Donnerstag, 13.12.2018

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Zweimal Bundestagswahl für junge Menschen

Die Juniorwahl simuliert den Urnengang für Schüler — Pendant zur U18-Wahl - 22.09.2017 16:00 Uhr

Bei der Juniorwahl am Wolfgang-Borchert-Gymnasium durfte Marlene (15) ihren Stimmzettel in die Urne werfen. © Stöckl


Wer am Donnerstagmorgen den Raum A10 des Helene-Lange-Gymnasiums betrat, staunte nicht schlecht: Im Klassenzimmer, in dem sonst Fernsehapparate stehen, sitzen an drei Tischen fünf Wahlhelfer, eine Wahlurne und Kabinen sind aufgestellt, "Juniorwahl" steht an der Tafel. Wer seinen Personalausweis und die Wahlbenachrichtigung vorlegt, bekommt einen Stimmzettel. Ute Hirschmann, Sozialkunde-Fachbetreuerin, sitzt neben der Urne und überwacht gemeinsam mit den Wahlhelfern der neunten Jahrgangsstufe, dass jeder auch wirklich nur einen Stimmzettel abgibt. Wie bei einer echten Wahl eben.

Manche machen zweimal ihre Kreuze

Rund eine Million junge Menschen an insgesamt knapp 3500 Schulen nahmen dieses Jahr am Urnengang teil, zwischen dem 18. und 22. September konnten sie ihre Kreuze machen. Am Wochenende davor hatten Jugendliche aber schon einmal Bundestagswahl spielen dürfen: Am 15. September fand die U18-Wahl statt. "Ich will nicht ausschließen, dass manche, die letzte Woche daran teilgenommen haben, auch bei der Juniorwahl mitmachen", sagt Michael Scholl vom Bundesjugendring, der die U18-Wahl mitorganisiert.

Dass es für Jugendliche gleich zwei Möglichkeiten gibt, ihre (allerdings "wertlose") Stimme abzugeben, liegt an einer Mischung aus Zufall und gegenläufigen Philosophien. In der Gründungsgeschichte der Juniorwahl spielen eine Talkshow, ein Vorbild aus den USA und eine Schulclique eine Rolle. Die Clique gründete 1998 im Berlin den Verein "Kumulus" und führte ein Jahr später die erste Juniorwahl an drei Berliner Schulen durch. Sie orientierte sich dabei an der US-Initiative "Kids Voting", bei der Kinder und Jugendliche ihre Stimme zu den Präsidentschaftswahlen abgeben können. Der Politikprofessor Jürgen Falter hatte das Konzept in der Talkshow "Sabine Christiansen" vorgestellt. "Wenn ihr mit einem solchen Projekt jemanden erreichen wollt, reicht es nicht zu wählen", erinnert sich Gerald Wolff, Projektleiter der Juniorwahl, an die Worte des Professors. Ein Programm musste her, die Initiatoren entschieden sich für ein Bildungskonzept, ausschließlich für Schulen.

Im Helene-Lange-Gymnasium wachten die Wahlhelfer (rechts) darüber, dass alle die Formalien der Juniorwahl einhalten. © Foto: Sandler


Wahlen mit und für Kinder

Die Idee für die U18-Wahl entstand dagegen 1996 in einem Jugendclub in Berlin-Mitte. Im Gegensatz zur Juniorwahl, die für Kinder ab der siebten Klasse gedacht ist, können hier alle Altersklassen mitmachen – in improvisierten Wahllokalen in Jugendzentren, Gemeinderäumen, Sporthallen oder bei der Zeitung (auch in der FN-Geschäftsstelle wurde gewählt). Die Unterschiede: Bei der Juniorwahl wird die echte Wahl bis ins Detail simuliert, es gibt ein festes Unterrichtskonzept für Schulen. Beim U18-Urnengang geht es viel ums Selber machen und Gestalten, sie findet nicht "für", sondern "mit" den Kindern und Jugendlichen statt, sagt Bundesjugendring-Sprecher Scholl.


Warum arbeiten die Initiativen nicht zusammen? Mehr Infos zu Junior- und U18-Wahl.


Im HLG nahmen dieses Jahr etwa 190 Schüler der Q11 und der sozialwissenschaftlichen zehnten Klassen teil, in Langenzenn wählten die zehnten Klassen des Wolfgang-Borchert-Gymnasiums. "Es ist wirklich interessant zu sehen, wie die Jugend abstimmt", sagt Jennifer Baudisch aus der Q11 des HLG. Wer die stärkste Kraft ist, wird zeitgleich mit der echten Wahl am Sonntag um 18 Uhr bekanntgegeben. Die U 18-Ergebnisse gab es schon vorher. "Am Wahltag selbst interessiert das keinen mehr", sagt Scholl. Q11-Schülerin Franka Wollner wünscht sich trotz der zwei Möglichkeiten noch mehr Teilhabe: "Ich finde, man sollte schon ab 17 wählen dürfen. Da kann man sich schon sehr gut seine Meinung bilden." 

JULIA RUHNAUUND DOMINIK SANDLER

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