Kaufinteressent quasi von vorn anfangen, ausführlich rechtliche und technische Gegebenheiten durchleuchten und komplett neu planen — eine Verzögerung „auf unbestimmte Zeit“ wäre die Folge, so Vorbauer.

Deshalb bittet TKN die Eigentümer, „im Interesse einer erfolgreichen Umsetzung des Projekts“ an das eigene Verkaufsteam „zu appellieren“: Der Vertrag müsse verlängert werden, um ECE einzubinden. Das Projekt sei durch TKN „so gut vorbereitet“, dass die Hamburger problemlos einsteigen könnten, sagte Vorbauer auf Nachfrage der FN. Er halte das „für den aussichtsreichsten Weg“ aus einer „verfahrenen Lage“, so der TKN-Chef — der durch die Blume davor warnt, ihn auszubooten: „Im Pokalhalbfinale Fürth gegen Dortmund haben alle gesehen, was passiert, wenn man in letzter Sekunde einen entscheidenden Mann rausnimmt.“

Ob seine Firma im Härtefall Schadenersatzansprüche geltend machen würde, dazu will sich Vorbauer nicht äußern. „Das sollen die Juristen prüfen, aber das ist nicht unser Hauptziel“, so Vorbauer. Er selbst habe sich „nichts vorzuwerfen“ — zumal TKN bereits im März einen „neuen und finanzstarken Investor“ für das City-Center aufgetan habe; der Bitte, den Partner präsentieren zu können, sei das Verkaufsteam damals jedoch nicht nachgekommen.

Zu diesen und anderen Vorhaltungen von TKN wollte sich die Eigentümerseite auf FN-Anfrage nicht äußern. In einer Pressemitteilung vom Montag heißt es lediglich: „Das Verkaufsteam muss heute davon ausgehen, dass die Abwicklung und Umsetzung des Kaufvertrags der TKN nicht mehr möglich sein wird.“ Allerdings lägen „erfreulicherweise Alternativanfragen von potenziellen Investoren“ für den Kauf des City-Centers vor. Um wen es sich handelt, dazu verlautet nichts. 

WOLFGANG HÄNDEL

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