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Wohin in Ammerndorf?

In der Marktgemeinde sind Wohnungen und Bauplätze Mangelware - 08.12.2017 13:00 Uhr

Das Wohnungs- und Hausangebot in Ammerndorf ist begrenzt. © Hans-Joachim Winckler


Im Norden der Sportplatz und der Wald, im Osten zwei Aussiedlerhöfe, im Süden die Bibert, im Westen die Gemeindegrenze zu Großhabersdorf: Ammerndorfs Bürgermeister Alexander Fritz braucht nicht viele Worte, um das Kernproblem zu beschreiben, wenn es um die Weiterentwicklung der Gemeinde geht. Es fehlt schlichtweg an Platz, egal in welche Himmelsrichtung man auch schaut, überall finden sich beinahe unverrückbare Gegebenheiten. Das letzte Baugebiet hat Ammerndorf Anfang der 2000er Jahre ausgewiesen, die sogenannte "Lehmgrube" am Ortsausgang nach Cadolzburg westlich der Staatsstraße. Dort entstanden seinerzeit noch einmal 15 Häuser.

Wobei, Möglichkeiten gäbe es schon. Auch der Ort im Bibertgrund hat nämlich, wie etliche andere Kommunen, Wohnquartiere, entstanden vor Jahrzehnten, auf der mittlerweile viel zu wenige Personen auf viel zu großen Grundstücken oft sogar allein in ihren Häusern wohnen. "Pelzetleite" heißt dieser Klassiker in Ammerndorf: entstanden Anfang der 1970er Jahre, überwiegend Einfamilienhäuser, auf Grundstücken zwischen 800 und 1200 Quadratmetern. Dieses Areal, auf dem rund 500 Menschen leben, haben die Studenten im Zuge eines Modellprojekts, bei dem der Arbeitstitel für Ammerndorf "Baugebiet im Wandel" lautete, untersucht.

Die Problematik an und für sich — wenige, oft ältere Bewohner auf sehr viel Raum — war Gemeinderat und Bürgermeister schon bewusst. Überraschend, sagt Fritz, sei dann aber doch gewesen, dass so viele Häuser nur einen Punkt erhalten hätten. Damit wurde die Anzahl der Bewohner pro Einheit kenntlich gemacht. Um den gordischen Knoten von einerseits reger Nachfrage nach Wohnraum und andererseits nicht mehr ausreichend genutzten Wohnflächen zu durchtrennen, schlugen die Studenten vom Institut für Geografie folgende Lösungen vor: Eine gewisse "Elastizität" im Bebauungsplan, um Nachverdichtung in Form von Anbauten oder Aufstockungen zu ermöglichen, so dass etwa eine zweite Familie mit in ein Gebäude einziehen kann. Was in der Theorie gut klingt, lässt sich in der Praxis aber nicht immer so einfach verwirklichen. Will heißen: Nicht jede Seniorin oder jeder Senior möchte noch jemanden mit im Haus wohnen haben.

Offene Türen rannten die Nachwuchsakademiker bei den Kommunalpolitikern dagegen mit ihrem zweiten Vorschlag ein: Wohnraum schaffen, und zwar kleinere Einheiten. Denn einen Satz hat Bürgermeister Fritz immer wieder gehört, wenn er mit Bürgern spricht, denen ihr Eigenheim eigentlich zu groß und die Arbeit damit zu beschwerlich geworden ist: "Wo soll ich denn hin? Ich möchte doch in Ammerndorf bleiben." Ein Anfang ist, wie berichtet, bereits gemacht. Anfang nächsten Jahres soll das Lenz-Gebäude abgebrochen werden und Platz machen für ein Mehrfamilienhaus.

Im Zuge des Sozialen Wohnungsbaus lässt die Gemeinde die Immobilie errichten und vermietet sie für sechs Euro pro Quadratmeter. Jeweils zwei 5- und 4-Zimmer-Wohnungen entstehen, Raum für Familien mit Kindern. In der 2- bzw. der 3-Zimmer-Wohnung könnten aber auch ältere Herrschaften einziehen, die dafür ihr Heim abgeben — sei es an die eigenen Kinder oder an den freien Markt. Der Verkauf ist kein Problem: "Häuser", sagt der Bürgermeister, "gehen weg wie warme Semmeln."

Arbeitskreis denkt nach

Außerdem ist da ein zweites Objekt, das die Gemeinde bereits gekauft hat, dessen weitere Nutzung aber noch nicht klar ist: der sogenannte "Rudelshof" im Ortszentrum gleich neben dem Gasthaus "Zur Sonne". Gedankenspiele gab es bereits, so wurde über eine Demenzwohngruppe nachgedacht. Alexander Fritz könnte sich gut kleinere Appartements speziell für Senioren vorstellen. Darüber soll sich jedoch ein Arbeitskreis Gedanken machen, den der Gemeinderat eingesetzt hat. So wäre es auch möglich, dass ein Investor das Areal übernimmt und vermarktet. Der Dullikener Platz neben dem Feuerwehrhaus bietet mit rund 4000 Quadratmetern ebenfalls erhebliches Potenzial und das in zentraler Lage. Alles allein stemmen, das kann die Kommune aufgrund ihrer Finanzlage nicht: Das Bürgerhaus, das Lenz-Gebäude, der Rudelshof – man habe schon ein paar Millionen ausgegeben, meint der Bürgermeister, "irgendwann ist Schluss".

Dennoch sondiert das Rathaus, ob etwa im Westen des Gemeindegebietes nicht auch noch etwas in Sachen Baugebiet gehen könnte. Die Eigner der entsprechenden Flächen wurden vor kurzem angeschrieben, um ihre Verkaufsbereitschaft auszuloten. Oft ein dickes Brett, das da zu bohren ist, wie sich auch in der Pelzetleite zeigt. Rund 30 freie Grundstücke gibt es dort nämlich noch — und das seit Jahrzehnten. Alexander Fritz hat sie erst vor wenigen Wochen gezählt. In Zeiten magerer Zinsen sind die Chancen aber wohl gering, dass sich daran demnächst etwas ändern dürfte. 

Harald Ehm

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