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Wilhermsdorf gibt auf der Datenautobahn Gas

Die Marktgemeinde geht digital auf die Überholspur - 27.11.2017 21:00 Uhr

Telekom-Glasfaserkabel für Wilhermsdorf : 15 km wurden vergraben, jetzt wurde die offizielle Eröffnung des schnellen Netzes gefeiert. Von Links: Markus Winter (Telekom), Peter Chorbacher (Bauleiter), Bürgermeister Uwe Emmert, Wilhermsdorfs Kämmerer und "Datenbeauftragter" Johann Krauss, Thomas Braun (Telekom), Bernhard Gentner, Planungsbüro Corwese © Wraneschitz


Ende 2016 war der Auftrag für den Masterplan an das vom Gemeindetag empfohlene Beratungs- und Strategie-Büro Corwese in Weidenbach vergeben worden. Nun trug Ingenieur Bernhard Gentner im Rat vor, wie die Zukunft der Kommunikationstechnik in Wilhermsdorf aussehen und wie der Weg dahin am günstigsten beschritten werden könnte.

Planer Gentner habe für die gesamte Umsetzung "Glasfaser in die Häuser" etwa 7,5 Millionen Euro errechnet, erklärte Bürgermeister Uwe Emmert gegenüber FN. Der Großteil davon entfiele aber nicht auf die Leitungen, sondern auf den Tiefbau. Gut also, dass die Gemeinde seit geraumer Zeit bei Straßenerneuerungen schon Leerrohre verlegen lässt — jüngst in Meiersberg oder Kirchfarrnbach. Das könnte den Internetausbau später verbilligen.

Hoffen auf neue Förderung

Was den Rest angeht, schielt der Bürgermeister bereits wieder auf erhoffte neue Förderprogramme von Land und Bund. "Das Neue von heute ist das Mittelalter von morgen", begründete er seine Vision für noch mehr Megabit pro Sekunde (MBit/s) beim Surftempo.

Doch zunächst ging das "Ausbauprojekt Breitbandversorgung Wilhermsdorf" offiziell in Betrieb – mit 80-prozentiger Unterstützung seitens des Freistaats. "Wir möchten zusammen mit unserem Vertragspartner Deutsche Telekom die Realisierung im Rahmen einer kleinen Feier abschließen", stand in der Einladung der Gemeinde. Diese war verdient, denn der Weg bis zu diesem Termin war unerwartet steinig und lang gewesen: Darüber waren sich alle Beteiligten im Trausaal des örtlichen Rathauses einig.

"Heute trauen wir uns, auf den Knopf zu drücken": Bürgermeister Emmert war die Erleichterung bei dem symbolischen Akt anzumerken. Denn seit der Vertragsunterzeichnung im August 2015 waren mehr als zwei Jahre vergangen. Der Gemeinderats- Grundsatzbeschluss zum schnellen Internet liegt sogar noch länger zurück. Schon am 21. Oktober 2014 hatte das Ratsgremium über die angestrebte Verbesserung entschieden: "Die Versorgung im Ortskern Wilhermsdorf bis 50 MBit/s durch die Telekom und bis zu 100 MBit/s durch Kabel Deutschland" und die "Hybridlösung Anbindung Richtfunk" in den Ortsteilen mit "Bandbreiten bis 16 Mbit/s" soll dann möglich sein." Bereits damals hatte Ingenieur Bernhard Gentner für Glasfaser statt der bisherigen Kupferleitungen plädiert.

Dann kam das bayerische Förderprogramm und damit ein Ausschreibungsverfahren. Weil aber "zirka 2000 Verträge in Bayern geschlossen wurden, oft mit der Telekom", wie Emmert weiß, "hat mehrfach was gezwickt". Gerade in Wilhermsdorf. Weshalb Telekom-Mann Thomas Braun bei der Feier freimütig zugab: "Bei der Technik ist vieles nicht so gelaufen. Wir müssen uns bei der Gemeinde entschuldigen." Denn die Verkabelung war mit sprichwörtlich vielen unvorhergesehenen Fallgruben versehen.

Vor allem die Sub-Unternehmen der Telekom leisteten nicht immer optimale Arbeit, das eine oder andere wurde auch schon mal ausgewechselt. Was Zeit kostete. Nun aber "sind fast alle Gräben wieder geschlossen", darüber freute sich nicht nur Emmert.

Markus Winter, ebenfalls Telekom, umschrieb das so: "Wir haben einen spannenden Weg hinter uns. Jetzt aber kann das schnelle Internet beantragt werden. Doch jeder muss selbst aktiv werden, ob mit der Telekom oder einem anderen Anbieter." Denn der Zugang zu 30, 50 oder gar bis zu 100 MBit/s Datengeschwindigkeit sei über alle Anbieter möglich, so Winter. Das trifft nicht nur für jene Kabelnetzteile zu, die mit 80 Prozent staatlicher Förderung ausgebaut worden sind, sondern auch auf "eigenwirtschaftlich", also auf Telekom-Kosten verbesserte Leitungen.

Den Gesamtaufwand für den Ex-Staatskonzern nannte Winter im Übrigen nicht. Uwe Emmert dagegen stellte heraus, was an Steuergeldern geflossen ist: 101 419 Euro von der Gemeinde, das Vierfache vom Freistaat Bayern. 

HEINZ WRANESCHITZ

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