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Freitag, 20.07.2018

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Wandel zur Demokratie: Fürth hilft tunesischer Stadt

Delegation aus Midoun zeigte beim Besuch großes Interesse - 20.07.2017 06:00 Uhr

Durch eine Projektpartnerschaft ist Fürth neuerdings mit der tunesischen Stadt Midoun verbunden, die im Nordosten der Insel Djerba liegt. © Foto: imago


Fünf Tage verbrachten der Verwalttungsleiter von Midoun, die Kultur- und Sozialamtsleiterin, übrigens die erste weibliche Führungskraft in Midouns Verwaltungsspitze, und zwei Mitarbeiter der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Fürth. Die Kleeblattstadt vertieft damit die noch zarten Beziehungen zu Midoun – in einer Zeit, in der in Tunesien vieles im Umbruch ist. In dem Land begann 2010 der arabische Frühling, vor allem die Jugend stürzte den Diktator Ben Ali, um raus aus der Perspektivlosigkeit zu kommen.

Die wirtschaftliche Lage hat sich seitdem kaum verändert. 2016 war rund ein Drittel der jungen Tunesier arbeitslos. Doch das Land befindet sich in einem demokratischen Wandlungsprozess. Es hat 2014 Parlamentswahlen nach demokratischen Grundsätzen erlebt, im Dezember stehen die ersten freien Kommunalwahlen an.

Der Kontakt zwischen Fürth und Midoun entstand im vergangenen September, als der Deutsche Städtetag bei einem Kongress an die Kommunen appellierte, sich in den Maghreb-Staaten – Tunesien, Marokko, Algerien – zu engagieren und den Demokratisierungsprozess zu unterstützen. Wie bei einer Börse wurden Projekte vorgestellt, sagt Hilde Langfeld, Fürths Beauftragte für Städtepartnerschaften. Die Vertreter der Kleeblattstadt fanden ein Anliegen aus Midoun spannend: Die Stadt auf der Insel Djerba suchte technisches Knowhow für die Renovierung einer Freilichtbühne.

Im Februar reiste Langfeld mit Fachleuten des Stadttheaters nach Midoun, dabei tauschte man sich über Bühnen- und Lichttechnik aus – und stellte fest, dass es viel mehr Fragen gibt, etwa wie in Fürth Verwaltung, Kindererziehung und Schulsystem organisiert sind. Im Mai kamen Techniker aus Midoun ans Stadttheater. Jetzt folgte die Verwaltungsspitze.

Wie gelingt hier Inklusion?

Die Gäste wurden nicht nur im Rathaus empfangen, sondern besichtigten das Stadttheater, sprachen im Frauenmuseum über eine mögliche Beteiligung an einer Ausstellung 2018 und knüpften erste Kontakte auf Vereinsebene mit dem Golfclub.

Wichtig war den Tunesiern außerdem, sich über die Kindertagesstätte des Förderzentrums Süd zu informieren. Wie die Arbeit mit Menschen mit Behinderung aussieht und Inklusion gefördert wird, interessierte sie besonders, sind sie doch stolz auf Einrichtungen für behinderte Kinder in ihrer Heimat, die nicht selbstverständlich sind in afrikanischen Staaten.

Beim Besuch einer Regel-Kita fiel der Delegation der eher spielerische Ansatz hier auf. In Tunesien ähneln die Kindertagesstätten eher Vorschulen. Spannend für Fürth wiederum ist, dass dort die Betreuung dank Kita-Pflicht und Ganztagsschulen vollkommen abgedeckt ist. Ein vertiefter Austausch mit dem Förderzentrum könnte das zweite gemeinsame Projekt werden, E-Mail-Kontakt und weitere Besuche sind angedacht.

In Zukunft könne man sich auch gut Schüleraustausche, Gespräche über Kindererziehung oder über Solarenergie und erneuerbare Energien vorstellen, so Hilde Langfeld. Finanziert wird der Austausch bisher vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und der SKEW (Servicestelle Kommunen in der Einen Welt). Die Projekte sollen die Bürgerbeteiligung stärken, die Lebensqualität der Tunesier verbessern und Fluchtursachen bekämpfen. Andere Städte wie Nürnberg und Erlangen interessieren sich inzwischen auch für solche Projekte. 

LUISA HEINE/CLAUDIA ZIOB

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