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Theater Thevo war mit interaktivem Stück in Veitsbronn

Aggressionen auf der Schulbühne zum Thema "FluchtEnde?" - 23.03.2016 21:00 Uhr

Aggressionen auf der Schulbühne in Veitsbronn: Das Nürnberger Theater Thevo zeigte Packendes, um Schülern das Thema Flucht näherzubringen. © Foto: Hetzner


Angst, Einsamkeit, Liebe, Freundschaft: Es war ein bewegendes Stück über das allgegenwärtige Thema Flüchtlinge, das die drei Schauspieler Jasmin Funke, Mario de Diago und Jörg Hundsdorfer auf die Bühne brachten. Bewusst spielten sie auf die damit verbundenen Ängste und Klischees an. Szene für Szene erlebten die Zuschauer Abschied, Flucht, Anfeindungen, aber auch Integration. Das Leben als Flüchtling – ungeschönt und aufreibend.

Die Handlung: Daniel flüchtet aus seinem von einer Militärdiktatur geplagten Heimatland Mexagado. Ganz auf sich gestellt strandet er in einem Nürnberger Jugendheim. Schnell geht er zur Schule, doch nicht alle freuen sich über den Neuankömmling. Nur Schülerin Lilli versucht zu helfen und freundet sich mit ihm an, was ihrem Mitschüler und Freund Luke gar nicht gefällt.

Nicht nur in der Schule, sondern auch im Jugendheim erlebt Daniel Einsamkeit und Gewalt. Während er sich mit Lilli immer besser versteht, zieht er Lukes Zorn mehr und mehr auf sich. Bis die Situation eskaliert. Wie geht es weiter? Hat die Prügelei mit Luke ernsthafte Konsequenzen für den jungen Flüchtling? Findet er seine Familie wieder?

Die Antworten auf solche Fragen liegen auch in der Hand des Publikums, das nun in das Geschehen auf der Bühne eingreifen darf: Es kann Szenen überspringen, Charaktere verändern oder neue hinzufügen. Mit einer Ausnahme – Daniel muss unverändert bleiben.

Wie andere Stücke des Theaters Thevo ist „FluchtEnde?“ als sogenanntes „Forumtheater“ inszeniert und für Mädchen und Jungen ab 13 Jahre konzipiert. Mit einem einfachen „Stopp“ können die Zuschauer ab einem bestimmten Zeitpunkt Grenzen ziehen und Einfluss nehmen. „Nur wer eingreift, kann die Geschichte ändern“, erklärte Jörg Hundsdorfer.

In der Nürnberger Südstadt hat die Theatergruppe ihr Domizil, aber zu sehen ist sie in ganz Europa. Das Ensemble entwickelt seit rund 20 Jahren Stücke, die nicht nur unterhalten, sondern zu aktuellen Themen Stellung nehmen und zur Diskussion anregen. Gespielt wird in Schulen. Das Themenspektrum reicht von Integration und Fremdsein über Gewaltprävention bis zu Sucht und Rassismus.

Seit den Thevo-Anfangstagen hat sich Theater allgemein — sei es selbst gespielt, sei es angeschaut — fester im Schulalltag verankert. Doch in der Thevo-Darreichungsform mit der Möglichkeit, aktiv einzugreifen, ist es noch immer relativ exotisch.

Auch in der Mittelschule Veitsbronn geht es den Schülern darum, einzugreifen – insbesondere der Klasse 8 a. Bereits im Sommer startete sie ein Begegnungsprojekt mit Flüchtlingen. Zusammen malten, bastelten, musizierten oder spielten sie Fußball bei mehreren Treffen. Eine Erfahrung, die die Schüler nicht mehr missen wollen. Weitere Nachmittage sind in Planung. Auch andere Klassen werden sich im Laufe des Schuljahrs daran beteiligen.

Mit Projekten wie diesem sowie der Aufführung des Stückes „FluchtEnde?“ möchten sich die Schüler um die Auszeichnung „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ bemühen. Im Vordergrund steht dabei die Integration der Flüchtlingskinder im Landkreis.

Und sie greifen beherzt ein bei der Vorstellung: Lehrerin Jutta Küfner macht den Anfang, sie fügt eine neue Figur, einen Mathelehrer, ein, den sie prompt selbst verkörpern darf. So glättet sie die Wogen zwischen den Rivalen Luke und Daniel. Eine weitere Zuschauerin verändert den Charakter der Schülerin Lilli. Sie tauscht Plätze mit der Schauspielerin Jasmin Funke und versöhnt mit ihrer Interpretation der Lilli Luke und Daniel.

Einer Schülerin wiederum ist Luke zu einseitig dargestellt, sie schreitet ein: Mit ihrer Interpretation des Charakters gelingt es, einen Einblick auch in sein Innerstes zu erhaschen. 

Anna Hetzner/erl

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