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Montag, 24.09.2018

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Typisierung: Puschendorf sucht Lebensretter für Björn

Große Aktion am 1. September - Mitarbeiter des Bauhofs leidet an Blutkrebs - 23.08.2018 17:10 Uhr

Auch Hunderte Polizisten der Nürnberger Bereitschaftspolizei haben sich typisieren lassen, um Björn zu helfen. Sie haben die Aktion seines Fußballvereins unterstützt. © Roland Fengler


Der 36-jährige Björn (seinen Nachnamen möchte er nicht öffentlich machen) ist seit einem Jahr als Gärtner im Bauhof angestellt. Er wohnt in Nürnberg und ist Vater von zwei kleinen Kindern im Alter von zwei und sechs Jahren. Im April hatte er sich nach einer harmlosen Verletzung eine Blutvergiftung zugezogen, die nicht heilen wollte. Weitere Untersuchung ergaben, dass sein Blut nicht genügend Stoffe zur Immunabwehr produzieren konnte – weil er an Blutkrebs leidet.

Da es sich bei Björn um eine sehr aggressive Leukämieform handelt, ist Eile geboten. Die Stammzellentransplantation ist seine einzige Überlebenschance. Bei dieser Behandlung würden bei Björn zunächst Knochenmark und erkrankte Stammzellen durch eine Bestrahlung oder eine hochdosierte Chemotherapie zerstört werden. Anschließend werden gesunde Stammzellen einer Spenderin oder eines Spenders transplantiert, aus denen sich ein neues blutbildendes System entwickeln kann.

Weltweite Suche noch ohne Treffer

Der Familienvater hat bereits zwei sehr aggressive Chemotherapien hinter sich und wartet derzeit in einem total isolierten Krankenhauszimmer auf diese lebensrettenden Stammzellen, denn er hat kaum eigene Abwehrkräfte. Leider wurde bislang bei der weltweiten Suche nach einem genetischen Zwilling – also einem Menschen, der nahezu die gleichen Gewebemerkmale aufweist – kein passender Spender gefunden.

Daher hat Björn nun zuletzt Stammzellen seiner Schwester bekommen. Diese weisen jedoch nur eine Übereinstimmung von 60 Prozent auf und haben bislang noch nicht "angeschlagen". Bessere Erfolgschancen verspricht ein Spender, dessen Blutwerte zu nahezu 100 Prozent übereinstimmen. Auch Björns Fußballverein, in dem auch noch ein fünfjähriges Kind an Leukämie erkrankt ist, hat kürzlich versucht, passende Menschen für beide mit einer Typisierungsaktion zu finden. Die Bereitschaftspolizei unterstützte das Anliegen: Hunderte Polizisten ließen sich registrieren.

"Nur so kann man gefunden werden"

Um Björn und anderen Leukämie-Patienten zu helfen, organisieren nun auch die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung Puschendorf gemeinsam mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) eine Registrierungsaktion. "Es ist wichtig, dass sich möglichst viele Menschen als potenzielle Stammzellspender registrieren lassen. Denn nur dann können sie als Lebensretter gefunden werden", sagt Bürgermeister Kistner.

Bei der Registrierung fließt kein Blut: Mit einem Wattestäbchen wird ein Abstrich der Mundschleimhaut genommen. © Berny Meyer


Jeder, der in der Datenbank registriert ist, kann für einen Patienten irgendwo auf der Welt der Richtige sein. Kistner ist Björns Vorgesetzter und zögerte nicht, die Schirmherrschaft zu übernehmen. Die Vorbereitungen unterstützt er intensiv.

Wer gesund und zwischen 17 und 55 Jahren alt ist, kann aktiv bei dieser Rettungsaktion mitwirken und sich in die Datenbank aufnehmen lassen. Bei der Registrierung fließt kein Blut. Es wird lediglich mit einem Wattestäbchen ein Abstrich der Mundschleimhaut genommen. Kommt es zu einem "Treffer", also einer Übereinstimmung von vielen wesentlichen Merkmalen, wird man informiert.

Stimmt man dann zu, Stammzellen zu spenden, genügt in den meisten Fällen eine Form der Blutspende. Weil die Zeit drängt, hat Bürgermeister Kistner sich für diesen Termin in der Ferienzeit entschieden. Er hofft dennoch auf große Beteiligung.

Die Aktion findet am Samstag, 1. September, von 13 bis 16 Uhr in der Eichwaldhalle Puschendorf (Waldstraße) statt. Da jede Registrierung bei der DKMS 35 Euro kostet, sind auch Geldspenden willkommen. Das Spendenkonto der DKMS unter dem Stichwort Björn lautet IBAN: DE64 6415 0020 0000 2555 56.

Bilderstrecke zum Thema

Typisierung in Nürnberg: Hunderte wollen Leukämiekranke retten

Club-Profi Robert Bauer schrieb Autogramme, die Ice Tigers schickten Maskottchen Pucki - und Dutzende Helfer packten mit an: Hunderte Nürnberger ließen sich auf dem Gelände des DJ Eintracht Süd am Sonntag typisieren. Zwei Mitglieder des Vereins - ein Trainer und ein G-Jugend-Spieler - erkrankten an Leukämie.


 

Ralf Jakob

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