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Tochter als Sex-Sklavin missbraucht

44-jähriger Kraftfahrer muss neuneinhalb Jahre in Haft - 24.09.2010 12:25 Uhr

Laut einer aktuellen Umfrage sind 3,9
Prozent der 14- bis 16-Jährigen in Bayern bereits Opfer von sexuellem Missbrauch geworden.

Laut einer aktuellen Umfrage sind 3,9 Prozent der 14- bis 16-Jährigen in Bayern bereits Opfer von sexuellem Missbrauch geworden. © Symbolfoto, Colourbox.com


Der neunfache, arbeitslose Kraftfahrer konnte offenbar machen, was er wollte: Von 1999 bis 2007 stellte er der Reihe nach dreien seiner Töchter (heute 22, 18 und 14 Jahre alt) und einer Nichte nach; er begrapschte die Mädchen und vergewaltigte sie, eine von ihnen, sie ist heute 22 Jahre alt, „missbrauchte er ungeniert als Sexualobjekt“, beschreibt Staatsanwalt Roland Fleury. Das Mädchen, sie schlief jahrelang im elterlichen Ehebett in der Besucherritze, war von den Übergriffen des Vaters sichtlich überfordert, eine langjährige Freundin der Familie spricht im Zeugenstand von einer „partnerschaftlichen Beziehung“. Ob die Ehefrau aus Angst vor einem gewalttätigen Mann nie wagte, einzuschreiten oder ob sie von den ständigen Übergriffen nichts ahnte, bleibt im Prozess offen – der Angeklagte (Verteidiger: Klaus Pohl) gesteht die Übergriffe sofort, erspart den missbrauchten Mädchen wenigstens die Aussage im Gerichtssaal.

Es war die langjährige Freundin der Familie, der sich die jungen Frauen offenbarten und die im Dezember letzten Jahres das Jugendamt informierte und bei der Polizei schilderte, was sie erfahren hatte. Noch am selben Abend wurde der Mann verhaftet und landete in Untersuchungshaft.

Nebenklägerin Dagmar Beck spricht von einem erschreckenden Sachverhalt, den sie so „noch nicht erlebt hat“, nennt die Taten „monströs“. Allein, dass die Mädels nicht schreiend aus ihrem Elternhaus rannten, „heißt ja nicht, dass die Übergriffe nicht schlimm waren“. Sie betont die doppelte Opferrolle, die Tragödie, in die Hände eines Sexualstraftäters zu fallen und dabei Opfer des eigenen Vaters zu werden.

Alpträume und Blitzehe

Anwalt Pohl, er verteidigt nicht die Taten, sondern den Täter, spricht in seinem Plädoyer von der Menschenwürde auch des Angeklagten – und warnt davor, den Täter auf „das Monster von Fürth“ zu reduzieren. Tatsächlich ist es für die jungen Frauen schwer, mit den Geschehnissen zurechtzukommen. Inzwischen lässt sich eines der Opfer von einem Therapeuten helfen, leidet unter Schlafstörungen und ritzt sich die Oberarme. Die 22-Jährige stürzte sich mit einer Drei-Monats-Bekanntschaft in eine Blitzehe. Die Mutter der Töchter wurde letzte Woche von ihrem Mann geschieden, doch für die Töchter bleibt die verwandtschaftliche Bindung bis an ihr Lebensende bestehen.

 

Ulrike Löw

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