Donnerstag, 15.11.2018

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Autorin Lena Gorelik liest in Gunzenhausen

Jüdische Journalistin liest im Lutherhaus - Mehrere Veranstaltungen erinnern an die Reichspogromnacht von 1938 - 05.11.2018 17:44 Uhr

Esther Bejarano singt im Lutherhaus gegen das Vergessen und für das Leben. © Veranstalter


Eine Generation, die sich, so erklärt es Stadtarchivar Werner Mühlhäußer, "über die Zukunft und nicht über die Vergangenheit definieren möchte". Die 37-Jährige russisch-jüdischer Herkunft kam 1992 mit ihren Eltern nach Deutschland. Sie absolvierte die Deutsche Journalistenschule in München und anschließend, ebenfalls in München, den Studiengang Osteuropastudien. Zu ihren, teils mit Preisen ausgezeichneten Werken, zählen Belletristik, Reiseliteratur und wissenschaftliche Texte.

Mühlhäußer spricht daher nicht von ungefähr von einem "hochkarätigen Gast", der in Gunzenhausen erwartet wird. Neben der Lesung aus "Sie können aber gut Deutsch" und "Lieber Mischa" am Abend (Beginn ist um 19 Uhr) liest sie am Vormittag vor rund 120 Schülern im Lutherhaus und steht ihnen anschließend auch für Fragen zur Verfügung. Vertreterinnen dieser "Generation der jungen Juden" sind auch Barbara Honigmann und Esther Dischereit, aus deren Werken Peter Schnell und Georg Weigel dann abends Kostproben geben werden.

Die beiden Gunzenhäuser haben zusammen mit Werner Mühlhäußer schon mehrere Veranstaltungen dieser Art erfolgreich konzipiert und sich im Vorfeld viele Gedanken gemacht, das Programm zwar erinnernd, aber nicht ausschließlich rückwärtsgewandt zu gestalten. Zu den Lesungen steuert der Stadtarchivar unter dem Titel "Eine Nacht im November ’38" Historisches zur Gedenkveranstaltung bei. Außerdem geht er auf das Thema "1939 bis 1949. Jüdisch in Gunzenhausen" ein.

Wie die Stadt Gunzenhausen, vertreten durch Bürgermeister Karl-Heinz Fitz, beteiligen sich auch die Kirchen wieder an der Ausgestaltung des Gedenkens. Dekan Klaus Mendel wird einführende Worte sprechen und Stadtpfarrer Christoph Witczak bereitet eine Psalmlesung vor. Eingerahmt werden die Programmpunkte von ausgewählten Musikstücken, für die Kirchenmusikdirektor Bernhard Krikkay verantwortlich zeichnet.

Journalistin und Schriftstellerin Lena Gorelik kommt zum Gedenkabend ins Lutherhaus. © Foto: Gerald von Foris


Sowohl das Format als auch die Lokalität und die Akteure des Gedenkabends werden bewusst jedes Jahr gewechselt, erklärt Bürgermeister Fitz und dankt vor allem Werner Mühlhäußer, der sich heuer zu "99 Prozent darum gekümmert" hat.

Gedenken an Sophie Scholl

Die Erinnerung an die schrecklichen Geschehnisse dieser Zeit wachzuhalten, haben sich auch die Feuchtwanger Kreuzgangspiele auf die Fahne geschrieben und starten mit einer starken und beeindruckenden Persönlichkeit am Freitag, 9. November, um 20 Uhr in der Stadthalle Kasten die Reihe Kreuzgangspiele extra: Sophie Scholl.

Dieser Theaterabend ist zum einen der Auftakt zur neuen Saison 2019, zugleich ist er eine Erinnerung an die staatlich organisierten Gewaltmaßnahmen gegen Juden am 9. und 10. November 1938 sowie an den Widerstand gegen das NS-Regime, zu dem Sophie Scholl und die Weiße Rose gehörten.

Historische Dokumente, Musik und Texte aus den 1920er- bis 1940er-Jahren zeigen Sophie Scholl als Teenager mit ganz heutigen Träumen und Vorstellungen. Sie hat einen großen Freundeskreis, man trifft sich auf Partys, Sophie verliebt sich, beendet die Schule und beginnt mit dem Studium. Aber dann bricht der Krieg aus. Freund und Bruder sind Soldaten und berichten Grauenvolles von der Front. In Sophies Tagebucheinträgen und Briefen wird deutlich, wie ihr politisches Bewusstsein und ihr Wille zum Widerstand immer stärker wachsen. Bis ihr klar wird: Wenn sich etwas ändern soll, dann muss sie selber aktiv werden!

Karten und Informationen gibt es im Kulturbüro der Stadt Feuchtwangen, Marktplatz 2, Telefon 09852/ 90444, www.kreuzgangspiele.de, www.tourismus-feuchtwangen.de, in der Geschäftsstelle des Altmühl-Boten und auf www.reservix.de.

Gegen Hass und Gewalt

Ganz persönliche Erinnerungen an die Gräuel des Nazi-Regimes hat Esther Bejarano, die eine Woche später, am Freitag, 16. November, um 20 Uhr im Lutherhaus Gunzenhausen zusammen mit Sohn Joram und der Kölner Hip-Hop-Gruppe "Microphone Mafia" auftritt: Sie wurde 1924 in Saarlouis als Tochter eines Kantors geboren. Mit 18 Jahren wird sie in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert – auf Wunsch des Barackenältesten spielt die junge Frau mit "Nummer 41948" am Klavier Lieder von Schubert, Bach und Mozart und singt dazu. Als im Lager Auschwitz ein Mädchenorchester zusammengestellt wurde und ihr Name bei der Rekrutierung des Ensembles fiel, traf das Mädchen beim Vorspielen wie durch Zufall die richtigen Töne am Akkordeon – obwohl sie bis dahin lediglich Klavier gespielt hat.

Zweimal am Tag müssen die 40 jungen Frauen für die Gefangenen aufspielen: morgens, wenn die Arbeitskolonnen das Lager verlassen, und abends, wenn sie zurückkommen. Seit Anfang der 1970er-Jahre setzt sie sich gegen das Vergessen und gegen rechte Gewalt ein. Über die aktuellen politischen Entwicklungen in Deutschland sagt sie: "Für mich ist Pegida eine Katastrophe. Wie damals geht es gegen Juden und Ausländer." Für Esther Bejarano steht fest: Sie wird bis zum letzten Atemzug dagegen ansingen.

Den "Abend gegen das Vergessen und für das Leben" organisiert Klaus Seeger zusammen mit Kooperationspartnern aus der Region. Karten gibt es im Vorverkauf über www.reservix.de, sowie in der Geschäftsstelle des Altmühl-Boten, bei der Touristinfo Gunzenhausen und der Buchhandlung Fischer, Gunzenhausen. 

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